Hagelflieger sollen noch effektiver werden

Rosenheim - Hagelflieger live miterleben – noch ist das Zukunftsmusik. Ein gemeinsames Projekt der Hochschule Rosenheim und des Rosenheimer Hagelforschungsvereins hat aber genau dies zum Ziel.

Im Rosenheimer Kreistag wurde „RO-BERTA“, so der Name des Projekts, am Mittwoch vorgestellt.


In der Hagelsaison 2009 waren die Hagelflieger an 16 Tagen mit zwei Maschinen fast 48 Stunden im Einsatz. Nach Auskunft von Hagelflieger Georg Vogl, er ist auch Geschäftsführer des Hagelforschungsvereins, lag das vergangene Jahr damit etwas unter dem Durchschnitt von 19 Einsätzen jährlich. Das laufende Jahr verlief aus Sicht der Hagelflieger mit nur drei Einsätzen bisher harmlos. Das Entscheidende bei der Hagelabwehr sei, so Vogl, den Aufwind einer Gewitterwolke zu finden und zum richtigen Zeitpunkt mit dem Ausbringen von Silberjodid zu beginnen. Wenn wir zu spät kommen, lasse sich der bereits entstandene Hagel nicht mehr verhindern.

Zur Ausrüstung eines der beiden Flugzeuge gehört das von der Hochschule Rosenheim entwickelte Messdatenerfassungsgerät „RO-BERT“. Während des Fluges sammelt es meteorologische Daten, registriert die in die Hagelzelle eingebrachte Silberjodidmenge und zeichnet die Position des Hagelabwehrflugzeuges auf. Alle gesammelten Informationen werden nach dem Flug mit Bodenradar-Daten des Deutschen Wetterdienstes kombiniert. Das Ergebnis ist eine visuelle Darstellung der Hagelzelle und des Flugweges.


Rosenheims Hochschule und der Hagelforschungsverein wollen dieses Projekt fortführen. Professor Dr. Peter Zentgraf, er leitet an der Hochschule den Lehrstuhl für Mess- und Regeltechnik, stellte dem Kreistag die neuen Ziele vor. So will man unter anderem erreichen, dass die Daten nicht erst nach dem Flug, sondern während des Einsatzes zur Verfügung stehen. Der Pilot würde in die Lage versetzt, das Silberjodid effektiver einzusetzen. Der Bürger könnte die Flugroute via Internet mitverfolgen und möglicherweise mit Hilfe einer WebCam live im Cockpit dabei sein.

Die Herausforderung bei diesem Projekt ist laut Professor Zentgraf die Übertragung der Daten in beide Richtungen, also vom Flugzeug zur Hochschule und umgekehrt. Der Pilot soll in Echtzeit Wetterdaten erhalten, die ihm, animiert auf einem Monitor im Cockpit dargestellt, die Arbeit erleichtern sollen. Vom Flugzeug werden Positions-, Lage-, GPS-Sensor- und WebCam-Daten geliefert. Der Transfer soll mit Hilfe von W-LAN Richtfunk erfolgen.

Eine Ergänzung des Projekts könnte der Aufbau eines Netzes von selbstständigen Wettermessstationen sein. Deren Daten könnten, online erfasst und schnell ausgewertet, ebenfalls Einfluss auf den laufenden Einsatz der Hagelflieger nehmen.

Der Vorsitzende des Hagelforschungsvereins, der stellvertretende Landrat Josef Huber, stellte für dieses Projekt grundsätzlich 100.000 Euro für die kommenden beiden Jahre in Aussicht. Zudem betonte er die Notwendigkeit eines neuen Flugzeuges sowie eines weiteren Hagelpiloten.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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