Diakonie übernimmt auch Schloßberg

Stephanskirchen – Der Gemeinderat Stephanskirchen hat jetzt auch den letzten Schritt zur angekündigten Beendigung der Zusammenarbeit mit dem Verein Kinderarche vollzogen:

Einstimmig stärkte er Bürgermeister Rainer Auer bei der Entscheidung, auch in Schloßberg die Schulkinderbetreuung in die Hände der Diakonie zu legen, den Rücken.


Für die Eltern werden sich keine wesentlichen Änderungen ergeben: Auch die Diakonie wird eine verlängerte Mittagsbetreuung mit Essen, Hausaufgabenhilfe und Freizeitgestaltung anbieten. Es bleibt bei den Öffnungszeiten, Zusatzangebote wie die Ferienbetreuung werden aufrecht erhalten - auch, weil es ausdrücklicher Wunsch des Gemeinderates ist, dass es keine Verschlechterungen bei den vom Verein Kinderarche gesetzten hohen Standards geben soll. Auch das Personal der Arche wird zu den alten Konditionen übernommen, versprach Markus Schmidt als Vertreter des neuen Trägers Diakonie. Die Kommune hält an ihren Neubauplänen für die Kindertageseinrichtung in Schloßberg fest.

Alles beim Alten? Mitnichten: Denn in Stephanskirchen geht mit der Entscheidung des Gemeinderates eine intensive Ära örtlicher Vereinsgeschichte zu Ende. Der vor zwölf Jahren gegründete Verein Kinderarche, entstanden aus einer Elterninitiative, wird zum neuen Schuljahr 2011/2012 an beiden Standorten in Stephanskirchen und Schloßberg seine Arbeit beenden. Die Fraktionen hielten sich in der entscheidenden Sitzung nicht erneut mit einer Aufarbeitung der Geschehnisse, die zum Zerwürfnis mit dem Verein geführt hatten, auf.


Wie mehrfach berichtet, hatten große Kommunikationsprobleme zur Entscheidung des Bürgermeisters, die Zusammenarbeit einzustellen, geführt. Ein vertrauensvolles Miteinander war nach Angaben von Auer nicht mehr möglich gewesen. Ein letztes Mal verfolgte der Vereinsvorstand die Beratungen in eigener Sache im Gemeinderat und verließ nach dem einstimmigen Votum der Fraktionen für den Wechsel zur Diakonie schweigend den Sitzungssaal.

Die Entscheidung für das Diakonische Werk, das bereits an 70 Schulen Betreuungsangebote unterbreitet, fiel dem Gemeinderat leicht. Die Übergabe ermöglicht es, die Schulkinderbetreuung in ganz Stephanskirchen ab dem Schuljahr 2011/2012 in eine Hand zu legen: Mit der Diakonie, die bereits die offenen Ganztagsangebote an der Hauptschule durchführt, steht nun ein Ansprechpartner für Eltern, Gemeinde und Schulleitungen zur Verfügung. Das Durcheinander verschiedener, auch konkurrierender Träger findet damit ein Ende. Die Bündelung in einem Arbeitgeber ermöglicht nach Überzeugung des Bürgermeisters auch mehr Flexibilität - beim Einsatz des Personals und bei der Organisation gemeinsamer Projekte wie der Ferienbetreuung.

Diakonievertreter Schmidt zeigte dem Gemeinderat erstmals ein pädagogisches Konzept für die zukünftige Schulkinderbetreuung in Stephanskirchen und Schloßberg auf. Im Mittelpunkt steht ein neuer Bildungsbegriff, der mit einem ganzheitlichen Bildungsauftrag verbunden wird. "Hand und Kopf" sollen weiterentwickelt, auch soziale Werte und Fähigkeiten vermittelt werden. Für die Kinder werde nach Schulschluss ein Schonraum geboten, in dem sie individuell gefördert würden. Jeder Schüler werde "in einem von ihm erreichbaren Abstand in Empfang genommen", unterstrich Schmidt das Bemühen um Weiterentwicklung der Stärken.

Außerdem fühle sich die Diakonie dem Prinzip der Pädagogin Anna Tardos verpflichtet: "Man sieht mich und ich sehe Dich", will heißen: Kinder sollen als Individuum wahrgenommen werden - auch in einer Einrichtung, in der um die Mittagszeit ein Kommen und Gehen vorherrscht. Kinder, die länger angemeldet werden, absolvieren hier Studierzeiten für die Hausaufgaben und erhalten eine strukturierte Freizeitbetreuung in einer festen Gruppe, berichtete er. Eltern würden nicht aus ihrer Erziehungsverantwortung entlassen, sondern intensiv einbezogen und unterstützt, versprach Schmidt.

duc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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