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Millionenschaden in Eggstätt

Gift im Eggstätter Grundwasser entsorgt: Verursacher (49) muss drei Jahre ins Gefängnis

Noch Jahrzehnte lang muss die Gemeinde Eggstätt das Grundwasser aufwendig beproben und mit Aktivkohle (in den Silos im Bildhintergrund) reinigen, auch das zuerst verseuchte Rückhaltebecken muss teuer grundsaniert werden. Bürgermeister Christian Glas hofft, dass die Gemeinde irgendwann finanzielle Unterstützung bekommt. re
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Noch Jahrzehnte lang muss die Gemeinde Eggstätt das Grundwasser aufwendig beproben und mit Aktivkohle (in den Silos im Bildhintergrund) reinigen, auch das zuerst verseuchte Rückhaltebecken muss teuer grundsaniert werden. Bürgermeister Christian Glas hofft, dass die Gemeinde irgendwann finanzielle Unterstützung bekommt. re

Knapp ein Jahr ist es her, dass Michael M. die Gemeinde Eggstätt ins Unglück stürzte. Indem er im Gewerbegebiet Natzing eine giftige, krebserregende und fruchtbarkeitsmindernde Substanz in den Gully laufen ließ, die ins Grundwasser gelangte. Er wurde gefasst und stand nun in Rosenheim vor Gericht.

Rosenheim/Eggstätt – Der Angeklagte gestand, dass er in Natzing Flüssigkeiten im Gully entsorgt habe. Allerdings habe es sich beim ersten Mal lediglich um destilliertes Wasser gehandelt, beim zweiten Mal, am Karfreitag 2021, sei es möglich, dass „geringste Mengen“ aus Löschstoff-Kapseln in das Wasser gelangt seien. „Völlig unerklärlich“ sei ihm, dem Brandschutztechniker, wie so hohe Mengen von Schadstoffen in die Kanalisation und ins Grundwasser gelangt seien.

Rest im Container hätte schon gereicht

Der Gutachter, Diplom-Biologe Peter Niesselbeck, erklärte: „Bereits der überprüfte Rest in dem Container, der von der Polizei sichergestellt worden war, reichte aus, um die vorhandenen Wasserprobleme zu verursachen.“ Eingestandenermaßen hatte Michael M. aber je 300 Liter entsorgt.

Niesselbeck konnte dem anwesenden Eggstätter Bürgermeister Christian Glas keine Hoffnung auf baldige Besserung der Lage machen: Weil weder Richtung noch Fließgeschwindigkeit des Grundwassers vorhergesagt, geschweige denn kontrolliert werden könne, „muss noch auf Jahrzehnte hinaus das Grundwasser kostenintensiv kontrolliert und gegebenenfalls mit Aktivkohle gereinigt werden.“

Alleine bis jetzt wurde mit diesen Filtern 700 Gramm der hochgiftigen Substanzen heraus gefiltert. Bei manchen Bestandteilen wurde der zulässige Grenzwert um das 28-fache überschritten. „Das unterstreicht, dass es sich bei den illegal entsorgten Flüssigkeiten keinesfalls um minimal belastetes Wasser gehandelt hat“, so Niesselbeck. Er betonte, dass die schnelle Reaktion vor allem der Gemeinde, aber auch von Polizei, Landratsamt und Laboren größeren Schaden vermieden hätte.

Sachverständiger widerspricht dem Angeklagten

Der 49-jährige Angeklagte versuchte, die Chemikalien mit einem früheren Brand im Gewerbegebiet zu erklären. Dem widersprach der Sachverständige energisch: „In solchen Fällen ist die erste Tätigkeit von Feuerwehren, vorhandene Kanalöffnungen zu verschließen. Das kann man ausschließen. Vielmehr deutet die Intensität der Verseuchung auf intensivste Verklappung in der jüngeren Zeit hin“.

Der Staatsanwalt erklärte, dass es sich hier um einen besonders schweren Fall handle, Michael M. habe zu jeder Zeit gewusst, dass er eine Straftat begehe. Selbst wenn er sich um die Tragweite nicht bewusst gewesen sei, habe er die Gewässerverunreinigung und damit Schaden an der Gesundheit von Menschen, Fauna und Flora billigend in Kauf genommen. Er beantragte eine Haftstrafe von drei Jahren und vier Monaten.

Verteidigerin Gabriele Sachse verwies darauf, dass ihr Mandant mit Schäden in diesem Ausmaß sicher nicht gerechnet habe. Sie beantragte eine Strafe von zwei Jahren und sechs Monaten.

Richterin Melanie Bartschat erklärte dem Angeklagten, dass kein Mensch an einem Sonntag Abend oder an einem Karfreitag zehn Kilometer zu einem Gully fährt um Wasser zu entsorgen. „Sie haben mit ihrer illegalen Aktion der kleinen Gemeinde Eggstätt gewissermaßen das Genick gebrochen. Den finanziellen Schaden können und werden Sie in diesem Leben nicht mehr gutmachen.“ Nur um 1000 Euro für eine korrekte Entsorgung zu sparen habe er einen Millionenschaden verursacht.

Grundsanierung des Rückhaltebeckens

2,4 bis 2,5 Millionen Euro bisher, präzisiert Bürgermeister Christian Glas. Eine Million ist schon ausgegeben, das Rückhaltebecken muss noch für 800.000 Euro grundsaniert werden, die kostspieligen Proben laufen ebenso weiter wie die Säuberung des verunreinigten Wassers. „Der Schaden, den der Mann angerichtet hat, ist so hoch wie die Baukosten für unseren neuen Kindergarten“, so Glas. Dort habe die Gemeinde schon den Keller aus dem Bauplan gestrichen, „das Geld brauchen wir dringend an anderer Stelle.“

Denn finanzielle Unterstützung gab es für die kleine Gemeinde mit 2900 Einwohnern bisher so gut wie nicht. Eggstätt müsse jetzt Michael M. zivilrechtlich verklagen, um überhaupt eine Chance zu haben, an eine Sonderzahlung nach dem Finanzausgleichsgesetz zu kommen, so Glas. Der auch am Tag nach der Verhandlung fassungslos über die Aussagen des Angeklagten war. „Er hat immer von destilliertem Wasser gesprochen, das ihm sogar Klärwerke abgenommen hätten. Wenn das der Fall ist, dann haben jetzt auch andere Gemeinden Probleme.“

Was Glas, aktiver Feuerwehrmann, nicht versteht: Warum jemand, der Feuerlöscher prüft und wartet, nicht die ordnungsgemäße Entsorgung der anfallenden Schadstoffe nachweisen muss. Mit der Verurteilung Michael M.s zu drei Jahren Haft kann er leben, aber „es ist ein Debakel, was der Kerl angerichtet hat.“

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