Investitionen für die Umwelt

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Im Rohrdorfer Zementwerk stehen umfangreiche Investitionen an. Den Satellitenkühler wird es nach dem Umbau nicht mehr geben; er wird durch einen neuen Rostkühler ersetzt.

Rohrdorf – Aus aktuellem Anlass waren die Rohrdorfer Gemeinderäte für ihre letzte Sitzung vor der Sommerpause ins Zementwerk umgezogen: Heinrich Rodlmayr informierte dort über anstehende Investitionen.

Heinrich Rodlmayr, Mitglied der Geschäftsleitung und für den Bereich Technik verantwortlich, informierte dort insbesondere über anstehende Investitionen, für die das Unternehmen unterm Strich einen Kostenrahmen von 58 Millionen Euro budgetiert hat.


Lag der Schwerpunkt der vergangenen Jahre auf der Verringerung der Staubemissionen, geht es nun vorrangig darum, aus der Ofenabwärme Strom zu erzeugen.

Mit den drei neuen Großprojekten folgt das Unternehmen nicht nur dem allgemeinen Trend; schließlich "herrscht in der Zementindustrie seit 15 Jahren Wirtschaftskrise", hatte Geschäftsführer Mike Edelmann eingangs die Situation in der Branche umrissen, sodass kaum mehr investiert werde. Mit zwei der Vorhaben, nämlich dem Bau eines Abhitzekraftwerks (Verstromungsanlage) und der Errichtung einer SCR-Entstickungsanlage in Reingasschaltung, übernimmt der Baustoffproduzent zudem eine Vorreiterrolle in Europa beziehungsweise in Deutschland; entsprechend fließen für diese beiden Einrichtungen Fördermittel vom Bundesumweltministerium. Ergänzend dazu ist der Ersatz des bestehenden Satellitenkühlers durch einen Rostkühler am Drehrohrofen vorgesehen.


Wurde die Abwärme aus dem Brennprozess bislang nur zu etwa einem Drittel für die Trocknung des Rohmaterials genutzt, soll ab April 2012 auch der Rest der Hitze nicht mehr ungenutzt in der Luft verpuffen, sondern mittels einer Dampfturbine in elektrischen Strom umgewandelt werden. Rund ein Drittel des eigenen Strombedarfs könne das Zementwerk dank dieses in Europa einzigartigen Abhitzekraftwerks decken und seine Energiekosten auf diese Weise gewaltig reduzieren; darüber hinaus würde der jährliche Kohlendioxid-Ausstoß um rund 31.500 Tonnen gemindert.

Eine deutliche Verbesserung des Umweltschutzes - auch im Hinblick auf die ab 2011 verbindlichen NEC (National Emission Ceilings)-Höchstwerte für Stickoxide und Ammoniak - verspricht man sich in Rohrdorf zudem von der SCR-Entstickungsanlage in Reingasschaltung, der deutschlandweit ersten Anlage dieser Bauart. Im Zuge der SCR, der Selectiven Catalytischen Reduktion, werden die Stickoxide in den Ofenabgasen durch Zugabe von Ammoniakwasser mithilfe eines Katalysators zu unschädlichem Stickstoff und Wasserdampf umgewandelt. Abfallstoffe entstünden dabei nicht. "Bei erfolgreichem Betrieb - von dem wir ausgehen - wird diese Anlage infolge ihrer ,Leuchtturmfunktion' beispielgebend für viele Zementwerke in Europa sein", ist Rodlmayr überzeugt.

In diesem Zusammenhang steht auch das dritte Vorhaben, das ebenfalls bereits im kommenden März abgeschlossen sein soll: Die Montage eines Rostkühlers am Drehrohrofen anstelle des jetzigen Satellitenkühlers soll nicht nur für eine bessere Qualität des Klinkers sorgen. Der 1300 Grad heiße Klinker fällt künftig auf eine bewegliche Rostfläche und wird durch das Einblasen kalter Luft auf eine Temperatur von etwa 100 Grad abgekühlt. Die so erhitzte Luft wird zum überwiegenden Teil in den Drehrohrofen geleitet; ein kleinerer Teil gelangt über zwei Wärmetauscher und eine neue Entstaubungsanlage in einen Abluftkamin. Die rückgewonnene thermische Energie wird der Entstickungsanlage beziehungsweise dem Verstromungssystem zugeführt.

Ergänzend verwies Rodlmayr in seinem Vortrag auf Investitionen der vergangenen Jahre. So hätten neue Filteranlagen in Zement- und Kohlemühlen sowie beim Drehrohrofen den Staubgehalt der Abluft bei einem Grenzwert von 10 Milligramm pro Normkubikmeter (mg/Nm3) auf weniger als 2 mg/Nm3 gesenkt. Und dank einer Lkw-Reifenwaschanlage im Werk wird auf der Zufahrtsstraße nunmehr deutlich weniger Staub aufgewirbelt.

pil/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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