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Insolvenzverfahren bis 2020?

OVB
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Riesige Aktenberge ließen die Ermittler im Frühjahr 2006 bei einer Großrazzia auf dem Akzenta-Firmengelände in Lkw verladen. Sie werden das Amtsgericht Rosenheim und den Insolvenzverwalter noch jahrelang beschäftigen.

Rosenheim - Die gute Nachricht zuerst: Bei der Gläubigerversammlung in Sachen Akzenta-Insolvenzverfahren ging es ruhig und gesittet zu. Die befürchteten Tumulte blieben aus.

Ansonsten konnte Dr. Axel W. Bierbach den Anlegern wenig Hoffnungen machen. Ob und wie viel Geld sie zurückbekommen, ist noch völlig offen. Fest steht nur, dass es ein Geduldsspiel wird. Bierbach: "Ich gehe davon aus, dass das Insolvenzverfahren mindestens fünf, möglicherweise sogar bis zu zehn Jahre dauert."

Gut möglich also, dass sich das Verfahren - laut Bierbach in seiner Komplexität und Unübersichtlichkeit einzigartig in der Geschichte der Bundesrepublik - bis 2020 hinzieht. So richtet sich auch Dr. Kerstin Spiess, zuständige Insolvenzrichterin am Amtsgericht Rosenheim, auf einen Marathon ein, der alles bisher Dagewesene übersteigt. Das fängt schon beim Platzbedarf an. Wohin mit den vielen Leitz-Ordnern, wenn die Lkw mit den Aktenbergen anrücken? Das ist nur eine von vielen offenen Fragen.

30.000 Akzenta-Gläubiger hat der Insolvenzverwalter von der Münchner Kanzlei Müller-Heydenreich Beutler & Kollegen anschreiben lassen. Daraufhin haben 15.000 Gläubiger Forderungen in Höhe von 96 Millionen Euro angemeldet. Die große Mehrheit waren Käufer sogenannter Umsatzbeteiligungen.

600 Akzenta-Opfer hatten im Vorfeld der Gläubigerversammlung im Kultur- und Kongresszentrum ihr Kommen zugesagt. Tatsächlich erschienen nur 90 Privatpersonen, Firmenvertreter und Rechtsanwälte, die jedoch Forderungen von insgesamt 2000 Anlegern in Höhe von 27 Millionen Euro repräsentieren. Das entspricht rund einem Viertel des gesamten Volumens der Forderungen, die Bierbach derzeit vorliegen: 96 Millionen Euro.

Die Mehrzahl der Geschädigten - darunter auch viele Franzosen, Österreicher, Italiener und Schweizer - beklagt Verluste bis zu 2000 Euro, ein Fünftel macht Beträge geltend, die über 10.000 Euro liegen. Manche haben - geblendet von der Aussicht auf traumhafte Renditen - sogar mehrere hunderttausend Euro in das umstrittene Akzenta-Modell investiert.

"Ich werde versuchen, den erlittenen Schaden für die Anleger auszugleichen, so gut es geht", versicherte Bierbach. Die Aussichten auf angemessene Entschädigungen für die Opfer stehen aber nicht gut. Zu viel Zeit ist verstrichen zwischen der Razzia im Mai 2006 und der Eröffnung des Insolvenzverfahrens drei Jahre später. So sind die Forderungen von 96 Millionen Euro durch die Insolvenzmasse mit dem prognostizierten Vermögen von sieben Millionen Euro nicht annähernd aufzufangen.

Bierbach: "Gläubiger sollten davon ausgehen, dass eine Befriedigung, wenn überhaupt, nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich möglich sein wird." Gleichzeitig appellierte er an weitere Geschädigte, ihre Forderungen bis 31. Dezember anzumelden, weil Schadensersatzansprüche zum Jahresende verjähren.

Die Staatsanwaltschaft gibt das seit der Razzia eingefrorene Vermögen bald frei. Dann geht es an die Verwertung von Grundstücken, Schmuck, Bildern, Uhren und den Luxus-Autos aus dem Fuhrpark der Akzenta, darunter ein Maserati MC 12 - ein italienischer Supersportwagen, von dem es weltweit nur ein paar Dutzend gibt. Aber auch dies wird eine Sisyphus-Arbeit, schließlich hat schon eine Vielzahl von Gläubigern Akzenta-Vermögen gepfändet.

Nun muss geklärt werden, wer welche Pfandrechte hat und zuerst an die Reihe kommt. So interessiert sich Bierbach auch für die Neubeurer Privatvilla des inhaftierten Ex-Seniorchefs, die möglicherweise versteigert wird. Zu den Erfolgschancen kann er derzeit nichts sagen. Völlig offen sei auch, ob die Insolvenzmasse mit Steuergeldern, die von der Akzenta gezahlt wurden, aufgestockt werden kann. Derzeit prüft Bierbach, ob die Gemeinde Neubeuern Gewerbesteuereinnahmen wieder zurückzahlen muss. Dabei geht es um mehrere Millionen Euro. Zum Verkauf der Firmengebäude zum Preis von drei Millionen könnte es schon bis Jahresende kommen.

Dass Bierbach beim Studieren der Akzenta-Umsätze zum selben Schluss wie die Richter im Betrugsprozess gegen vier Ex-Vorstände kam, ist keine Überraschung: Das Unternehmen habe über Jahre hinweg ein klassisches Schneeballsystem betrieben und seine Kunden bewusst getäuscht. Eine externe Wertschöpfung habe weitgehend gefehlt. Ein Großteil des Umsatzes hätten sich drei Ex-Vorstände über ihre Gesellschaften in die eigenen Taschen gesteckt. Die mehrjährigen Haftstrafen gegen das Trio sind inzwischen rechtskräftig.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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