Hoffnung für betroffene Anwohner

Brannenburg – "Jetzt ist der Ofen aus. Der Lärm macht uns krank.“ Sozusagen „scharf geschossen“ wurde von den Anliegern der Standortschießanlage am ehemaligen Bundeswehrstandort Brannenburg.

Lautstark machten die Betroffenen ihrem Unmut Luft, als Christian Schmidt, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, im Brannenburger Rathaus zu Gast war. Die Bundestagsabgeordnete (MdB) Daniela Raab hatte zu diesem Gespräch gebeten.


Es sollte unkompliziert nach einer Lösung gesucht werden, denn die Wellen schlagen bei diesem Thema immer wieder hoch. Rund 600 Bürger hatten bereits mit einer Unterschriftenaktion gegen den weiteren Schießbetrieb im Ortsteil Bad Anger über den Wegzug der Truppe hinaus protestiert.

Zunächst aber wurde beim Gespräch im bis auf den letzten Platz gefüllten Sitzungssaal deutlich, dass die Gemeinde Brannenburg es sehr bedauert, dass der Bundeswehrstandort aufgelöst wurde. "Das hat uns menschlich und jetzt auch finanziell getroffen", so Bürgermeister Mathias Lederer. Auch Daniela Raab zeigte sich enttäuscht: "Die Bundeswehr war hier im Ort sehr integriert und ein wichtiger Standortfaktor. Ich halte es nach wie vor für falsch, dass der Standort Brannenburg aufgelöst wurde."


Umso mehr verstehe sie den Unwillen von Bürgermeister und der betroffenen Anlieger, wenn trotz Abzug der Truppe weiterhin geschossen werde.

"Das ist so laut, dass ich auf meiner Terrasse nicht mehr frühstücken kann. Wie ein Schlag ist das, sobald die Salven losgehen", schimpft Werner Bergmüller, der direkt betroffen ist. Und Dr. Hans Bolland legt nach: "Der Schießplan, der öffentlich aushängt, wird nicht eingehalten. Hier wird Glaubwürdigkeit verspielt."

Von "Einseifen der Bevölkerung" bis "vernachlässigte Fürsorgepflicht" durch das Gemeindeoberhaupt lauteten die Vorwürfe. Wie viele der im Saal anwesenden Betroffenen befürchtete auch Tilman Lutz, dass die Schießanlage bis 2014 betrieben werden soll.

Doch Christian Schmidt aus Berlin ging trotz des "Dauerbeschusses" nicht in "Deckung", um in der militärischen Sprache zu bleiben.

Er machte deutlich, dass er mit einem "guten Ergebnis" für alle Beteiligten heute wieder abfahren wolle. Doch es sei ganz klar, dass er auf der einen Seite Sorge zu tragern habe für die Bevölkerung und ihre berechtigten Anliegen, auf der anderen Seite aber auch für die Soldaten, die ein Anrecht auf eine gute Ausbildung haben. "Ich selbst habe einen Teil meiner Grundwehrausbildung in Brannenburg gemacht und kenne aus eigener Anschauung die Situation von beiden Seiten", so Schmidt.

Derzeit absolvieren Soldaten aus Bad Reichenhall und aus Bischofswiesen/Berchtesgaden ihre Schießübungen auf der Anlage in Brannenburg. Die Schießanlage Bischofswiesen, die wegen ihrer Lage am Wohngebiet enge Nutzungsauflagen hat, soll lärmtechnisch nachgerüstet werden. "Die Einhausung der Anlage ist allerdings noch im Planungsstadium", betonte Schmidt. Er versprach, sich dafür einzusetzen, dass die Realisierung so schnell wie möglich geschehe.

"Nesselgraben" wird renoviert

Die Kaserne in Bad Reichenhall verfügt über den Schießplatz "Nesselgraben", doch wird dieser gerade renoviert. "Bis Ende 2010, spätestens bis März 2011, werden die Arbeiten dort fertiggestellt sein. Dann können die Soldaten aus Bad Reichenhall wieder dort ihre Schießübungen absolvieren und sind nicht mehr gezwungen, nach Brannenburg zu fahren", erklärte der Staatssekretär.

Dass die Fahrt von Bad Reichenhall nach Brannenburg jedesmal ein enormer logistischer Aufwand für die Truppe bedeutet, bestätigte Brigadegeneral Hans Berger. "Rund vier Stunden dauert die Vorbereitung, etwas weniger der Abbau nach dem Schießen. Um gegen 8 Uhr morgens am Platz in Brannenburg zu sein, müssen die Soldaten um 4 Uhr früh in Bad Reichenhall aufstehen", so Berger. Und auch der finanzielle Aspekt sei nicht außer acht zu lassen, so der stellvertretende Befehlshaber des Wehrbereichskommandos IV, Süddeutschland.

"Neben diesen Truppen dürfen nur Reservistenverbände einmal pro Monat am Samstag nach Genehmigung am Schießplatz in Bad Anger schießen", erklärte Rainer Flechsenhar, Leiter Unterstützungskommando Standortältester. Jeden Monat werde der aktuelle Schießplan am Brannenburger Rathaus zur Einsicht ausgehängt. "Sollten außerhalb der dort angegebenen Schießzeiten Schüsse zu hören sein, ist das unrechtmäßig und ein Straftatbestand", so der Standortälteste. Unter der Telefonnummer 08651/ 792170 können von den Anwohnern Verstöße gemeldet werden.

Und mit der Zusage, zu prüfen, ob die Soldaten aus Bischofswiesen nach Fertigstellung der Renovierungsarbeiten am "Nesselgraben" auch dort schießen können, verabschiedete sich Christian Schmidt. "Dafür habe ich bereits einen Prüfauftrag", so Flechsenhar.

"Das wäre schön, wenn bis März 2011 in Bad Anger Ruhe herrschen würde", dankte Bürgermeister Lederer allen Beteiligten für das konstruktive Gespräch. Und auch die Bundestagsabgeordnete Daniela Raab versprach, weiterhin "an der Sache dran zu bleiben".

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