Eggstätterin Jana Zeh gründete Selbsthilfegruppe für psychisch Kranke 

"Über seelische Gesundheit wird viel zu wenig gesprochen"

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Die 19-jährige Jana Zeh aus Eggstätt hat für Menschen mit psychischen Problemen die Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" ins Leben gerufen. 
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Eggstätt -  "Ich habe mein eigenes Päckchen zu tragen, aber ich habe gelernt, mir meine Krankheiten zu Eigen zu machen", sagt Jana Zeh. Die 19-Jährige hat 2017 die Selbsthilfegruppe "Ich bin nicht alleine" ins Leben gerufen. Die Geschichte einer starken jungen Frau, die mit ihren psychischen Problemen offen umgeht und sich für andere Menschen engagiert.

Alles begann mit einer Freundin, die Depressionen diagnostiziert bekam und außer mit Jana mit niemanden darüber sprechen wollte. Der ausschlaggebende Punkt für die junge Eggstätterin, selbst aktiv zu werden.

Die Idee, eine Selbsthilfegruppe zu gründen, die Menschen, die in einer Lebenskrise stecken oder mit psychischer Erkrankung zu kämpfen haben, unterstützt, war geboren. Über Facebook startete die 19-Jährige aus Eggstätt vor zwei Jahren einen anonymen Aufruf. Gerechnet hatte sie mit einer Handvoll Leute, die sich melden würde. Dass es am Ende 30 wurden überraschte Jana und freut sie aber auch gleichzeitig. "Wir haben ein gemeinsames Treffen ausgemacht - ein erstes Kennenlernen in ungezwungener Atmosphäre", erzählt Jana von den Anfängen ihrer Selbsthilfegruppe, die sich inzwischen fest etabliert hat. Kontakt aufnehmen kann man per Mail (ichbinnichtalleine@gmail.com).  

Janas Selbsthilfegruppe in Prien aber sollte sich nicht am Konzept bereits bestehender Gruppen orientieren: "Ich wollte etwas einzigartiges ins Leben rufen, entwickelte ein alternatives Konzept. Jeder kann, keiner muss - die Menschen sind ja nicht alle gleich."

Alle Störungsbilder, jedes Alter - ein bunter Mix 

Primär gehe es Jana darum, in einer innovativen Kleingruppe Zeit miteinander zu verbringen, Übungen und Rollenspiele sowie Ausflüge zu machen und gemeinsam den Umgang mit Konflikten zu trainieren. Viele Menschen nutzen Janas Gruppe "Ich bin nicht alleine" als Überbrückung, bis sie einen Therapieplatz gefunden haben - auch Angehörige können der Gruppe beiwohnen. "Ich unterstütze die Leute mit meinen eigenen Erfahrungen und wir tauschen uns auf Augenhöhe aus." Dabei agiert die Eggstätterin ganz flexibel: "Was nicht funktioniert oder ankommt, fliegt raus." Die Teilnehmer kommen mit den unterschiedlichsten Störungsbildern. Der Jüngste ist 17, der Älteste 57 Jahre alt - die meisten kommen aus der Region.

Herzblut steckt Jana auch in ihr Schulprojekt zur Aufklärung und Unterstützung von Betroffenen und Angehörigen mit psychischen Erkrankungen. Zusammen mit einem befreundeten Paar schult sie Lehrer und Schüler gleichermaßen, denn "die meisten Krankheiten entwickeln sich in der Schulzeit", ist sich die 19-Jährige sicher. Und: "Es ist wichtig, zu reden und gerade über die seelische Gesundheit wird viel zu wenig gesprochen." 

"Local Hero" Jana Zeh ausgezeichnet 

Ihr Engagement hat sich ausgezahlt: Einen Erfolg verbuchte Jana als Preisträgerin des "Com.mit"-Awards, Partner des deutschen Engagementpreises, den RTL in Kooperation mit der Bertelsmann-Stiftung vergibt. Der Award stand unter dem Motto "local heroes. Landleben läuft. Durch Dich." - Jana sicherte sich den 1. Platz und 2500 Euro Preisgeld, das natürlich in ihr Projekt floss.

Jana Zeh aus Eggstätt gewann mit ihrem Engagement für ihre Selbsthilfegruppe für psychisch Kranke bei "Local Heros Landleben" den 1. Platz. Im Bild von links nach rechts abgebildet: Nazan Eckes, Katja Burkard, Dr. Brigitte Mohn, Jana Zeh, Inka Bause, Lefloid. 

Jana hat selbst zahlreiche psychische Krankheiten, geht damit sehr offen um: "Ich litt unter Ess-, Angst- und postraumatischen Belastungsstörungen, habe die Persönlichkeitsstörung Borderline, die als sehr schwer heilbar gilt und mich wohl ein Leben lang begleiten wird und bekam erst kürzlich die Schmerzkrankheit Fibromyalgie diagnostiziert", erklärt die 19-Jährige mit einem Blick auf ihre Unterarme, die von Narben gezeichnet sind. 

Poetry-Slam hat der Eggstätterin geholfen, sich öffentlich zu ihren psychischen Krankheiten zu bekennen. Ihr "Mentalhealth-Blog" auf Instagram hat bereits über 2000 Abonnenten. 

Jana hat es geschafft, das Positive aus ihren Krankheiten zu ziehen, damit umzugehen: "Meine Depressionen sagen mir, wann ich mich übernehme und bremsen mich ein. Sie kommen manchmal auch willkürlich - aber ich habe gelernt, wie ich mir meine Krankheiten zu Eigen machen kann."

Natürlich gebe es auch Phasen, in denen es ihr schlecht gehe und manchmal, da wünsche sie sich, einfach wieder Kind zu sein, ohne Sorgen und Pflichten. Das hilft ihr dann mitunter, wieder neuen Mut zu schöpfen und weiterzumachen.

mb 

Quelle: rosenheim24.de

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