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OVB-Serie „Landwirtschaft im Wandel“ – Folge 10

Der Traum von Bio: Fabian Pöschl aus Albaching will seinen Bauernhof umstellen

Fabian Pöschl aus Albaching hat eine Hunderte Seiten dicke Meisterarbeit über die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Biolandwirtschaft geschrieben. Die Kuh im Bild findet sie auch interessant.
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Fabian Pöschl aus Albaching hat eine Hunderte Seiten dicke Meisterarbeit über die Umstellung von konventioneller Landwirtschaft auf Biolandwirtschaft geschrieben. Die Kuh im Bild findet sie auch interessant.

Von konventioneller Landwirtschaft auf Bio umzustellen, bedeutet viel Arbeit. Fabian Pöschl aus Albaching weiß das. Warum der 22-Jährige den Wechsel trotzdem durchziehen will, haben wir ihn für die zehnte Folge der Serie „Landwirtschaft im Wandel“ gefragt.

Rosenheim – Fabian Pöschl ist jemand, der zukunftsorientiert denkt. Das merkt man an der Art, wie der 22-Jährige über seinen Hof spricht, den er gemeinsam mit seinen Eltern in Albaching konventionell bewirtschaftet. 60 Kühe, 50 Hektar, drei Leute: Viel Arbeit für jeden, aber irgendwann wird das nicht mehr reichen.

Will ein Betrieb trotz immer mehr Auflagen und sinkenden Preise bestehen und wirtschaftlich erfolgreich sein, muss er zwangsläufig größer werden. Das wissen viele Landwirte im Landkreis und die Pöschls wissen es auch. „Meine Eltern und ich wollen in Zukunft aber nicht unbedingt nur wachsen. Es geht darum, wie man den Betrieb anderweitig entwickeln kann“, sagt er.

Meisterarbeit über Thema Bio geschrieben

Pöschl hat Landwirt gelernt und seinen Meister gemacht. Jetzt will er noch die Höhere Landbauschule besuchen, um Agrarbetriebswirt zu werden. Alles, um sich so breit wie möglich für die Zukunft aufzustellen. Denn die will er auf seinem eigenen Biobetrieb verbringen.

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Die Idee hat er schon lange im Kopf. Der 22-Jährige beschäftigte sich in der Landwirtschaftsschule eineinhalb Jahre damit und schrieb am Ende seine Meisterarbeit über das Thema. Pöschl analysierte den Betrieb seiner Eltern, wälzte Zahlenberge in Bilanzbüchern und überlegte, was man auf dem Hof verbessern könnte. „Dann hab ich geschaut, ob und wie die Umstellung auf Bio funktionieren kann.“

Chemischer Pflanzenschutz ist verboten

Sein Befund: Funktionieren könnte es durchaus. Die Pöschls verfügen über ausreichend Land, sodass sie die Futterproduktion für ihre Tiere sicherstellen können. Denn ohne chemischen Pflanzenschutz und Mineraldünger, die in der Biolandwirtschaft nicht erlaubt sind, würden die Erträge zurückgehen, sagt Pöschl.

Außerdem müsste er die Fruchtfolge auf seinen Feldern ändern: Weniger Mais anbauen, dafür mehr Kleegras und Leguminosen (zum Beispiel Erbsen und Bohnen). Das Unkraut, das auf den Äckern wächst, könnte er nicht mit chemischen Mitteln vernichten.

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Bleibt der mechanische Weg mit de sogenannten Hackstriegel. Ein Traktor zieht die Maschine, an der lange Zinken befestigt sind, über den Boden. „Das ist aufwendiger. Hier brauche ich drei Durchgänge und Spritzen muss ich nur einmal“, sagt Pöschl. Macht er bei der Arbeit Fehler, zum Beispiel bei der Ernte, wäre es schwieriger, diese „auszubügeln“. Eben weil viele Regeln – wie bei Düngemitteln – einfach strenger sind als im konventionellen Bereich.

Eine „Bio“-Übersicht für die Region Rosenheim.

Biokonformen Stall gebaut

Striktere Vorschriften gelten auch im Umgang mit Tieren. Mehr Platz, Liegeboxen und die Möglichkeit, zur Weide zu gehen, sind nur ein paar davon. Auf dem Hof der Pöschls leben die Tiere schon seit mehr als zwei Jahrzehnten in einem Laufstall. Kürzlich ist ein Außenklimastall hinzugekommen, um den Kühen noch mehr Raum zu geben. Er schließt an alten Stall an und ist bis auf das Dach völlig offen. „Der ist schon biokonform, weil wir uns diese Möglichkeit einfach offen halten wollen.“

Entscheidet sich Pöschl letztlich dafür, seinen Hof auf Biolandwirtschaft umzustellen, bräuchte er rund eineinhalb Jahre dafür. Erst sind die Flächen dran, dann die Tiere. Die Kühe müssten sich erst an die Weide gewöhnen und grasen lernen, erklärt er und streichelt einer Kuh über den Kopf. Denn bis jetzt bekommen sie ihr Futter bequemerweise direkt vor die Schnauze auf den Futtertisch im Stall gekippt.

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Ein landwirtschaftlicher Betrieb sei ein System mit festen Abläufen, sagt Pöschl. „Das schmeißt man durch die Umstellung erstmal komplett durcheinander.“ Davon will er sich aber nicht abschrecken lassen. Im Gegenteil. Es hat etwas von dieser „Jetzt-erst-recht“-Mentalität, als er sagt: „Ich sehe Bio als gute Möglichkeit, dass der Betrieb zukunftsfähig wird.“

Preis für Biomilch ist relativ stabil

Um umzustellen, müsste er rund 80.000 Euro investieren. Er ist bereit dazu – aber nur, wenn eine Molkerei ihm seine Milch abnimmt. Das Problem: „Der Markt ist gesättigt. Manche Molkereien haben Wartelisten mit mehr als 100 Höfen“, sagt er. „Da braucht man vor der Umstellung eine sichere Zusage.“

Der Preis für Biomilch schwankt laut Pöschl übers Jahr verteilt nicht so stark wie der für konventionell erzeugte Milch. Für ein Kilogramm Biomilch bekommt ein Landwirt im Moment rund 50 Cent. Dieser Preis spiegelt auch die Wertschätzung für die Arbeit von Biobauern wider, findet er. „Man merkt auch, dass das ein ganz anderes Bild nach außen macht – Biobetrieb zu sein.“

Ob das seine Zukunft sein soll, entscheidet er nächstes Jahr. „Langweilig wird‘s nicht“, sagt Pöschl und grinst. Wie aus Zustimmung schleckt ihm eine Kuh über die Jacke.

Zahlen, Daten und Fakten zur Biolandwirtschaft in der Region:

2020 hat es 447 Biobetriebe in der Region Rosenheim gegeben. Das bedeutete: Jeder siebte Betrieb war ein Biobetrieb. 17 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche wurden „ökologisch“ bewirtschaftet. Für 1990 gibt es keine verlässlichen Zahlen, heißt es aus dem Rosenheimer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Bayern ist laut dem Landwirtschaftsministerium mit aktuell rund 11000 Biobetrieben Spitzenreiter in Deutschland. Stellt ein Betrieb auf Bio um, fördert das der Freistaat. Außerdem gibt es höhere Flächenprämien als für konventionelle Betriebe, um einen Anreiz zu schaffen, bei dieser Form zu bleiben. Josef Bodmaier, Kreisobmann und seit rund 20 Jahren Biobauer, hält das für gerechtfertigt. Bioflächen zu bewirtschaften, sei immerhin aufwendiger. Der Trend, auf diese Form der Landwirtschaft überzugehen, habe in den Neunzigern begonnen. „Biolandwirtschaft wächst, aber sie floriert in Abschnitten“, sagt er.

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