Frohe Botschaften im Akkord

Pfarrer Andreas Maria Zach.

Rosenheim/Landkreis - Seelsorge, Gottesdienste und Verwaltungsarbeit: Die kommenden Tage sind für Pfarrer die anstrengendste Zeit des Jahres. Pfarrer Andreas Zach genießt die Zeit dennoch: "Man bekommt dafür so viel zurück!"

Der weihnachtliche Dauerstress beginnt für die Geistlichen schon in der Adventszeit: Einladungen, Weihnachtsfeiern, Krankenbesuche - Andreas Zach, Pfarrer der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn, glaubt in den Wochen vor Weihnachten ein hohes Bedürfnis nach "einem Freund, einem Zuhörer" bei den Menschen auszumachen. Dies bedeute für Pfarrer wie ihn zwar viel Arbeit, gebe ihm aber dennoch eine gewisse Befriedigung: "Trotz des ganzen Firlefanz, der um den Advent und Weihnachten in der heutigen Zeit gemacht wird, ist das Besinnliche, das Staade, immer noch spürbar." Zach erkennt mittlerweile sogar eine "Gegenbewegung" zum weit verbreiteten Konsumrausch.


Auch die Tatsache, dass an Weihnachten die Gotteshäuser bersten, das restliche Jahr über die Gottesdienste aber nur sehr spärlich besucht werden, ficht ihn nicht an, im Gegenteil: "Ich freue mich über die vielen Besucher zu Weihnachten!"

"Die Leute halten uns die Treue"

Natürlich würde es ihn freuen, wenn die Menschen das ganze Jahr über in die Kirche kämen, aber er sieht es pragmatisch: "Wir brauchen ja auch die Beitragszahler." Und allein an den vielen christlichen Bräuchen, die seit Jahrhunderten in der Region gepflegt würden, sehe er doch: "Die Leute halten uns die Treue - trotz aller Skandale."


Dass die Kirche kein gutes Jahr hatte, gibt Zach unumwunden zu: "Ich habe das Schlimmste befürchtet!" Dennoch habe sich der Groll der Gläubigen auf die Kirche bei ihm an der Basis in Grenzen gehalten. Austritte seien zumindest in seinen Pfarreien nur sehr wenige registriert worden.

Schlimmer als die Skandale um Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche hätten sich in den vergangenen Jahren die Verwaltungsreformen innerhalb der Kirche ausgewirkt: Pfarreien wurden zu immer größeren Verbänden zusammengeschlossen, die Pfarrer fungieren mittlerweile ebenso als Seelsorger wie als Manager: "Die Verwaltungsarbeit", schimpft Zach, "die is des Allergrausamste!"

Der 55-Jährige ist ein vergleichsweise junger Pfarrer, der die viele Arbeit noch leicht wegsteckt. Doch auch er sagt: "Man mus schon schauen, dass man nicht ausgezuzelt wird wie a Weißwurschthaut." Deshalb gönne er sich nach dem Sonntag, der auf den Stephanitag folge, stets ein paar Tage zum Durchschnaufen. Zu viel jammern will er aber auch nicht: "Andere Leute arbeiten ja schließlich auch."

Trotz des Dauereinsatzes während der Weihnachtstage nimmt sich Zach auch Zeit für besinnliche, private Momente: Am 24. Dezember, nach den obligatorischen Besuchen am Vormittag, legt er sich am Nachmittag "aufs Kanapee", um seine Predigt für die große Mette am Abend vorzubereiten. Nach der ersten Christmette um 16 Uhr feiert er dann Heiligabend - mit Leberkäs und Kartoffelsalat. Dann feilt er ein letztes Mal an seiner Predigt, die er ab 22 Uhr halten muss.

Am ersten und zweiten Weihnachtstag wird er jeweils am Vormittag Messen halten. Dazwischen steht der Besuch bei seiner Mutter an, denn: "Sonst gibt's Ärger!"

Es sei einfach alles eine Frage der Organisation und der persönlichen Einstellung fasst es Zach zusammen. Die Weihnachtszeit sei für Pfarrer eine sehr "intensive Zeit". Aber: "Man bekommt dabei so viel zurück!"

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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