Kein Arbeitstag wie jeder andere

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Ursula Zellner mit einem ihrer kleinen Patienten Erik (zwei Jahre).

Vogtareuth – Sanft streichelt Ursula Zellner dem 14-jährigen Frederik über den Kopf. Es ist bereits das zweite Weihnachtsfest, das die Kinderkrankenschwester mit dem jungen Patienten verbringt.

„Ich arbeite sehr gerne am Heiligabend, mich stört dies überhaupt nicht“, erzählt die 27-Jährige. „Es gibt auf unserer Station einen Wunschplan, in den jeder von uns seine Arbeitswünsche für Weihnachten und Silvester eintragen kann. Ich melde mich immer für den Spätdienst am 24. Dezember.“


Die meisten Menschen haben am 24. Dezember frei und lassen es sich unter dem geschmückten Weihnachtsbaum bei Plätzchen und anderen Leckereien gut gehen. Ursula Zellner ist Kinderkrankenschwester in der Schön Klinik Vogtareuth und arbeitet seit mehreren Jahren immer am Heiligabend. Ein Arbeitstag wie jeder anderer? Nein, überhaupt nicht.

Sanft streichelt Ursula Zellner dem 14-jährigen Frederik über den Kopf. Es ist bereits das zweite Weihnachtsfest, das die Kinderkrankenschwester mit dem jungen Patienten verbringt. "Ich arbeite sehr gerne am Heiligabend, mich stört dies überhaupt nicht", erzählt die 27-Jährige. "Es gibt auf unserer Station einen Wunschplan, in den jeder von uns seine Arbeitswünsche für Weihnachten und Silvester eintragen kann. Ich melde mich immer für den Spätdienst am 24. Dezember."


Das Team in der Frührehabilitation in Vogtareuth ist auf die Betreuung von jungen Patienten mit schweren Verletzungen des Gehirns und des Rückenmarks spezialisiert. Hier werden Kinder behandelt, die zum Beispiel nach einem Verkehrsunfall lange ein Wachkoma haben und schlucken, essen, sprechen sowie laufen wieder neu lernen müssen. Der Klinikaufenthalt dauert oft lange, im Fall von Frederik schon viele Monate. Die neue Lebenssituation bringt die betroffenen Familien oft an ihre Grenzen.

Zurzeit sind elf Mädchen und Jungen auf der Intensiv-Frühreha-Kinderstation der Neuropädiatrie. Kurz vor Weihnachten prüfen Ärzte und Pflegepersonal, welche Kinder entlassen werden können. In der Regel müssen fast alle Patienten wegen ihrer Intensiv-Pflegebedürftigkeit auf der Station bleiben. "Den massiv belasteten Eltern versuche ich aufzuzeigen, dass es auch möglich ist, Weihnachten in der Klinik schön gemeinsam zu feiern", erklärt Dr. Gerhard Kluger, Leitender Arzt der Klinik für Neuropädiatrie und Neurologische Rehabilitation. "Zuhause ist die emotionale Belastung an diesen Tagen für die Familien oft besonders groß." Schnell könnten die vielen Eindrücke zuhause und der Trubel zu groß werden, wenn auch noch die Verwandten und Nachbarn gerade an den Feiertagen kommen wollen, um das Kind zu besuchen, so Dr. Kluger. "Öfters habe ich dann erlebt, dass die noch sehr instabilen Kinder dadurch überfordert werden und mühsam erzielte Fortschritte in der Rehabiliation wieder verlieren."

In der Klinik nimmt sich das Pflegepersonal an diesen Tagen noch mehr Zeit als sonst. Es finden möglichst wenig medizinische Untersuchungen und Therapien statt. Die Eltern können die ganze Zeit bei ihren Kindern bleiben. Soweit es der Platz zulässt, wird jeder Patient in ein Einzelzimmer verlegt. Hier können die Eltern und Geschwisterkinder gemeinsame Stunden verbringen. Danach findet in einem geschmückten Aufenthaltsraum mit Plätzchen und Punsch eine Bescherung statt.

Der Verein "Silberstreifen", der Familien mit neurologisch kranken Kindern unterstützt, spendet jedes Jahr Geschenke für die Patienten. Zudem bietet der Verein Wohngelegenheiten für begleitende Eltern. Patienten, deren gesundheitlicher Zustand es zulässt, können den Heiligabend mit ihren Familien in diesen Appartements verbringen und werden am Abend von den Eltern in die Klinik zurückgebracht. "Mein Respekt gilt vor allem den Eltern", erzählt Ursula Zellner. "Sie sind so tapfer und haben so viel Kraft."

Um 20.30 Uhr beendet Ursula Zellner ihren Spätdienst und fährt rund 20 Kilometer zu ihrer Familie, die sie schon mit einem wohlverdienten Essen erwartet. "Ich genieße den Abend mit meiner Familie und das gemeinsame Frühstück, denn am 1. Weihnachtsfeiertag habe ich wieder Spätdienst."

re/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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