Konto-Plünderung: Bewährungsstrafen

Rosenheim - Quer durch Europa schummelten sich fünf junge Bulgaren, die Konten plündern wollten. Jetzt wurden alle fünf vom Schöffengericht zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:


Internationale Fahndung war erfolgreich

Bulgarien, Polen, Deutschland, Spanien und Frankreich waren die Stationen eines gescheiterten Versuchs, Konten zu plündern, der jetzt vor dem Schöffengericht in Rosenheim endete. Fünf junge Männer aus Bulgarien wurden zu Bewährungsstrafen verurteilt.

Ins Rollen gekommen war der Fall am 25. November 2008, als Beamte der Schleierfahndung einen bulgarischen Pkw kontrollierten, der auf der A8 in Richtung Salzburg unterwegs war. Am Rastplatz Eulenauer Filz, kurz vor der Ausfahrt Bad Aibling, fanden die Beamten Teile der Ausrüstung zum Auslesen von Kreditkarten, wie sie von Kriminellen verwendet werden, um Bankkonten leer zu räumen. Da die Ausstattung aber nicht vollständig war, wurden die Insassen lediglich erkennungsdienstlich behandelt und die verdächtige Ausrüstung samt dazugehörigem Laptop konfisziert. Die Passagiere durften danach ihre Fahrt wieder fortsetzen.


LKA-Experten fanden verräterische Daten

Als Spezialisten vom Landeskriminalamt in München den Laptop näher untersuchten, stellte sich heraus, dass die kontrollierten Personen mit den sichergestellten Geräten in Warschau versucht hatten, eine Reihe von polnischen Kontendaten auszuforschen. Dabei hatten sie auf dem Rechner verräterische Spuren hinterlassen. Daraufhin wurden die Täter europaweit zur Fahndung ausgeschrieben.

Die internationale Zusammenarbeit funktionierte: Ein Täter wurde in Frankreich festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Einen zweiten ereilte in Spanien das gleiche Schicksal. Zwei andere setzten die bulgarischen Behörden in Varna fest und lieferten sie nach Deutschland aus. Der Fünfte lebt in München, stellte sich dort selber und entging so der Untersuchungshaft.

Wie die Vernehmungen ergaben, handelte es sich hier um eine kriminelle Kneipenverabredung. Zwei der Angeklagten, ein 24- und ein 25-Jähriger, betrieben ein Lokal in Varna und wurden von unbekannten Hintermännern zu der Aktion überredet. Die Angeklagten hatten jedoch keinen Erfolg, weil die deutschen Schleierfahnder die Ausrüstung zuvor sicherstellten.

Da es sich um nicht vorbestrafte Ersttäter handelte, weil alle fünf umfassend geständig waren, kein nachweisbarer Schaden entstanden war und alle mittlerweile wieder bürgerlichen Berufen nachgehen, war der Antrag des Staatsanwalts moderat. Er beantragte je nach Tatbeteiligung Strafen zwischen einem und zwei Jahren Gefängnis. Die Strafen konnten nach seiner Meinung zur Bewährung ausgesetzt werden.

Die Verteidiger folgten der Argumentation des Staatsanwalts, wollten aber das Strafmaß für ihren jeweiligen Mandanten niedriger ansetzen. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber entsprach im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Der Haupttäter erhielt zwei Jahre Gefängnis, die Mittäter, je nach Strafbeteiligung, Haftstrafen zwischen acht Monaten und 18 Monaten. Alle Strafen wurden auf fünf Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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