Kolbermoorer sagen "Nein" zu "Street View"

Kolbermoor - Auch aus Kolbermoor kommt ein Nein zur Veröffentlichung von bestimmten Gebäuden im Internet durch „Google Street View“.

Kein freier Blick für jedermann auf Schulen, Kindertagesstätten und städtische Mietsgebäude: Der Kolbermoorer Stadtrat sprach sich in seiner jüngsten Sitzung klar gegen eine Erfassung dieser Gebäude für den umstrittenen Internetdienst "Street View" aus. Für Bürger, die ihr Eigentum ebenfalls nicht veröffentlicht sehen wollen, stellt die Stadt zudem eine Liste für einen Sammelwiderspruch sowie einen Musterwiderspruch für Einzelfälle bereit.


Die einen schwärmen von den Möglichkeiten, die der Street View-Service für den Internetnutzer bringt, der beispielsweise in einer fremden Stadt auf Wohnungssuche ist oder dort seinen Urlaub vorab plant: "Die Vision von Street View ist es, einen Ort virtuell begehbar zu machen", erklärt das Unternehmen Google, das für diesen Service in zahlreichen Ländern ganze Straßenzüge fotografiert. Bisher ist in 19 Ländern aus dieser Vision bereits Wirklichkeit geworden - mit Street View lassen sich beispielsweise Städte in den Niederlanden, in Frankreich, Italien oder Spanien eingehend besuchen.

Auch in Deutschland und im Landkreis Rosenheim hat der Konzern bereits Straßen abfotografiert. Das stößt nicht nur bei Bürgern und Kommunen auf Widerstand. Kritik kam auch von Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner: "Das Private wird ohne Schutzmöglichkeit in die globale Öffentlichkeit gezerrt. Niemand kann diese Entwicklung kontrollieren. Genau deshalb müssen wir solche Angebote sorgfältig prüfen."


Wie das Ministerium mitteilte, habe der Konzern mittlerweile zugesagt, den neuen Dienst in Deutschland erst dann zu starten, wenn alle Widersprüche der Bürger umgesetzt seien. Bevor der Dienst im Internet freigeschaltet wird, müssen nach Angaben des Ministeriums die betreffenden Wohnungen, Häuser und Gärten vollständig unkenntlich gemacht werden. Google-Manager hätten sich zudem bereit erklärt, auch Sammelwidersprüche zu akzeptieren.

Auch die Stadt Kolbermoor will jetzt Nägel mit Köpfen machen: "Zur allgemeinen Sicherheit fordert die Stadt Google auf, keine Bilder von Schulen oder Kindertagesstätten ins Netz zu stellen", beschloss der Stadtrat in seiner letzten Sitzung bei einer Gegenstimme. Zudem sollen sämtliche Wohngebäude der Stadt Kolbermoor für die Veröffentlichung gesperrt werden.

Auch auf die Sorgen der Bürger will man reagieren und diese im Kampf um ihre Privatsphäre nicht alleine lassen: Die Stadt wird eine Liste auflegen, in die sich besorgte Kolbermoorer, die gegen die Erfassung ihrer Häuser und Daten durch Street View sind, für einen gesammelten Widerspruch eintragen können. Auch für Einzelfälle soll demnächst im Rathaus ein Musterwiderspruch erhältlich sein.

el/Mangfall-Bote

Quelle: rosenheim24.de

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