Geld für Umgehung - nicht für Ampel

Vogtareuth - Fast 3 Millionen Euro hätten für den gescheiterten Bau einer Umgehungsstraße zur Verfügung gestanden. Die Kosten für eine sicherheitsrelevante Ampel will der Staat aber nicht zahlen.

2,8 Millionen Euro hätten für den gerichtlich vorerst gescheiterten Bau der Umgehungsstraße zur Verfügung gestanden. Für eine Ampel, die bis zur endgültigen Entscheidung oder dauerhaft für mehr Sicherheit auf der Staatsstraße mitten durch das Dorf sorgen soll, hat der Freistaat jedoch kein Geld. Diese Aussage brachte den Gemeinderat Vogtareuth auf die Barrikaden.


Die Reaktionen der empörten Ratsmitglieder auf die Entscheidung reichten von "Zumutung" (Harald Grella, Bürgerliste) bis "Sauerei" (Martin Grünhofer, Aktiv für unsere Gemeinde, AfG). "Wir kommen uns veräppelt vor" (Elisabeth Stadlhuber, ÜWG) und "Die Behörden tanzen uns auf der Nase rum" (Andreas Bonholzer, ÜWG) lauteten weitere Aussagen der Verärgerung. Die Tatsache, dass die Gemeinde die Ampel an der Staatsstraße im Bereich des jetzigen Zebrastreifens an der Grundschule nach langem Nachbohren endlich genehmigt, aber vorerst nicht bezahlt bekommt, erscheint dem Gemeinderat wie ein Schildbürgerstreich. Schließlich hätte der Freistaat zur Verkehrsentlastung eine Umgehung gebaut, die als oberste Dringlichkeit eingestuft worden war.

"Tut endlich mal was für die Vogtareuther!" appellierte Grella vehement an die überörtlichen Sachverständigen und Genehmigungsbehörden, die aktuelle Not des Dorfes im Zentrum, wo die Bürger unter dem Verkehrslärm ächzen und um die Sicherheit bangen, endlich anzuerkennen und wenigstens kleine Maßnahmen zu ermöglichen. Schließlich ist auch Grellas Vorstoß auf Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 Kilometer in der Stunde erneut niedergeschmettert worden. Die untere Verkehrsbehörde beim Landratsamt begründete die Ablehnung nach Informationen von Bürgermeister Matthias Maier mit "nicht erfüllten Voraussetzungen". Die Ortsdurchfahrt stelle keine Straße mit Unfallhäufung dar, eine außerordentliche Gefahrenlage könne nicht festgestellt werden, habe es geheißen. Maier wartete in diesem Zusammenhang mit einer kurios anmutenden Zwischenbemerkung auf: Bei einer der vielen Begehungen mit Sachverständigen ist nach Angaben des Bürgermeisters erst kürzlich ein Polizist am Zebrastreifen "fast überfahren" worden.


14 000 bis 15 000 Euro kostet die hier gewünschte Druckampel. Pflege und Unterhalt der Lichtanlage, die von 7 bis 22 Uhr in Betrieb sein soll, übernimmt das Staatliche Bauamt, für die Anschaffung mit Einbau hat der Freistaat jedoch in den nächsten drei Jahren kein Geld, ist der Kommune mitgeteilt worden. Aus Sorge um die Sicherheit vor allem der Kinder, Senioren und vielen Rollstuhlfahrer sowie Gehbehinderten aus der Schön Klinik biss der Gemeinderat mehrheitlich in den sauren Apfel und zeigte sich bereit, die Ampel vorzufinanzieren. Gleichzeitig besteht er darauf, dass die Kosten erstattet werden. Dafür soll eine Zusage des Staatlichen Bauamtes eingeholt werden. Gabriele Stemberger-Hanke (ÜWG) forderte außerdem, über die örtlichen Mandatsträger im Landtag politischen Druck auf den Freistaat auszuüben - "und zwar ganz schnell". Schließlich hätten Klaus Stöttner (CSU) und Maria Noichl (SPD) bei der Demonstration für die vom Gericht eingestellte Planfeststellung für die Umgehung den Bürgern ihre Unterstützung zugesagt.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare