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BDM für freiwillige Reduzierung der Milchmenge

Rosenheim - Angesichts des weiterhin niedrigen Milchpreises will der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) die Milchmenge reduzieren und so eine Preisbewegung in Gang setzen. **Zum Special**

Der anhaltend niedrige Milchpreis stürzt die Landwirtschaft in der Region in die Krise. „Wir haben auf den Höfen eine dramatische Entwicklung“, berichtet BDM-Kreisvorsitzender Jakob Niedermaier. Jetzt soll die Milchmenge reduziert werden Wie auch Josef Bodmaier, Kreisvorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes, bestätigt, wurde in einzelnen Betrieben bereits das Milchgeld gepfändet. Jetzt plant der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter eine neue Aktion, um die Milchmenge zu reduzieren. „Unsere letzte Chance“, glaubt Niedermaier.

Es ist einfach zu viel Milch auf dem Markt. Darüber sind sich alle einig. Während auf der einen Seite die EU die Milchmenge ausgeweitet hat, ist auf der anderen Seite der Export aus der EU in Drittstaaten zusammengebrochen; die Lager sind voll. Die Folge: Die Milchbauern bekommen für den Liter Milch derzeit zwischen 19 und 25 Cent. Doch auch wenn die Molkereien in der Region bessere Preise zahlen als die Abnehmer in anderen Bundesländern, zum Überleben der Höfe ist es zu wenig.

Uwe Gottwald, Leiter des Rosenheimer Landwirtschaftsamts, kennt die Situation in den Betrieben aus seiner Beratungstätigkeit. Auch er weiß: „Es ist brutal.“ Die Existenzängste der Bauern sind seiner Meinung nach vollkommen berechtigt: „Eine kostendeckende Milchviehhaltung ist mit dem heutigen Milchpreis nirgends mehr möglich.“ Selbst die besten Betriebe haben Erzeugerkosten von 30 Cent pro Liter. Die Molkereien zahlen dafür aber im Augenblick nur 25 Cent. Mit jedem Liter Milch wächst so das Minus.

Bei den Preisverhandlungen mit den Molkereien bekommt Niedermaier, auch Vorsitzender der Milcherzeugergemeinschaft (MEG) Wasserburg-Ebersberg, oft den Vorwurf zu hören, die Landwirte seien an den niedrigen Preisen selbst schuld, weil sie zu viel Milch liefern würden. Hintergrund dieses Vorwurfs ist die sogenannte „Saldierung“. Eigentlich darf jeder Milchbauer nur eine bestimmte Milchmenge abgeben. Liefert er mehr, ist dafür eine Superabgabe zu zahlen.

In Deutschland werden allerdings die Überlieferungen von Milcherzeugern mit den Unterlieferungen anderer Bauern verrechnet. Der Gesamt-Saldo bleibt so gleich. Mit seinem neuen Konzept will der BDM das nun ändern: „Wir Milchbauern lassen uns nicht länger den Schwarzen Peter zuschieben“, erklärt Niedermaier.

Bis zu zehn Prozent weniger liefern

Die Hoffnung des BDM trägt den bürokratisch anmutenden Namen „Freiwillig verpflichtende Mengenstilllegung im Milchwirtschaftsjahr 2009/2010 gegen Vergütung“. Der Milcherzeuger verpflichtet sich darin schriftlich, seine Referenzmenge um bis zu zehn Prozent zu unterliefern. Im Gegenzug erhebt der BDM aber auch Forderungen: Die Politik müsse bis 30. September die Saldierung abschaffen. Von den Molkereien will der BDM, dass sie dem Bauern pro Liter 0,2 Prozent mehr zahlen für jedes Prozent, das er bewusst zu wenig liefert.

Für die Molkereien ist das finanzierbar, sie machen heute schon eine Mischkalkulation“, glaubt Niedermaier. Er hofft, dass angesichts der dramatischen Lage Bauern, Molkereien und Politik an einem Strang ziehen.

BBV-Kreisvorsitzender Josef Bodmaier ist sich mit Niedermaier im Ziel einig: „Wir alle wollen einen höheren Milchpreis.“ Doch er befürchtet, dass die Politik nicht auf diesen Zug aufspringen wird. Schon bislang war der bayerische Landwirtschaftsminister mit seiner Forderung, die Milchmenge zu reduzieren, unter seinen deutschen Länderkollegen isoliert. Skeptisch ist auch Gottwald: „Für dieses Konzept ist ein flächendeckender Konsens zwischen Milchbauern, Molkereien und Politik notwendig. Und den herzustellen, ist schwierig.“

Vorschlag als letzte Chance

Niedermaier weiß um die Probleme, doch er sieht keine Alternative: „Wir können doch nicht einfach die Köpfe in den Sand stecken.“ Sein Verband sieht den neuen Vorschlag als letzte Chance: „Wenn es so weitergeht, ist die bäuerliche Struktur, die unsere Region heute noch prägt, in einem Jahr am Ende“, fürchtet Niedermaier. Er schätzt, dass von den 1900 Milchbauern in der Region mindestens die 1300 BDM-Mitglieder die Absichtserklärung unterschreiben werden. Sollten Politik und Molkereien bis 30. September nicht mitziehen, ist die Erklärung ohnehin hinfällig.

Doch Niedermaier hofft auf deren Einlenken: „Wenn Molkereien und Politik mitziehen, steigt auch der Milchpreis.“ Zumindest mittelfristig, denn im Augenblick sind die Lager voll. Profitieren werden davon aber nur noch die Milchbauern, die bis dahin durchgehalten haben.

ku/Oberbayerisches Volksblatt

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