Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 8

"Netzverfügbarkeit nimmt im Zug um 40 bis 45 Prozent ab"

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Klaus Stöttner (53, links) ist seit 2003 Mitglied des Landtages und Otto Lederer (46) seit 2013. Sie sind für die beiden Rosenheimer Stimmkreise zuständig.

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute: MdL Otto Lederer und MdL Klaus Stöttner (beide CSU):

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt.

Heute: Die CSU-Landtagsabgeordneten Otto Lederer und Klaus Stöttner:

Herr Lederer, Herr Stöttner, wie wichtig ist Ihnen mobiles Internet beim Zugfahren, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Lederer: Ich bin mindestens drei Tage in der Woche wegen der parlamentarischen Sitzungen, unter anderem im Innen- und Bildungsausschuss, in München im bayerischen Landtag. An diesen Tagen pendle ich auch mit dem Zug zwischen dem Landtag, meinem Büro in Rosenheim und meinem Zuhause hin und her. Natürlich nutze ich meistens die Zeit im Zug, um noch einmal meine Arbeitsunterlagen zu sichten. Dabei wäre eine stabile Internetverbindung wichtig, um zum Beispiel E-Mails zu lesen oder Zusatzinformationen aus dem Intranet des bayerischen Landtags zu erhalten.

Stöttner: Die Verbindung Rosenheim-München ist für mich sehr wichtig - wie für viele Pendler in der Region. Zu mindestens der Hälfte meiner Termine im Landtag fahre ich mit dem Schienenpersonennahverkehr und öffentlichen Personennahverkehr. Die Zeit im Zug lässt sich grundsätzlich sehr gut für die Vorbereitung auf meine Termine nutzen. Allerdings beschränkt sich diese Vorbereitung aktuell meist nur auf Lese- und Recherchearbeiten, da die aktuelle Netzabdeckung eine durchgehende Arbeit online am Telefon oder am Laptop nicht zulässt.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Lederer und Stöttner: Für die Mobilfunkversorgung außerhalb der Züge sind die Netzbetreiber zuständig. Alle Netzbetreiber müssen ihre Netze entlang der Bahnstrecken noch deutlich ausbauen, um einen ausreichenden Versorgungsgrad zu erreichen. Für Maßnahmen zur Gewährleistung einer guten Verbindungsqualität in den Wagengarnituren - bei ausreichender Netzabdeckung außerhalb - ist das jeweilige Eisenbahnverkehrsunternehmen zuständig.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Landtagsabgeordneter und die Landesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Weitere Informationen:

Lederer und Stöttner: Moderne Eisenbahnfahrzeuge schirmen Mobilfunksignale stark ab. Die Netzverfügbarkeit nimmt bei Telefonie um etwa zehn Prozent ab und bei der Nutzung des mobilen Internets sogar um 40 bis 45 Prozent. Daher sind Maßnahmen zur „Einspeisung“ eines außen verfügbaren Mobilfunksignals in das Fahrzeug sinnvoll. Deshalb werden bei der Bayerischen Eisenbahngesellschaft innovative Technologien einer Kosten-Nutzen-Analyse unterzogen, um diesbezüglich eine fachlich und betriebswirtschaftlich fundierte Entscheidung treffen zu können. Wir als Landtagsabgeordnete können diese Verfahren lediglich unterstützend begleiten.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Lederer und Stöttner: Die Eisenbahnverkehrsunternehmen haben ein Eigeninteresse, die WLAN-Versorgung in den Zügen weiter zu verbessern. Vor diesem Hintergrund ist ein „Zwang“ nicht zielführend.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Lederer und Stöttner: WLAN-Angebote in Zügen sollten möglichst kostenlos sein. Dies ist auch in Fernbussen so. Für Nutzer, die intensiv im WLAN surfen, könnte es jedoch sein, dass Eisenbahnunternehmen über ein kostenpflichtiges Angebot nachdenken.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Lederer und Stöttner: Der für Regionalzüge in Bayern zuständigen Bayerischen Eisenbahngesellschaft ist die Verbesserung des Mobilfunkempfangs im bayerischen Schienenpersonennahverkehr ein großes Anliegen, da dies für die Fahrgäste ein wichtiges Qualitätsmerkmal darstellt und somit zur Bereitschaft beiträgt, den Schienenpersonennahverkehr regelmäßig zu nutzen.

Stellt funktionierender Mobilfunk Ihrer Meinung nach einen Vorteil für Züge als Transportmittel dar? Zum Beispiel gegenüber Flugzeugen?

Lederer: Es ist heutzutage ein Grundbedürfnis vieler Bürger, zu jeder Zeit mobil ins Internet zu kommen. Die Frage zum Vergleich mit dem Flugzeug stellt sich jedoch nur im Fernverkehr. Dort dürfte die Möglichkeit einer uneingeschränkten Mobilfunknutzung durchaus attraktive Aspekte zugunsten des Schienenpersonenfernverkehrs aufweisen. Ergänzend möchte ich jedoch anmerken, dass es bereits jetzt Fluggesellschaften gibt, in denen mobiles Internet in einigen Flugzeugtypen gefahrlos genutzt werden kann.

Stöttner: Klares Ja! Natürlich bringt eine beständige Netzabdeckung für Mobilfunk und mobile Daten einen riesigen Vorteil für die Pendler und sonstige Fahrgäste. Allerdings konkurriert der Schienenverkehr im Regionalverkehr natürlich nicht mit dem Flugzeug. Bei den überregionalen Verbindungen könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Bahn hier größere Akzeptanz erfahren könnte. Auch wenn die Reisezeit der große Vorteil beim Flugzeug ist, so kann doch die Zeit im Zug bei einer vernünftigen Netzabdeckung besser genutzt werden. Der Zug wird somit zum mobilen Büro und damit deutlich wettbewerbsfähiger.

Interview: Katja Schlenker

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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