Das erste Foto vom Wolf!

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Erwischt an der Rehfütterung: Die Wärmebildkamera eines Jägers fotografierte den Wolf, der in der Region schon ahlreiche Tiere gerissen hat.

Bad Feilnbach/Thiersee - Mit einer Wärmebildkamera ist Jäger Herbert Gartner ein besonderer "Abschuss"  gelungen: Ein Foto des Wolfs, der seit über einem Jahr durch den Bergwald streift.

Jäger Herbert Gartner traute beim Auswerten der Bilder seinen Augen kaum, als er die Fotos auswertete: Was die Wärmebildkamera da mitten in der Nacht an seiner Rotwildfütterung im Bereich Thiersee fotografiert hat, ist weder Reh noch Hase. Es ist der Wolf! Jener Wolf, der seit über einem Jahr durch den heimischen Bergwald streift. Und es ist das erste Bild eines freilebenden Wolfes im bayerisch-tirolerischen Bergwald seit vielen Jahrzehnten.


Zusammen mit den Bären und Luchsen wurden die Wölfe in Bayern Mitte des 19. Jahrhunderts ausgerottet. Seither ist in Oberbayern 150 Jahre lang kein Exemplar mehr gesichtet worden. Das änderte sich im Dezember 2009 schlagartig, als gerissene Rotwildkadaver bei Bad Feilnbach, Kiefersfelden und Bayrischzell gefunden wurden und DNA-Tests bewiesen: Die Bisswunden stammen von einem Wolf.

Über ein Jahr lang ist der Wolf nun schon im Gebiet von Wendelstein und Rotwand unterwegs. Er stellt Rotwild nach und reißt Schafe – mal in Tirol, mal auf bayerischem Gebiet. Die toten Tiere waren bislang die einzigen „Dokumente“ für die Anwesenheit des Wolfes. Jetzt gibt es auch die ersten Fotos, die der Tiroler Jäger Herbert Gartner exklusiv unserer Zeitung zur Verfügung gestellt hat.


Die Aufnahmen stammen bereits vom 15. November, bemerkt hat Gartner die „Sensationsfotos“ aber erst jetzt. Grund: Einen Tag nach dem „historischen“ Wolfsbesuch an seiner Fütterung trat der Jäger eine längere Auslandsreise an. Erst als er wieder zurückkam, sah er sich die Bilder an. Laut Kameradisplay trottete Meister Isegrim genau um um 2.51 Uhr früh ins Bild. Turbulenter wäre es wohl geworden, wenn er ein paar Stunden früher dran gewesen wäre. Kurz vor Mitternacht fotografierte die Infrarotkamera nämlich einen Hirsch exakt an der gleichen Stelle. Die Aufnahmen hat Gartner schon mehreren Jägerkameraden gezeigt. Einhellige Meinung: „Das ist der Wolf.“

Den genauen Standort von Kamera und Fütterung will er nicht verraten. Nur so viel: „Die Fotos wurden im Bereich Thiersee/Brandenberg gemacht, etwa vier Kilometer südlich der Landesgrenze zu Bayern.“ Ganz in der Nähe hat der Wolf nach Angaben Gartners erst vor zwei Wochen erneut ein Stück Rotwild gerissen – schon das vierte im Bereich Thiersee.

Auf bayerischer Seite bezifferte Albert Göttle, Chef des Bayerischen Landesamtes für Umwelt, die Zahl der gerissene oder verletzten Tiere auf 19 Schafe sowie neun Stück Rotwild und ein Reh. Die Angriffe ereigneten sich im Gemeindebereich von Brannenburg, Bad Feilnbach, Bayrischzell, Aschau und Oberaudorf. Laut DNA-Auswertung gehen sie auf das Konto eines Rüden – also eines männlichen Wolfes – handelt, der nachgewiesenermaßen aus Italien stammt und über Graubünden in unsere Region zuwanderte. Vermutlich ist das Tier drei Jahre alt. „Auf einem Bild hebt er einen Haxn, da sieht man, dass es ein Rüde ist“, gibt es für Gartner keinen Zweifel: ,Der Wolf auf den Fotos ist der „Italiener“.

Jäger und Almbauern haben in Vergangenheit schon oft vor den Problemen gewarnt, die eine dauerhafte Präsenz des Wolfes mit sich bringt. Sie stellen die Frage, ob der Bergwald zwischen Tirol und Bayern dafür nicht zu dicht besiedelt ist. Dass das erste Bild des Wolfes ausgerechnet an einer Rehfütterung entstand, dürfte ihre Bedenken erhärten. Schließlich befürchten sie, das vom Wolf aufgeschreckte Rotwild könne große Schälschäden in den Wäldern anrichten.

Laut Martin Janovsky, Tierschutzbeauftragter des Landes Tirol, sind in Tirol seit September 2009 vier genetisch bestätigte Wolfsrisse registriert worden, die auf das Konto von zwei Wölfen gehen: Neben dem „Italiener“, der am liebsten zwischen Thiersee und Bad Feilnbach auf Beutejagd geht, gibt es im Bezirk Landeck noch eine Wölfin aus Nordosteuropa.

„Sie stammt aus Weißrussland, der Ukraine, Schweden oder Polen, aber definitiv nicht aus Kroatien oder Italien“, erklärte Janovsky gegenüber unserer Zeitung. An dem Gerücht, das Tier sei nicht zugewandert, sondern ausgesetzt worden, ist in den Augen Janovskys nichts dran: „Wölfe haben einen großen Aktionsradius, legen am Tag bis zu 100 Kilometer zurück.“

„Bayern ist Wolf-Erwartungsland“, sagt Albert Göttle. „Es wird mehr Wölfe in Tirol geben“, erklärt Janovsky. Möglicherweise geht es nun schneller, als die Experten vermuten. Schließlich sind es von Landeck bis Thiersee nur etwas mehr als 100 Kilometer (Luftlinie). Ob und wann sich ihre Wege kreuzen und eine Familie gegründet wird, weiß keiner. Wenn es so weit ist, hoffen die heimischen Jäger und Almbauern nur, dass der „Thiersee-Italiener“ dann zu ihr nach Landeck zieht – und nicht sie zu ihm.

von Ludwig Simeth/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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