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Zum Tag der Leichten Sprache

„Es geht um Barriere-Freiheit“: Stiftung Attl erklärt die Komplexität der Leichten Sprache

Mit Leichter Sprache lassen sich auch komplexe Dinge erklären, wie hier ein Bericht im „Attlblattl“ über den Krieg gegen die Ukraine.
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Mit Leichter Sprache lassen sich auch komplexe Dinge erklären, wie hier ein Bericht im „Attlblattl“ über den Krieg gegen die Ukraine.

Seit zwei Jahren wird in Deutschland am 28. Mai, der Tag der Leichten Sprache gefeiert. Wobei die Bezeichnung „leicht“ für den Verfasser irreführend sein könnte, denn die Regeln sind in Wahrheit sehr komplex. Micheal Wagner von der Stiftung Attl über die Komplexität der Einfachheit.

Attel – Michael Wagner ist in der Unternehmenskommunikation der Stiftung Attl tätig. Er ist dort einer der Experten für Leichte Sprache. Er ist einer der Verfasser der hausinternen Zeitschrift „Attlblattl“. Mehrere Jahre gab er Fortbildungen für Mitarbeiter zum Thema. Acht Stunden dauerte das Seminar, denn Leichte Sprache ist kompliziert. „Wir erkennen oft gar nicht, wie schwer unsere Sprache ist“, so Wagner. „Wir benutzen sehr viele Sprachbilder oder auch Stilmittel wie Ironie.“ All das soll mit hier vermieden werden.

Keine Zahlen, keine Fremdwörter

Stattdessen setzt Leichte Sprache auf einfache, bekannte und kurze Wörter, auf leichten Satzbau. Zusammengesetzte Wörter werden mit einem Bindestrich getrennt, Fremdwörter und Synonyme vermieden. „Leichte Sprache verwendet so gut wie keine Nebensätze“, so Wagner. Stattdessen werden die Informationen in eigenständige Sätze verpackt. Besonders schwierig wird es mit Zeit und Zahlenangaben. „Zahlen sind sowieso etwas sehr Abstraktes“, erläutert Wagner. „Die Zahlen zehn oder hundert kann ich mir noch vorstellen, aber im Millionenbereich wird es dann schon schwierig.“

Bei Zeitangaben sei es ähnlich. Oft werde deshalb bei Leichter Sprache auch die Information vereinfacht. Aus der Jahreszahl 1867 wird so der simple Satz „vor langer Zeit“.

Gestaltung mit Bildern

Oft kommt eine Gestaltung mit Bildern hinzu. Das entsprechende Regelwerk für leichte Sprache wird vom deutschen Verein Netzwerk leichte Sprache herausgegeben. Die Lebenshilfe in Bremen, hat dafür einen ganzen Katalog an Symbolen zusammengestellt.

Die Stiftung Attl setzt bei den Illustrationen, die bei der Unterstützung der jeweiligen Aussagen mit dem geschriebenen Wort einhergehen, vor allem auf die Metacom Symbole aus der Unterstützten Kommunikation. Auch um es den Bewohnern in Attl noch leichter zu machen. „Wir benutzen überall die Metacom Symbole“, erklärt Wagner, da sei es leichter auch beim Attlblattl und anderen Nachrichten auf Bekanntes zu setzen.

Michael Wagner von der Stiftung Attl.

Trotzdem sei eines festzuhalten: „Es ist keine schöne Sprache.“ Wichtig sei Leichte Sprache trotzdem. „Es geht um Barrierefreiheit.“ Nicht nur für Menschen mit Behinderungen, auch Personen, die gerade Deutsch lernen oder schlecht lesen können, könnten von Leichter Sprache profitieren, so Wagner. Aber auch generell wäre es keine schlechte Idee mehr mit Leichter Sprache zu arbeiten, so Wagners Überzeugung. „Denken Sie nur an Formulare bei Behörden. Jemand, der mit der Materie vertraut ist, weiß natürlich, um was es geht. Aber jemand anders braucht oft extra einen Übersetzer.“

Prüfer kommen aus der Zielgruppe

Um der Barrierefreiheit gerecht zu werden, setzt Leichte Sprache auf Prüfer. „Jeder Text sollte am Ende noch mal überprüft werden“, erklärt Wagner, das heißt durchgelesen werden von Personen aus der Zielgruppe. Dabei muss der Prüfer aber auch regelmäßig gewechselt werden. „Das Verhältnis zwischen Verfasser und Prüfer kann zu eng werden“, erläutert Wagner. „Wenn ich lange mit einem Prüfer zusammenarbeite, dann kennt er meine Ausdrucksweise. Er weiß, was ich damit gemeint habe.“

Übrigens sei Leichte Sprache nicht das gleiche wie einfache Sprache, so Wagner. Einfache Sprache habe keine strikten Regeln, sie sei schlicht „einfach“ und könne auch gesprochen werden. „Bei Videos - beispielsweise auf unserem Youtube-Kanal - verwenden wir einfache Sprache.“ Leichte Sprache hingegen sei eine reine Schriftsprache.

Dieser Text in Leichter Sprache:

Am 28. Mai ist der Tag für die Leichte Sprache.

Leichte Sprache wird für Texte benutzt.

Dann kann man sie besser verstehen.

Leichte Sprache hilft vielen Menschen.

Zum Beispiel:

Menschen mit Behinderung.

Und Menschen, die Deutsch lernen.

Leichte Sprache hat viele Regeln.

Ein deutscher Verein hat sie erstellt.

Er heißt: Verein Netzwerk Leichte Sprache.

Michael Wagner von der Stiftung Attl kennt sich damit aus.

Er sagt:

Die Wörter müssen einfach sein.

Leichte Sprache soll keine Fremd-Wörter haben.

Für gleiche Dinge werden die gleichen Wörter verwendet.

Der Satz-Bau muss einfach sein.

Leichte Sprache hat meistens nur Haupt-Sätze.

Zahlen werden mit einem Beispiel erklärt.

Die Sätze werden mit Bildern erklärt.

Zum Schluss liest ein Prüfer die Texte.

Prüfer sind Menschen, die auch Leichte Sprache brauchen.

Es gibt auch einfache Sprache.

Sie hat keine strengen Regeln.

Und wird gesprochen.

Anmerkung der Redaktion:

Leichte Sprache hat eigentliche eine größere Schriftart und einen größeren Zeilenabstand. Außerdem wird sie meist bebildert. Aus technischen Gründen war es nicht möglich, diese Vorgaben hier umzusetzen. Wir bitten, dies zu entschuldigen.

Und noch mal in Leichter Sprache:

Leichte Sprache hat eine große Schrift.

Und einen großen Zeilen-Abstand.

Leichte Sprache hat meistens Bilder.

Das ist hier nicht so.

Grund ist die Technik.

Wir entschuldigen uns.

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