"Radlrambo", "Lebensmüder" oder "Vorsicht Radfahrer"

So diskutieren unsere User über das Warnschild am Schloßberg

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Rosenheim/ Stephanskirchen - Ein Verkehrsschild am Schloßberg verstört derzeit den einen oder anderen User. Wir fragten vergangene Woche bei der Gemeinde nach dem Sinn und Zweck des Schildes und lösten dabei eine heiße Diskussionswelle bei unseren Lesern aus.

Ein Warnschild für Radfahrer am Schloßberg sorgt für Kopfschütteln bei unseren Usern. 


Der Hintergrund des Schildes

Unsere Redaktion wollte wissen, was es mit diesem Schild auf sich hat und so fragten wir am Donnerstag bei der Gemeinde Stephanskirchen nach. Dabei stellte sich heraus, dass das Schild auf Grund des erhöhten Unfallrisikos dort aufgestellt wurde. Es solle die Radfahrer warnen und die Vorsicht erhöhen.


Auch Rainer Auer, Bürgermeister der Gemeinde Stephanskirchen, bestätigte, dass das Schild die Radfahrer lediglich warnen soll, an der Kreuzung langsam zu fahren. Das Schild wurde als Reaktion auf  zwei tödliche Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern in diesem Bereich aufgestellt.

Heftige User-Diskussion auf Facebook und rosenheim24.de

Die Meinungen unserer User zu diesem Sachverhalt klaffen weit auseinander. Allein unter unserem Artikel auf rosenheim24.de kommentierten über 110 Menschen. Auch auf Facebook wurde heftig diskutiert. Unter allen Kommentaren kristallisieren sich drei unterschiedliche Standpunkte heraus:

Standpunkt 1: Radfahrer fordern von Autofahrern mehr Rücksicht

"Das ist weiß Gott nicht an den Haaren herbeigezogen, ich weiß nicht, wie oft ich schon unter oder auf einem Auto gelegen hätte - trotz Vorfahrt und korrektem Verhalten - wenn ich nicht nachgegeben hätte, weil ein Autofahrer mir die Vorfahrt genommen hat. Aber wenn man sich dann seine (berechtigte) Vorfahrt mal erzwingt, heißt es gleich "Radlrambo", "Lebensmüder" oder Ähnliches.", schreibt Gast02 auf rosenheim24.de.

Auré L. (via Facebook) weiß, wie gefährlich diese Stelle ist. "Ich fahre jeden Tag an diesem Schild vorbei. Wer langsam genug fährt, kann das auch lesen. Dieser Radlweg ist so gefährlich. Aber wenn man zur Arbeit muss, hilft's nix!"

Auch Rene W. (Facebook) fährt am Schloßberg extra langsam mit dem Rad, allerdings nicht nur wegen der abbiegenden Autos. "Ich fahre auch gerne schnell bergab, aber bestimmt nicht hier. Wie oft habe ich es schon erlebt, dass in der Früh Äste vom Gewitter oder Sturm in der Nacht dort liegen und man sie erst im letzten Augenblick entdeckt."

Joschy fordert auf rosenheim24.de: "Wie wäre es mit einem Schild 'Vorsicht Radfahrer' für die Autofahrer?"

Standpunkt 2: Autofahrer beklagen unvorsichtige Fahrweise der Radfahrer

"Wenn man das auf dem Bild so sieht, kann es einen wirklich irritieren, aber wer die Strecke kennt, weiß, dass hier die Perspektive einen total falschen Eindruck vermittelt. Es ist nicht flach sondern das Ding steht an einem steilen Abhang der noch dazu eine Kurve macht, bei dem die Radler mit einem Affenzahn auf die Ampel zu brettern. Ein unten abbiegender Autofahrer kann sich da ganz schnell mal verschätzen (wenn er den Radler überhaupt sieht).", verdeutlicht gast auf rosenheim24.de.

Schlossberger (rosenheim24.de) stimmt dem zu. "Den Autofahrern (die von der Brücke her kommen) ist unter bestimmten Umständen der Blick auf die Radler (von oben kommend) versperrt. Ist halt so. Beim Linksabbiegen des Autos: Crash. Wir haben es erleben müssen und es war fürchterlich."

Dass die Radfahrer viel zu schnell den Schloßberg hinunterschießen, meint auch Ex BGS ler (rosenheim24.de). "Da brettern die Schüler und Lehrlinge um 8, weil zu spät, volle Kanne den Schloßberg hinunter und die Ampel schaltet um und schon wieder wurde ein helmloser unbeleuchteter Radler vom angeblich so bösen und immer zu schnellen Autofahrer vom Drahtesel geholt ... Radler setzt Helme auf und schaltet das meist nicht vorhandene Licht ein und schon haben wir ein paar dutzend Tote weniger! Warum kontrolliert die Polizeitruppe vom Stadler nicht die unbeleuchteten Radler?"

Standpunkt 3: Mehr Rücksicht von beiden Seiten

Lakeshore (rosenheim24.de) findet, dass man, anstatt den Radfahrern vermeintlich die Vorfahrt zu nehmen, "Autofahrer darauf hinweisen [könnte], dass sich hier ein Unfallschwerpunkt befindet und Radfahrer herunter gefahren kommen. [Zudem sollten] Autofahrer einfach mal abwarten, anstatt abzubiegen. Bräuchte aber den eben erwähnten Hinweis. Man könnte Linksabbieger und geradeaus fahrende Radfahrer durch die Ampelschaltung komplett voneinander trennen."

"Sowohl Auto- als auch Radfahrer sollten die Augen aufmachen und einen Schulterblick werfen. Dauert zwei Sekunden - kann aber Menschenleben retten. Da sollte sich keiner von beiden zu fein dafür sein.", äußert sich Manuela W. auf Facebook zu dem Thema.

Johann S (rosenheim24.de) ist sich sicher, dass man durch Holperschwellen in die bereits vorhandenen Farbmarkierungen an der Ampel einbauen sollte. "Die sind zwar bloß 1 cm hoch, aber sie wirken extrem verkehrsberuhigend. Man bräuchte lediglich die jetzt schon vorhandenen Farbmarkierungen etwas dicker auszugestalten. Dann würden alle Radler das Tempo vor der Ampel rausnehmen."

Demokrates definiert das Problem weitgreifender und fordert den Bau vernünftiger Radwege. "Das Hauptproblem ist, dass es - gerade auf Höhe des Stadtgebiets, keine vernünftigen Fahrradwege von Richtung Stephanskirchen Richtung Rosenheim gibt. Es wird Zeit, dass hier die Planung für eigenständige Flussquerung nur für Radler und Fußgänger - etwa auf Höhe der Eisenbahnbrücke - begonnen wird. Dann könnte man den Schloßberg hinunter den Radweg umbauen in einen reinen Fußweg. Denn eines wird wieder einmal klar, wenn man die Kommentare hier liest: Die einzig sinnvolle Lösung wäre die Trennung der Wege der Radler und Autofahrer."

amj

Quelle: rosenheim24.de

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