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Simsseeschutz-Landwirte bekommen Antworten

Kläranlage Stiedering hat keine Verbindung zum Simssee: Welche bekannten Gewässer den Mist abbekommen

Die Landwirte des Simsseeschutz-Projektes hatten viele Fragen zur Kläranlage des Chiemsee-Ringkanals und bekamen viele Antworten.
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Die Landwirte des Simsseeschutz-Projektes hatten viele Fragen zur Kläranlage des Chiemsee-Ringkanals und bekamen viele Antworten.

„Wenn die Kläranlage übergeht, trägt uns die Thalkirchner Ache den Mist in den See“. So seit Jahren die Befürchtungen der Landwirte am Simssee. Stimmt nicht, erläuterten Geschäftsleiter und Betriebsleiter. Welche Fragen noch beantwortet wurden.

Frasdorf/Rimsting/Riedering – Die Landwirte rund um den Simssee arbeiten seit rund 15 Jahren mit dem Abwasserzweckverband (AZV) und dem Büro Ecozept im Simsseeschutzprojekt zusammen. Durch die Verminderung von Nährstoffeinträgen (vor allem Phospor) soll die Wasserqualität des Simssees verbessert werden.

In dem Projekt werden die Landwirte zu Bewirtschaftungsmaßnahmen beraten, welche den Phosphateintrag in den See verringern sollen. Auf den Ackerflächen sollen vor allem erosionsmindernde Maßnahmen ergriffen werden, auf den Grünlandflächen gilt es, Oberflächenabschwemmung zu reduzieren. Seit diesem Jahr sind auch die Gemeinden Frasdorf, Rimsting und Prien beim Simsseeschutz mit an Bord.

Wie dicht ist die Chiemsee-Kläranlage?

Von Anfang an steht die Frage im Raum, ob nicht über die Kläranlage des Abwasser- und Umweltverbandes (AUV) Chiemsee in Stiedering, an der Gemeindegrenze Rimsting-Riedering, Phosphor in die Thalkirchner Ache und somit in das Einzugsgebiet des Simssee gelangt. Landwirte und Bürgermeister aus den Mitgliedsgemeinden des AZV Simssee besuchten jetzt zusammen mit dem Geschäftsführer des AZV, Jürgen Lohse, Dr. Hadumar Roch vom Wasserwirtschaftsamt (WWA) Rosenheim sowie Edeltraud Wissinger und Franziska Kerger von Ecozept die Kläranläge in Stiedering.

„Wir kennen die Gerüchte, die Bedenken“

Die Führung über das Gelände und technische Erklärung der Anlage erfolgte durch den Geschäftsleiter, Quirin Schwaiger, gemeinsam mit dem langjährigen Betriebsleiter, Christian Freund. „Wir kennen die Gerüchte, die im Umlauf sind, und wissen auch von den Bedenken, die bereits beim Bau der Anlage vor 30 Jahren vorhanden waren. Allerdings können wir guten Gewissens sagen, dass die Kläranlage keinen direkten Kontakt zur Thalkirchner Ache hat und wir auch nichts verstecken wollen. Daher haben wir Sie heute zu uns eingeladen, wissend, dass der Teilnehmerkreis voraussichtlich sehr kritisch gegenüber unserer Anlage ist“ so Schwaiger.

Viele Fragen, viele Antworten

In der Frage-und-Antwortrunde wurden vor allem folgende Punkte diskutiert:

• Können die Becken übergehen?

Aufgrund des Aufbaus ist das laut Schwaiger und Freund physikalisch und technisch unmöglich. Die Kläranlage ist so gebaut, dass sie nicht ins Simssee-Einzugsgebiet überlaufen kann.

• Was passiert bei Hochwasser? Was passiert, wenn Stollen und Becken voll sind?

Das Abwasser wird, wie mit dem WWA besprochen und genehmigt, in den Chiemsee abgeleitet.

• Gibt es Sicherheitsvorkehrungen für den Fall, dass die Thalkirchner Ache, die direkt an der Kläranlage vorbeiläuft bei einem sehr starken Hochwasser die Kläranlage fluten würde? Ja, die gibt es. Auch wenn ein solches Hochwasser nur einmal, vor etwa 50 Jahren, auftrat. Da war die Kläranlage noch nicht gebaut. Die Kläranlage ist laut Schwaiger und Freund jedoch auf so ein Ereignis vorbereitet.

• Wie schnell hat der AUV bei dem Unfall im Herbst 2018 reagiert als eine Kabelbaufirma das Abwasserrohr in Höhe Pietzing angebohrt hat und das geklärte Abwasser ins Simssee-Einzugsgebiet gelaufen ist? Lässt sich so ein Unfall vermeiden? Wieviel Phosphor ist dabei ins Simssee-Einzugsgebiet gelangt?

Reagiert wurde innerhalb weniger Stunden. „So ein Unfall ist vermeidbar, wenn Firmen, die bohren, mit existierenden Karten arbeiten“, so die Veranwortlichen der Kläranlage. Der AUV habe während der Reparaturphase aufgrund der Forderung des WWA den erlaubten Phosphorgehalt von 1 mg/l auf 0,2 mg/l gesenkt und damit den Eintrag deutlich reduziert; durch die ausgetretene Wassermenge am angebohrten Rohr seien einige Gramm Phosphor in das Simssee-Einzugsgebiet gelangt.

Strengere Auflagen wegen Biogasanlagen

• Die Landwirte äußerten den Eindruck, ihnen würden strengere Auflagen auferlegt, zum Beispiel beim Bau von Güllegruben oder Sickersaftgruben von Siloanlagen als anderen Teilen der Gesellschaft. Dr. Roch vom WWA stellte klar, dass das nicht der Fall sei und dass es zu Verschärfungen speziell bei diesen baulichen Anlagen gekommen ist, weil Biogasanlagen in jüngster Zeit an einer Vielzahl von Gewässerverunreinigungen mit Fischsterben beteiligt waren.

Keine Phosphor-Gefahr aus Stiedering

Edeltraud Wissinger von Ecozept und Jürgen Lohse, Geschäftsführer des AZV Simssee bedankten sich bei den Vertretern des AUV Chiemsee für die ausführliche und offene Darstellung der Arbeitsweise ihrer Kläranlage und für die Antworten auf alle Fragen. Die Ausführungen zeigten, so Wissinger und Lohse, dass von der Kläranlage in Stiedering keine Gefährdung bezüglich Phosphoreintrag in das Simssee-Einzugsgebiet ausgehe.

Zahlen, Daten, Fakten

Die Kläranlage in Stiedering ist auf 85 000 Einwohnergleichwerte (EW) ausgelegt. Im Sommer wird derzeit eine Abwassermenge von etwa 75 000 EW an der Kläranlage angeliefert und gereinigt, im Winter sind es zirka 45 000 EW. Bei trockenem Wetter durchlaufen 10- bis 12 000 Kubikmeter am Tag die Anlage. Das ankommende Abwasser wird über einen Stollen von Westernach bis Stiedering geleitet. In diesem Stollen kann bei einem Regenereignis oder einem Schadensfall, eine Abwassermenge von etwa 32 000 Kubikmetern zurückgestaut beziehungsweise gespeichert werden, dies entspricht bei Trockenwetter der Menge von drei Tagen.

Der normale Durchfluss der Anlage ist sich zwischen 150 und 350 Litern in der Sekunde. Bei einem Starkregenereignis kann der Durchfluss auf bis zu 500 Liter pro Sekunde erhöht werden. Sollte das nicht ausreichen, dann ist Schicht im Schacht, dann wird im Stollen das Wasser zurückgestaut.

Aus technischen Gründen kann der Anlage nur so viel Abwasser zugeleitet werden, wie sie gesäubert Richtung Inn weiterleiten kann. Falls Durchfluss und Stauraum nicht mehr ausreichen, wird in den Chiemsee abgeleitet. Das Abwasser ist aufgrund des hohen Regenanteils extrem verdünnt. Dieses Vorgehen ist genehmigt. Eingetreten ist diese Situation in der Vergangenheit maximal einmal jährlich für ein paar Stunden.

Das Abwasser kommt mit einem Gesamtstickstoffgehalt von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) in der Kläranlage an und verlässt diese mit 14,4 mg/l; beim Phosphor ist der Zulaufwert 12 mg/l und der Ablaufwert 1 mg/l, erlaubt wären 2 mg/l.

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