Kein Pfarrfasching: Wer hat Schuld?

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Vogtareuth - Der Pfarrfasching wird abgesagt: Diese Nachricht hat in Vogtareuth Enttäuschung ausgelöst. Doch wer trägt die Schuld? **Faschings-Special**

Darüber ist ein Streit entbrannt, der sogar im Gemeinderat für Diskussionsstoff sorgte.


Seit der Schließung des Klosterwirts fehlt Vogtareuth ein großer Veranstaltungssaal. Wie sehr das Problem das kulturelle Leben in der Kommune beeinträchtigt, zeigen die vielen Anträge von Vereinen an die Gemeinde auf Alternativnutzung der Schulturnhalle. Die Kommune hat nach Überzeugung von Bürgermeister Matthias Maier "alles unternommen", um diese für größere Veranstaltungen herzurichten. Unter anderem musste die Gemeinde den Brandschutz sichern.

Der Gildeball des Faschingsvereins kann aufgrund der mit dem Landratsamt und der Regierung von Oberbayern abgestimmten Brandschutzauflagen am Samstag, 16. Januar, in der Turnhalle stattfinden. Am Freitag, 22. Januar, sollte der Pfarrfasching folgen. Doch bei der Jahresversammlung der Gemeinschaft katholischer Frauen teilte Vorsitzende Martina Schmidmaier mit, dass die Veranstaltung ins Wasser fällt. Sie begründete die Entscheidung mit ihrer Meinung nach nicht durchführbaren Auflagen, die erst zwei Wochen vor der Veranstaltung bekannt geworden seien.


In der Tat hatte die Schulleitung nach Informationen des Bürgermeisters zwischenzeitlich auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Bestuhlung und den Schutzboden nach dem Gildeball bis zum Pfarrfasching wieder abzubauen, damit der Sportunterricht nicht gestört wird.

Ein unzumutbarer Kraftakt

Diese Maßnahme stellt nach Ansicht von Martina Schmidmaier einen unzumutbaren Kraftakt für die Organisatoren des Pfarrfaschings dar. Denn Unterrichtsschluss ist am Freitag um 13 Uhr, nur bis 19 Uhr hätten die Aktiven - in der Mehrzahl berufstätig - Zeit gehabt, die Halle herzurichten. Vor allem bei der aufwändigen Verlegung des Schutzbodens wären sie in Zeitnot geraten, ist die Frauengemeinschaft überzeugt.

Sie fühlt sich von der Gemeinde im Stich gelassen: Denn von Anfang an sei die Durchführung des Pfarrfaschings an die Bedingung geknüpft gewesen, dass sich die Veranstalter an den Gildeball anhängen können. "In unseren Anträgen an den Rat auf Nutzung der Turnhalle haben wir immer auf die Notwendigkeit hingewiesen, dass die Festeinrichtung zwischen beiden Veranstaltungen nicht abgebaut werden muss", so die Vorsitzende. Einstimmig habe der Rat diesem Antrag entsprochen. "Es ist schade, dass ein Gemeinderatsbeschluss in Vogtareuth keine Gültigkeit zu haben scheint", ärgert sie sich über die Tatsache, dass nachträglich doch die Auflage nach Rückbau von Boden und Bestuhlung gestellt worden sei.

Der Bürgermeister zeigte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung Verständnis für die Verärgerung der Frauengemeinschaft, sieht in der Absage jedoch "eine Überreaktion". Die Wünsche der Schulleitung nach Ausräumung der Halle während der Unterrichtswoche habe die Kommune außerdem zu akzeptieren. "In den Schulbetrieb können wir uns nicht einmischen."

Mit gutem Willen Ausräumen machbar

Mit gutem Willen wäre das Aus- und Einräumen wohl zu schaffen gewesen, hatte Maier auch in der Ratssitzung betont. Die Stühle hätten auf die Bühne gestellt, beim Boden die Platten nur in der Mitte entfernt werden müssen. "Hätte man uns gefragt, hätten wir genügend Leute zum Mithelfen organisiert", ist Maier überzeugt.

Johann Bürger-Schuster von der CSU wies im Rat auf die Tatsache hin, dass der Pfarrfasching von vier Gruppierungen - Katholische Landjugendbewegung und Frauen, Pfarrgemeinderat sowie Kirchenverwaltung - durchgeführt werde und deshalb auf vielen Schultern ruhe. "Da muss man nicht gleich alles hinschmeißen."

Auf die Seite der Frauengemeinschaft stellte sich in der Sitzung Elisabeth Stadlhuber von der überparteilichen Wählergemeinschaft. "Beim Pfarrfasching hat die Kommunikation mit der Gemeinde nicht funktioniert", hat sie als Kernproblem ausgemacht. Viel zu spät habe Martina Schmidmaier als Hauptverantwortliche von den Auflagen erfahren. "Die Frauengemeinschaft ist mit dem Problem im Regen stehen gelassen worden", ist Elisabeth Stadlhuber überzeugt.

Ein finanzieller Schaden ist den Veranstaltern durch die Absage jedoch nicht entstanden. Martina Schmidmaier spricht jedoch von einem "psychologischen Schaden" für das Ehrenamt.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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