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"Lieber Quertreiber als Nichtstuer"

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Gut gelaunt und pünktlich traf Ministerpräsident Horst Seehofer in Amerang ein, wurde von der Bundestagsabgeordneten Daniela Raab, Bürgermeister Gust Voit (links) und dem Trachtenvereinsvorsitzenden Korbinian Hainz ins Festzelt geleitet.

Amerang - "Quertreiber"und "Querulant", mit diesen Etiketten kann Horst Seehofer gut leben. Das ist dem Ministerpräsidenten lieber, als sich Verschulden durch Unterlassen vorwerfen zu lassen.

Er habe in seinem Amtseid geschworen, Schaden von Bayern abzuwenden und daran halte er sich. Wenn er dafür in Berlin und in den Medien als Quertreiber gelte, sei ihm das egal, so der Ministerpräsident unter dem Beifall der vielen hundert Zuhörer im Ameranger Bierzelt.

über den politischen Gegner fiel kein Wort. Seehofers neuer Lieblingsfeind scheint vielmehr die Landesbank zu ein. In Sachen Boni für die Mitarbeiter habe er seinen Finanzminister angewiesen, diese vom Tisch zu bekommen, sonst mache er das selber. Da konnte sich der sonst so entspannt am Rednerpult lehnende Hüne richtig echauffieren.

Seehofer sang das Hohelied der kommunalen Selbstverwaltung, "warum soll man Aufgaben größeren Einheiten übertragen, wenn die kleineren es mindestens so gut können?" Deswegen habe Bayern die Mittel des Konjunkturpaketes II zu 75 Prozent über die Landratsämter verteilen lassen, die wüssten besser, wo das Geld gebraucht werde.

Gut gelaunt und pünktlich traf Ministerpräsident Horst Seehofer in Amerang ein, wurde von der Bundestagsabgeordneten Daniela Raab, Bürgermeister Gust Voit (links) und dem Trachtenvereinsvorsitzenden Korbinian Hainz ins Festzelt geleitet.

Natürlich kam im Festzelt eines Gautrachtenverbandes die mehrfach betonte Eigenständigkeit Bayerns, die Traditionsverwurzelung gut an. Immer, wenn der Ministerpräsident diese Themen bediente, war der Beifall besonders laut. Beim Singen der Bayernhymne konnte allerdings nur ein Bruchteil der Zuhörer bei der zweiten Strophe mit dem schmetternden Seehofer mithalten. Eines der wenigen Wahlversprechen des Ministerpräsidenten und CSU-Vorsitzenden: Er werde sich vehement dafür einsetzen, dass die Mehrwertsteuer in der Gastronomie und im Tourismusgewerbe auf sieben Prozent gesenkt werde. Die jetzige Regelung sei ein eklatanter Standortnachteil gegenüber österreich, der Schweiz und Tschechien. Er bestehe darauf, das die Senkung in den Koalitionsverhandlungen geregelt werde, "sonst unterschreibt Horst Seehofer den Koalitionsvertrag nicht".

Zum Tourismus passte Seehofers Plädoyer für eine bäuerliche Landwirtschaft, Riesenunternehmen wie in Brandenburg oder Mecklenburg-Vorpommern passten nicht nach Bayern. Und man dürfe sich nicht abhängig machen von Asien oder Südamerika, die Lebensmittel müssten hier im Lande selber - und das möglichst gentechnikfrei - produziert werden. Da müsse sich auch keine Bäuerin, kein Bauer rechtfertigen, wenn er für die Gestaltung der Umwelt, "der wunderschönen Kulturlandschaft da draußen" Zuwendungen vom Staat bekomme.

Bayern ist etwas Besonderes, das zog sich wie ein roter Faden durch die gut anderthalbstündige Rede des Ministerpräsidenten. In der Riege der 16 Bundesländer sticht der Freistaat dieses Jahr hervor, da Bayern als einziges Bundesland 2009 ohne Neuverschuldung auskommt. "Und das trotz 3000 Lehrerstellen mehr, 1000 Polizisten mehr und 38000 neuen Studienplätzen." Wobei man bei aller Unterstützung der akademischen Bildung um Himmels Willen die Hauptschule, die wahrlich keine Restschule sei, nicht vernachlässigen oder gar opfern dürfe. "Sonst haben wir ein Land, wo alle wissen, was man machen muss - aber keiner weiß, wie es geht."

Wie es geht, ein vollbesetztes Festzelt in den Griff zu bekommen, das weiß Seehofer sehr wohl. Hier ein schlagfertig parierter Zwischenruf, dort ein kerniger Spruch und anderthalb Stunden, nachdem er mit höflichem Beifall und dem Defilliermarsch empfangen wurde, wird der Ministerpräsident mit tosendem Applaus verabschiedet. Natürlich nicht, ohne die Ameranger Dorfmusik dirigiert zu haben. Bei einem Stück, das jede anständige Blaskapelle immer fehlerfrei spielt.

syl/oberbayerisches Volksblatt

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