Wagneralm: Von der Idee zum Beleg

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Samerberg - Seit fast 60 Jahren sorgt sich Walburga Wagner um das Wohlergehen von Tieren und Menschen auf der Alm. Bei einem Besuch gibt sie Einblicke in ihr Wagner-Almleben.

Seit 1954, also seit fast 60 Jahren, geht Walburga Wagner auf die gleichnamige Wagneralm am Samerberg. Und seit nunmehr 30 Jahren ist die Wagner-Alm auch eine richtige Einkehr-Station, bei der es sich gut stärken lässt und bei der heuer schon viele Sonnenuntergänge auf der Terrasse genossen werden konnten. Walburga Wagner ist viel und gerne auf der im Sommer und Herbst täglich geöffneten Alm.

Ein reiches Leben auf der Alm liegt hinter Wally Wagner. Mit Dankbarkeit und etwas Nachdenklichkeit schaut sie zurück. „Man hängt schon dran!“ – mit diesem einfachen Satz bringt sie zum Ausdruck, dass das Leben und Arbeiten auf der Alm nicht so einfach ist wie es manche Berg- und Almbesucher durch die Romantik-Brille sehen. Die Arbeit ist oft anstrengend und hart und vor allem ist sie bei jedem Wetter und jeden Tag ohne Urlaub zu meistern. Ihr Sohn Michael ist seit 43 Jahren Wagner-Alm-Betreuer. Die Alm gehört zu seinem Bauernhof in Ried im Winkl am Samerberg. Als Michael Wagner 16 Jahre alt war, aus der Schule und erstmals auf die Alm kam, da sollte er seine Oma unterstützen. Doch diese verstarb in diesem Jahr und so übernahm Michael die Almaufgaben und Verantwortung schon in jungen Jahren.

Almeinkehr mit schönen Wandermöglichkeiten

Die Wagner-Alm ist leicht vom Wanderparkplatz (zwischen Grainbach und Duftbräu) in einer halben Stunde zu erreichen. Von der Wagneralm sind schöne Weiter-Wanderungen zu den Feichteck-Almen, in die Euzenau und zu den Heuberg-Almen möglich. Weil es schon immer Leute gab, die zur Wagner-Alm kamen und nach Getränken und Brotzeiten anfragten, wurde die Alm für die Gäste vor nunmehr 30 Jahren geöffnet. Seither gibt es einen offiziellen Ausschank. Unabhängig davon ist sie gemütlich geblieben. Auf der Sonnenterrasse gibt es einen vorzüglichen und unverwechselbaren Blick in die Bergwelt, ins Inntal und ins Rosenheimer Land. Einzigartig sind die fast schon postkartenmotiv-verdächtigen Sonnenuntergänge, die immer wieder viele Feierabend-Wanderer und Bergradler auf die Alm locken und die im heurigen Sommer besonders oft möglich waren.

Wagneralm am Samerberg

Michael Wagner: „Bedenkt, Ihr seid auf der Alm und nicht auf der Flucht“

Einfache und gute Almbrotzeiten stehen auf der Speisenkarte der Alm, die im Sommer und bis zum Almabtrieb keinen Ruhetag hat. Schmalznudeln („Auszogene“) sind eine Spezialität von Wallburga Wagner und auch sehr gefragt, zuweilen macht sie am Tag 60 Stück und keins davon bleibt übrig. Die Hütte, die 1892 vom Ur-Großvater und Großvater von Michael Wagner gebaut und 1982 mit einem neuen Dach versehen wurde, hat sich nicht nur von der Bewirtungsseite, sondern auch von der Energieversorgung der Zeit angepasst. Seit 1960 gibt es den Strom auf der Wagner-Alm mit Hilfe eines Aggregates. Heute werden zusätzlich der Herd und der Kühlschrank mit Gas versorgt. Das Licht kommt von den Solarplatten auf dem Dach. Die Kühlung im Keller wird von den verschiedenen Energiequellen gespeist.

Bei ihrem Rückblick auf ihr reiches Bauern- und Almleben jammert Walburga Wagner keineswegs. Die Zeiten, zu denen es weder Ladewagen oder Miststreuer gab, sind vorbei. Trotz Mehr-Arbeit mit der Hand hatte man damals sogar noch mehr Zeit füreinander und für die Nachbarschaft. Die Mobilität verteilt die Leute heute schneller, kurzfristiger und weiter. Viele von ihnen aber besinnen sich dennoch oder gerade deswegen auf die Ursprünge und Almen der Heimat. Und es werden eher immer mehr, die sich bewusst auf den Weg machen, um auf einer Alm Einkehr in mehrfachem Sinne zu halten.

Quelle: rosenheim24.de

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