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„Handeln statt Jammern ist das Gebot“

Das sind die Wünsche der Kreisgruppe Rosenheim des BUND Naturschutzes zum 50. Geburtstag

Rainer Auer, Vorstand der BUND-Kreisgruppe, wollte sich auf der Jubiläumsfeier nicht auf alten Erfolgen ausruhen. Im Hintergrund die „Neurosenheimer“ die den Jubiläumsabend musikalisch begleiteten.
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Rainer Auer, Vorstand der BUND-Kreisgruppe, wollte sich auf der Jubiläumsfeier nicht auf alten Erfolgen ausruhen. Im Hintergrund die „Neurosenheimer“ die den Jubiläumsabend musikalisch begleiteten.

Jubiläen zum 50-jährigen Bestehen sind oft die Gelegenheit, um die Vergangenheit Revue passieren zu lassen und sich selbst für das Erreichte einmal ordentlich zu feiern. Nicht so bei der Kreisgruppe Rosenheim des BUND Naturschutzes, die am Samstag in Rohrdorf ihren Geburtstag feierte.

Rosenheim – Jubiläen zum 50-jährigen Bestehen sind oft die Gelegenheit, um die Vergangenheit Revue passieren zu lassen und sich selbst für das Erreichte einmal ordentlich zu feiern. Nicht so bei der Kreisgruppe Rosenheim des BUND Naturschutzes, die am Samstag in Rohrdorf coronabedingt ihren 50. Geburtstag im nunmehr bereits 51. Jahr feierte.

Rainer Auer, der Vorstand der Kreisgruppe, sagte den rund 110 Festgästen, es gäbe natürlich sehr wohl eine Chronik über die vergangenen Jahrzehnte, doch anstatt sie vorzutragen und damit in die Vergangenheit abzutauchen, stelle er lieber die Felder vor, auf denen der BUND Naturschutz derzeit aktiv sei – und Personen, die mit diesen Aktivitäten verbunden seien.

Vieles erreicht und noch mehr zu tun

Fünf Bereiche seien das vor allem: Natürlich der Schutz der Biotope und auch der Amphibien, daneben aber vor allem die fachlichen Stellungnahmen zu aktuellen Umweltfragen, das ganze Feld der Umweltbildung und schließlich, aber nicht zuletzt, die politische Arbeit.

Warum gerade diese politische Arbeit – und in ihrer Vorstufe die Umweltbildung – wichtig ist, stellte Andrea Burgmaier, die stellvertretende Landrätin in ihrem Grußwort heraus. Entscheidungen, die Klima und Umwelt beträfen, seien so gut wie immer ein Spagat zwischen mindestens zwei Interessenlagen, von denen jede für sich durchaus triftige ökologische Argumente anführen könne.

Windkraft sei da ein gutes Beispiel, großflächige Photovoltaikanlagen ebenfalls. Sie sind die Möglichkeiten um uns in Sachen Energieversorgung von fossilen Erzeugungsmethoden abzukoppeln und damit – gerade auch in der jetzigen politischen Lage – etwas mehr Unabhängigkeit zu verschaffen. Andererseits ist jede dieser Anlagen ein Eingriff in Natur und Umwelt – die komplette Verspargelung und Verspiegelung unserer Landschaft kann, so Andrea Burgmaier, auch kein erstrebenswertes Ziel sein. Ähnlich sei es mit dem Brenner Nordzulauf. Dass der Verkehr auf die Schiene solle, darüber bestehe prinzipielle Einigkeit, doch dem stehe im Inntal ein bereits hochbelasteter Verkehrskorridor in einer schützenswerten Landschaft gegenüber. Hier taugliche Kompromisse zu finden, sei ein zähes und mühsames Geschäft, bei dem es wichtig sei, dass Natur und Umwelt eine fundierte und sachlich orientierte Lobby zur Seite stünde, eben auch der BUND Naturschutz.

Für Professor Hubert Weiger, den Ehrenvorsitzenden des Bund Naturschutzes in Bayern, wie auch für Martin Geilhufe, den Landesbeauftragter des BUND Naturschutz ist diese spezielle „Lobby-Arbeit“ derzeit wichtiger denn je. Professor Weiger befürchtete in seiner Rede, dass vieles, was man in Sachen Umwelt- und Klimaschutz als bereits erreicht ansah, in der derzeitigen Krisenlage wieder zurückgenommen werden könnte. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten viel geschafft“, sagte er, „Ein Begriff wie ökologischer Landbau, der früher als Spinnerei einiger Weniger abgetan wurde, ist gedankliches Allgemeingut geworden“. Trotzdem gehe man hier immer noch auf dünnem Eis: Die derzeitige Krisensituation mache die Menschen bereit, zu leicht auf Erreichtes zu verzichten.

Genau das sei aber der falsche Weg, so Professor Weiger. Es gelte gerade jetzt, gemeinsam und couragiert grundlegende Fragen zu stellen: Wie kommen wir aus der Spirale des ständigen Wachstums als Grundlage unserer Wirtschaftsgesellschaft heraus? Entscheidend sei dabei, dass sich möglichst viele Einzelne nicht nur an diesen Überlegungen, sondern auch an konkreten Maßnahmen beteiligten, etwa durch Gründung von Bürgerenergiegenossenschaften: Bürgerengagement sei gefragt. Allerdings setze das voraus, dass von den Verwaltungen auf allen Ebenen auch Rahmenbedingungen im Sinne einer „bürgerorientierte Qualitätsplanung“ geschaffen würden.

Politiker sindwie Schwammerl

Dennoch, so Professor Weiger: „Wir haben das Potenzial, wir haben die Ideen, wie haben die Menschen, die sie umsetzen können“. Handeln statt Jammern sei das Gebot der Stunde. Wie wichtig auch bei grundsätzlichen politischen Fragen die konkrete Arbeit an der Basis ist, machte Kreisvorstand Rainer Auer mit einem Vergleich deutlich. Der Schwammerl, den man an der Oberfläche sehe, sei nur der Fruchtkörper eines viel größeren Lebewesens, das sich unter der Erdoberfläche befinde. Politiker und andere Entscheidungsträger seien sozusagen der sichtbare Schwammerl, die aber genährt und getragen würden von ihrem „Darunter“ und von dort auch mit Impulsen versorgt. Und wenn diese Tatsache auch bisweilen von dem einen oder andern Schwammerl vergessen würde, auf Dauer käme keiner an einer fundierten Willensbildung der Basis vorbei.

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