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Adventgemeinde betroffen

KfW-Förderstopp trifft Kita-Bau in Wasserburg hart – eine halbe Million Euro fehlt

Am Burgstall entstehen mehr als Kita und Kirche, auch ein Begegnungszentrum soll entstehen. Neue Herausforderung für das ambitionierte Projekt: die gestrichene KfW-Förderung.Adventgemeinde
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Am Burgstall entstehen mehr als Kita und Kirche, auch ein Begegnungszentrum soll entstehen. Neue Herausforderung für das ambitionierte Projekt: die gestrichene KfW-Förderung.Adventgemeinde

Am 1. April sollen die Bagger anrollen und die Bauarbeiten für die neue Kita mit Kirche am Burgstall beginnen. Doch der Bauherr, das Wohlfahrtswerk der Adventgemeinde, muss damit klarkommen, dass die eingeplante KfW-Förderung für energieeffizientes Bauen gestrichen ist. Das reißt ein Riesenloch.

Wasserburg – Pastor Frederik Woysch bemüht sich trotzdem um eine entspannte Haltung: „Wir nehmen die neue Herausforderung an, das Vorhaben wird nicht scheitern“, betont er auf Anfrage. Eine Tür habe sich mit dem Wegfall der KfW-Förderung zwar geschlossen, jetzt gelte es eine neue zu öffnen. Nur wie?

„Es ist eine bittere Pille, die wir schlucken müssen“, sagt Woysch. Denn das Bauvorhaben in Wasserburg könnte nach seinen Angaben jetzt um eine halbe Million Euro teurer werden – mindestens.

Letzte Verträge werden Anfang März unterzeichnet

Dabei hatte es so gut ausgesehen Anfang vergangenen Jahres: Der Bebauungsplan für das Gelände war fertiggestellt, der Stadtrat hatte mehrheitlich ja gesagt zum Vorhaben, das die Kommune mit einem Investitionskostenzuschuss von 2,215 Millionen Euro fördert (Die Stadt bekommt vom Staat wiederum einen Zuschuss von etwa 40 Prozent). Die Stadt baut außerdem die notwendige Linksabbiegespur zur Erschließung an der Salzburger Straße. In diesen Tagen wurden die Verträge für die Grundstücksverschiebungen am Burgstall unterschrieben, am 2. März steht diesbezüglich der letzte Notartermin an, berichtet Woysch. Am 1. April ist der Baustart mit Beginn der Erdarbeiten für die Grube geplant. Denn im Herbst 2023 soll die Kita bezugsfertig sein.

Am 24. Januar dieses Jahres gab es jedoch eine schlechte Nachricht: Der neue Bundesminister für Wirtschaft und Klimaschutz, Robert Habeck, kündigte den Stopp der Fördergelder der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für energieeffizientes Bauen an. Das Programm sei „völlig aus dem Ruder gelaufen“, hieß es zu Begründung. Tausende Bauherren reagierten entsetzt. Denn sie haben auf die Förderung gesetzt. So auch die Adventgemeinde Wasserburg beziehungsweise der Träger des Bauvorhabens, das Wohlfahrtswerk der evangelischen Freikirche.

Da war die Welt noch in Ordnung: Pastor Frederik Woysch (links) im März 2019 mit Landwirt Hermann Kühn, einer der Grundeigentümer, mit dem für den Kita- und Kirchenbau Grundstücke getauscht wurden.

Es hatte das Gebäude ursprünglich mit KfW-55-Förderung geplant. Zur Erklärung: Es gibt verschiedene Energieeffizienzstufen, die Zahl gibt an, wie energieeffizient ein Gebäude im Vergleich zu einem Standard-Referenzobjekt ist. Je kleiner die Zahl, desto höher die Energieeffizienz.

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Nachdem die Entscheidung gefallen war, aus wirtschaftlichen und Bedarfsgründen für eine dritte Kindergruppe zu bauen, hatte die Freikirche im Sommer vergangenen Jahres sogar auf die noch energieeffizientere Bauweise nach dem KfW-40-Richtlinien umgeschwenkt, berichtet Woysch. Unter anderem wurde eine hochmoderne Lüftungs- und eine Photovoltaikanlage eingeplant. Zusätzliche Investitionen in die Ziegelstärke und Isolation wurden notwendig.

Baustartverschiebung keine Option

Als es im November hieß, die KfW-Förderung-55 laufe aus, blieb die Adventgemeinde nach Angaben des Pastors entspannt. Schließlich hatte sie auf den KfW-40-Fördertopf umgesattelt. Am 24. Januar kam dann die Mitteilung des Architekten, deiser Fördertopf wird geschlossen. Berücksichtigt werden alle Anträge, die bis zum 24. Januar gestellt worden sind. Diesen Schritt hatte das Wohlfahrtswerk jedoch noch nicht vollzogen, denn es wollte abwarten, bis alle Notarverträge unter Dach und Fach sind. Das ist in diesen Tagen der Fall.

Den Baustart zu verschieben, um auf eine mögliche Neuauflage von Förderprogrammen zu warten, ist laut Woysch keine Lösung. Denn die Stadt brauche die versprochenen Kita-Plätze. Der Bauzeitenplan sei zwar ambitioniert, „doch wenn wir jetzt verschieben, hat Wasserburg ein Problem“.

Also einfach anfangen mit Mut zum Risiko? Woysch möchte nicht, dass sich die Adventgemeinde finanziell überfordert. Denn am Freitag werden die Ausschreibungsergebnisse für die Erd- und Baumeisterarbeiten veröffentlicht. Der Pastor ist in Sorge, dass es auch hier zu den derzeit im Baubereich üblichen Mehrkosten kommen könnte. Hinzu kämen dann noch 500.000 Euro, die der Bauherr nach der geplatzten KfW-Förderung zusätzlich stemmen müsste. „Wir könnten an unsere Grenzen kommen.“

Woysch: „Werden eine Lösung finden“

Den Antrag auf eine neue KfW-Förderung, für die ein Programm angekündigt worden ist, könnte die Adventgemeinde auf jeden Fall noch stellen. Außerdem wäre es möglich, sich der Empfehlung aus der Bauwirtschaft, gegen die Habeck-Entscheidung zu klagen, anzuschließen. Die Adventgemeinde überlegt zudem, sich die Mandatsträger in der Region zu wenden und auf die besondere Situation hinzuweisen. Doch die Entscheidungen in allen Fällen dauern, die Zeit läuft der Freikirche davon. „Wir stehen zu dem Projekt, wir wollen es realisieren“, bekräftigt Woysch. „Wir werden eine Lösung finden“, ist er überzeugt. Der Pastor verweist auf die Bedeutung des Vorhabens: Am Burgstall werde schließlich mehr gebaut als eine Kita mit Kirche, hier entstehe auch ein Begegnungszentrum.

Doch es bleibt beim Kopfschütteln angesichts der Tatsache, dass „unter Schwarz-Rot ein Programm gestartet wurde, das unter der neuen Regierung, die sich noch mehr soziale und ökologische Ziele gesetzt hat, gestoppt wird“, bringt Woysch seine Verwunderung zum Ausdruck. Die plötzliche Schließung des Fördertopfs nehme Vertrauen in die Verlässlichkeit der Politik weg.

Neues Begegnungszentrum

Das Neubauvorhaben für die Adventgemeinde umfasst Kirche und Kita – außerdem sollen Räumlichkeiten für weitere Nutzungen vermietet werden. Unter anderem ist hier laut Pastor Frederik Woysch ein Coworking-Space geplant: Eltern können auf einem 100 Quadratmeter großen Areal flexible, mobile Arbeitsplätze beziehen, während ihre Kinder nebenan in der Kita betreut werden. Außerdem würden Räumlichkeiten an Christopher Rakau (Kultur-Akademie und Klavierstudio), an die Heaven Singers zum Proben sowie für die musikalische Früherziehung vergeben. Auch eine kleine Tanzschule werde vermutlich einziehen. „Wir werden also mehr als eine Kirche und Kita, wir werden auch ein Begegnungszentrum und eine Kulturstätte“, kündigt Woysch an

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