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Nachruf

Heimatforscher, Kommunalpolitiker und engagierter Ehrenamtler: Konrad Linner senior aus Amerang ist verstorben

Konrad Linner
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Konrad Linner

Viel bewirkt: Der engagierte Mitbürger Konrad Linner senior aus Amerang ist im Alter von 91 Jahren verstorben.

Amerang – Eine überaus große Trauergemeinde nahm in der Pfarrkirche Evenhausen Abschied von Konrad Linner senior, der kürzlich im Alter von 91 Jahren unerwartet verstorben ist. An den zahlreichen Abschiedsworten am Grab wurde deutlich, welche großen Verdienste sich der bescheidene Pfaffinger mit seinem engagierten gesellschaftlichen, politischen, beruflichen und kirchlichen Wirken erworben hat.

Konrad Linner senior mochte kein großes Aufheben um seine Person, dabei hat er als Heimatforscher, Kommunalpolitiker und ehrenamtliche Triebfeder im Pfarrverband und im dörflichen Leben unschätzbar wertvolle Arbeit geleistet. „Ich bin sehr zufrieden mit dem, was ich aus meinem Leben gemacht habe“, hatte der vielseitig interessierte Mitbürger stattdessen bei vielen Gelegenheiten festgestellt und betont, wie sehr sein Beruf und seine ehrenamtlichen Tätigkeiten ihn zeitlebens bereichert hätten. Aber vor allem hätten ihm Ehefrau Ulla, mit der er vor drei Jahren die diamantene Hochzeit feiern konnte, die drei Kinder, die sieben Enkelkinder und sein Urenkerl viel Freude und Glück geschenkt, erzählte der Familienmensch immer gerne, den häufig auch die Reiselust gepackt hat. Mit großer Freude unternahm er mit seiner Familie, besonders mit seinen Enkeln aber auch Ausflüge zum Berggehen oder Skifahren. Er war dankbar, dass ihm bis zuletzt ein erfülltes und selbstbestimmtes Leben möglich war.

Enkel und Urenkel schenkten ihm Freude

Konrad Linner wurde am 28. Januar 1931 in Vordersberg, in der Gemeinde Soyen, geboren. Mit fünf älteren Geschwistern wuchs er auf dem elterlichen Bauernhof auf. Noch vor seinem vierten Geburtstag verlor er seine Mutter. Ihr Verlust begleitete ihn zeitlebens. Der Zweite Weltkrieg brachte große Einschnitte. Da die drei Brüder im Kriegseinsatz waren und einer nicht mehr heimkehrte, musste er als Bub schon sehr früh Arbeiten im Stall und auf dem Feld mit den Pferden übernehmen.

Nach dem Besuch der Volksschule in Lengmoos, bei Gars, arbeitete er bis zur Rückkehr seines Bruders aus dem Krieg auf dem elterlichen Hof. Anschließend erreichte er auf einem Sonderweg die Zulassung zum dreijährigen Studium. Seine ersten Dienstjahre absolvierte der frischgebackene Agraringenieur in Deggendorf in der Forschung über Düngung und Pflanzenschutz. Niederbayern.

1957 erfolgte die Versetzung als Berater an das Landwirtschaftsamt Wasserburg. Ein Jahr später heiratete er ins „Weber-Anwesen“ in Pfaffing ein und fand damit in der damaligen Gemeinde Evenhausen eine neue und auch geliebte Heimat.

Von 1973 bis zur Pensionierung 1995 war Linner senior verantwortlich für die Ausbildung einer ganzen Generation von Landwirten im Landkreis Rosenheim und von Schülern und Kollegen gleichermaßen wegen seines respekt- und vertrauensvollen Umgangs geschätzt. Und auch nach seiner Pensionierung war Linner ein gefragter Mann. Im Auftrag der EU war er in Warschau maßgeblich daran beteiligt, ein Duales Ausbildungskonzept für die gesamtlandwirtschaftliche Ausbildung in Polen auf den Weg zu bringen. Hörte man sich unter den Trauergästen um, war viel Wertschätzung für den Träger der Bürgermedaille spürbar. „Der Konrad hat viel für das Zusammenwachsen der Gemeinde getan und sich unschätzbare Verdienste in der Heimatforschung erworben“ brachte es der zweite Bürgermeister Werner Fröwis auf den Punkt.

Gemeinderat und Dritter Bürgermeister

Bei der Gebietsreform 1971 habe sich Linner kommunalpolitisch stark für das Zusammenwachsen der Gemeindeteile engagiert und von 1971 bis 1984 als Mitglied des neuen Gemeinderates und als Dritter Bürgermeister die Entwicklung der neuen Gemeinde Amerang maßgeblich mitgestaltet.

Aber auch darüber hinaus war er aktiv: 37 Jahre im Pfarrgemeinderat Evenhausen, davon 25 Jahre als Vorsitzender, dazu Dekanatsrat und über 50 Jahre Kirchenchor und Männergesangsverein – der Pfaffinger war bis zuletzt fest im gesellschaftlichen Leben verwurzelt. Besonders die Geschichte der näheren Heimat lag ihm sehr am Herzen. In unzähligen Stunden hat er über Jahre hinweg über die landwirtschaftlichen Anwesen in Evenhausen recherchiert und 2003 mit dem Buch „Evenhausen 782 – 2002“ einen äußerst wertvollen Beitrag zur Geschichte des Pfarrgebietes und der Pfarrei – gebracht. „Man muss dem Leben einen Sinn geben und braucht immer neue Aufgaben“, lautete das Lebensmotto und deshalb gingen die Recherchen weiter.

2010 folgte mit dem Buch: „Haus- und Hofgeschichte 1366 – 2010 in den Gemeindeteilen Amerang, Kirchensur und Stephanskirchen“, ein ebenso wertvolles historisches Werk der Zeitgeschichte für die Gemeinde und die Region. Als Experte für altdeutsche Schrift, übersetzte er bis zuletzt alte Übergabeurkunden aus dem 18. Jahrhundert, denn die Schreibweise und auch die alten Ausdrücke sind heute kaum noch bekannt. Darüber hinaus kümmerte er sich täglich um seine Schafe und seine Bienenvölker.

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