Feldkirchener als "Kavaliere der Straße" geehrt

Ritterlich verhalten

OVB
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Kavaliere der Straße: Marcel Frister (links) und Markus Atzinger (rechts). Foto bollig

Feldkirchen-Westerham- Den 8. April 2010 werden Markus Atzinger und Marcel Frister nie vergessen. An diesem Tag sind sie nicht nur Zeugen eines schweren Unfalls. Sie werden zu Lebensrettern.

Am Dienstag wurden die mutigen Helfer bei der Autobahnpolizei in Hohenbrunn als "Kavaliere der Straße" ausgezeichnet.


Ein 26 Tonnen schwerer Lkw kracht an einer Kreuzung bei Baldham (Kreis Ebersberg) ungebremst in das Auto einer jungen Frau. Das Stoppschild hatte sie übersehen. Ihr Wagen schleudert über die Fahrbahn und bleibt nach knapp hundert Metern auf einer Wiese stehen. Die Verunglückte ist schwer verletzt, kann sich nicht selbst aus dem Wagen befreien. Markus Atzinger (36) und Marcel Frister (35) sind an jenem Donnerstag gerade auf dem Weg nach Unterschleißheim. Beide arbeiten im Landratsamt Ebersberg als Lebensmittel- und Hygienekontrolleure. Als sie an der Unfallstelle vorbeikommen, reagieren sie blitzschnell. "Wir haben nicht lang überlegt, einfach angehalten und geholfen", erzählt Atzinger. In Sekundenschnelle sichert der 36-Jährige die Unfallstelle ab. Frister kümmert sich inzwischen um die Verletzte.

Die Frau ist blutüberströmt, sie hat Schnittwunden am ganzen Körper, ist aber nicht bewusstlos. "Sie hat immer nur nach ihrem Kind gefragt, das war alles, was sie gesagt hat", erinnert sich der 35-Jährige. Erst als er sieht, dass die junge Frau allein unterwegs war, begreift er: "Das war der Schock."


Der Zustand der Verunglückten nimmt ihn mit, aber er zögert nicht lang, zieht sie über die Beifahrertür aus dem Wagen und leistet Erste Hilfe. Bis die Rettungssanitäter eintreffen, weicht Frister nicht von der Seite der Verletzten, hilft sogar, die Trage bis zum Rettungshubschrauber zu bringen. Dank des schnellen Einsatzes überlebt die Frau.

"Diese Arbeitsteilung und die schnelle, präzise Hilfe der beiden waren einfach beispielhaft", lobte Präsidiumssprecher Hans-Peter Kammerer. Und Grund genug für das Gremium der Arbeitsgemeinschaft "Kavalier der Straße", die beiden mutigen Männer mit Urkunde, Plakette und Anstecknadel zu ehren.

Seit 50 Jahren gibt es diese Gemeinschaftsaktion Deutscher Tageszeitungen, die damit auf, wie Geschäftsführer Gernot Sittner es sagte, "besonders ritterliches Verhalten" im Straßenverkehr aufmerksam machen will. So "besonders" würden sie sich gar nicht fühlen, meinte Atzinger: "Das war für uns irgendwie selbstverständlich." Der 36-Jährige hat es selbst schon einmal erlebt, wie gefährlich es ist, wenn eine Unfallstelle nicht richtig abgesichert ist. "Mehrere Autos sind deswegen damals wie bei einer Kettenreaktion ineinander gekracht. Ich glaube deswegen weiß ich, wie wichtig das ist", erinnert er sich.

Auch für Frister war es nicht der erste schwere Unfall, bei dem er hautnah dabei war. Ihre Auszeichnung nahmen die beiden Kollegen bescheiden entgegen. "Nicht mal meine Frau wusste davon", sagte Atzinger schmunzelnd. Vergessen ist das Erlebte aber noch lange nicht. Immer wenn sie an der Stelle vorbeifahren, wären die Bilder und die gemischten Gefühle wieder da. "So etwas vergisst man eben nicht", ist sich Frister sicher.

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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