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Personalprobleme durch Impfpflicht

Impfpflicht in der Region Rosenheim: Droht Aderlass an wichtigem Personal?

Den Betrieb am Laufen halten: Sollten zu viele Mitarbeiter wegen der Impfpflicht gebannt werden, könnte das für manche Heime schwierig werden.
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Den Betrieb am Laufen halten: Sollten zu viele Mitarbeiter wegen der Impfpflicht gebannt werden, könnte das für manche Heime schwierig werden.

Droht da ein gefährlicher Aderlass? Die Zahl der ungeimpften Beschäftigten im Gesundheitsbereich geht allein in der Region Rosenheim in den vierstelligen Bereich. Und das Gesundheitsamt droht mit ernsthaften Konsequenzen.

Rosenheim – Droht Seniorenheimen und Gesundheitseinrichtungen in der Region Rosenheim ein Exodus an Mitarbeitern? Die so genannte einrichtungsbezogene Impfpflicht für Mitarbeiter in Gesundheitsberufen macht Arztpraxen, Seniorenheimen und Kliniken nicht nur Arbeit, es drohen auch schwerwiegende Sanktionen - von der Geldstrafe bis zum Betretungsverbot. Davon betroffen sind viele Menschen: Allein in der Region Rosenheim geht die Zahl der Pflegekräfte, Sanitäter und medizinischen Fachangestellten, die mit Konsequenzen für ihren Job rechnen müssen, in den vierstelligen Bereich.

Denn 2200 Beschäftigte können oder wollen nach Auskunft des Gesundheitsamtes keine ausreichende Immunisierung vorweisen. Nach Auskunft der Agentur für Arbeit sind rund 17200 Menschen in Stadt und Landkreis im Gesundheitssektor beschäftigt. Damit dürften 13 Prozent der Mitarbeiter in Gesundheitsberufen Post vom Staatlichen Gesundheitsamt Rosenheim bereits erhalten haben oder demnächst im Briefkasten vorfinden.

Gefährlicher Aderlass droht

Sollten sie ein Betretungsverbot erhalten, wäre für der Aderlass für manche Unternehmen kaum auszugleichen. Denn während zum Beispiel beim Schön-Klinik-Verbund eine Impfquote von 95 Prozent meldet – dazu kommen noch Genesene – liegen manche Pflegeheime nur bei etwas über 80 Prozent.

Bei den Beschäftigten, mit denen sich das Gesundheitsamt in diesen Wochen in Verbindung setzt, handelt es sich bei in den allermeistern Fällen um Ungeimpfte – sie machen rund 90 Prozent der 2200 angemahnten Beschäftigten aus.

Bei immerhin zwei Prozent bestanden nach Auskunft des Gesundheitsamts Zweifel an der Echtheit des Nachweises. Bei weiteren acht Prozent hatte ein früher vorgelegter Nachweis mittlerweile seine Gültigkeit verloren.

Säumige Mitarbeiter haben nicht mehr viel Bedenkzeit. Angeschrieben worden seien bislang die meisten säumigen Mitarbeiter in Krankenhäusern und Heimen, berichtet Ina Krug vom Landratsamt. Ende April und Anfang Mai folgen die Benachrichtigungen an die Adresse von Praxis-Mitarbeitern. Experten wie Sven Schönfeld, Geschäftsführer unter anderem der Schön Klinik Vogtareuth und der Schön-Klinik Roseneck, rechnet damit, dass diese Sanktionen Mitte des Jahres umgesetzt werden.

Eine Frist und ein Gesprächsangebot für Impfunwillige

Nach der Kontaktaufnahme durchs Gesundheitsamt haben Mitarbeiter eine Frist von vier Wochen, um ein Impfdokument, einen Genesenennachweis oder eine ärztliche Bescheinigung vorzulegen, dass medizinische Gründe gegen die Impfung sprechen. Wer danach noch zaudert, soll die Einladung zu einem Informationsgespräch erhalten, heißt es aus dem Landratsamt. Dann können Geldstrafen folgen, die Sanktionen können aber auch bis hin zum faktischen Berufsverbot reichen.

Doch das sei kein Automatismus, meint Sprecherin Ina Krug: „Selbstverständlich wird das Rosenheimer Gesundheitsamt – dort wo es möglich ist – sein Ermessen ausüben und bei der Ermessensentscheidung eine Gesamtwürdigung aller Umstände des jeweiligen Einzelfalls vornehmen.“

„Eine insgesamt blöde Situation“

Während das Gesundheitsamt Aufforderungen verschickt, hält sich das Grummeln über die Impfpflicht.. „Das ist eine insgesamt blöde Situation“, sagt etwa Henning Löffler, Leiter des Caritas-Seniorenheims in Rosenheim, der sehr für eine allgemeine Impfpflicht plädiert. „Erst werden Pflegekräfte als Helden der Nation gefeiert, dann passiert nichts, und dann wird noch die Impfpflicht oben draufgesetzt.“ Ebenfalls ein Ärgernis: Das Abfragen des Impf- oder Genesenen-Status bindet Arbeitskraft. Heimleiter wie Michael Koller vom „Haus der Betreuung und Pflege am Wendelstein“ in Kolbermoor, sprechen von hohem Aufwand.

Impfpflicht in der Region: Sorgen um das Personal

Es kommen Sorgen ums Personal dazu- Sieben der 62 Mitarbeiter von Michael Koller sind vom Gesundheitsamt kontaktiert werden. Sollten die nicht mehr arbeiten dürfen, „hätten wir ein Problem“

Nicht nur eine winzige Minderheit: 13 Prozent der Mitarbeiter im Gesundheitsbereich sind noch nicht ausreichend immunisiert.

So könnte die einrichtungsbezogene Impfpflicht ein bereits bestehendes Problem verschärfen: Pflegepersonal war schon vorher knapp. Betretungsverbote für Mitarbeiter mag sich Gregor Kumberger vom Haus Lohholz in Kolbermoor lieber gar nicht vorstellen. Es könnte schwierig werden, den Betrieb aufrechtzuerhalten, sagt er.

Nach Angaben der Agentur für Arbeit in Rosenheim waren von Dezember 2021 bis März 2022 insgesamt 430 Beschäftigte aus Stadt und Landkreis Rosenheim arbeitssuchend gemeldet. Das sind knapp 250 mehr als im selben Zeitraum vor der Pandemie. Die Behörde will dafür aber nicht zwingend die Impfpflicht verantwortlich machen. So nennt Sprecherin Silke Stichaner Angst vor einer Corona-Ansteckung als Grund. Es könne aber natürlich auch sein, dass „einfach die Grenzen der Belastbarkeit erreicht sind“.

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