Circus Feraro in Brannenburg

Sterben die kleinen Familien-Zirkusse aus?

+
Der Zirkusdirektor und seine Hauptartistin
  • schließen

Brannenburg - Auch heuer hat der Circus Feraro sein Winterlager wieder in der ehemaligen Karfreitkaserne aufgeschlagen. Mit welchen Problemen Artisten heute kämpfen:

Hermann Schmidt blickt auf eine schwarze Saison im Circus-Gewerbe zurück. Ein Viertel der geplanten Auftritte mussten in diesem Jahr hauptsächlich wetterbedingt abgesagt werden. So hatte der Direktor des kleinen Familien-Circus Feraro im Sommer mit dem Hochwasser zu ringen. Neben Schäden an der eigenen Ausrüstung, den Zelten und den Fahrzeugen, kämpfte die Circus-Familie im vergangenen Jahr hauptsächlich mit der Tatsache, dass viele Festplätze in Bayern schlichtweg nicht bespielbar waren. Und auch nach den Überflutungen mussten Mensch und Tier mit der folgenden Mückenplage zurecht kommen.

Leere Plätze in der Manege

Über das kürzlich bezogene Winterlager in Brannenburg sei die Familie um Oberhaupt Hermann Schmidt sehr froh. Beim Inhaber des ehemaligen Kasernen-Geländes, Wolfgang Endler, und seiner Lebensgefährtin Helene Mayer wolle er sich auf jeden Fall riesig bedanken. Auch der Kontakt zum Bürgermeister der Gemeinde Brannenburg sei gut. Betrübt zeigte sich der Direktor hingegen über das Bild in der Bevölkerung. "Die Zange dreht sich weiter zu," antwortet Schmidt auf die Frage nach der Akzeptanz und dem Anklang bei den Besuchern. "Manchmal spielen wir nur vor zehn bis fünfzehn Gästen. Eine Vorstellung ausfallen zu lassen, kommt für uns nicht in Frage."

Archivvideo des Circus Feraro

Der Circus verzichtet völlig auf Raubtiere und andere exotische Arten, man wolle ein "Circus zum Anfassen" sein, in dem Kinder den Kontakt mit Tieren spielerisch erleben können. Nur ein paar Schlangen scheren aus diesem Grundgedanken aus. Aber selbst diese Reptilien sind absolut handzahm, ergänzt der Direktor. Hier gehe keine Gefahr für die Besucher aus. "Die Tiere haben es gut bei uns, wir dressieren mit viel Liebe und nicht mit der Peitsche," so Schmidt weiter, weshalb er auch die Kritik mancher Tierschützer nicht nachvollziehen könne. Die 40 Tiere; Ponys, Pferde, Lamas, Ziegen, Tauben, Hunde und Hühner seien schließlich ein unverzichtbarer Teil der Großfamilie, ohne deren Beitrag man ja keine Vorstellung spielen könne.

Die Kleinsten der Circus-Familie

"Aufgrund der schlechten Saison sind wir nun leider auf Spenden aller Art angewiesen," fügt Circus-Direktor Hermann Schmidt hinzu. "Wir gehen aber keines Falls betteln oder hausieren." Futter für die Tiere stehe dabei ganz oben auf der Liste. Selbstverständlich stehe man auch während der Winterzeit mit vielen verschiedenen Nummern für Feste und Feiern zur Verfügung. Interessierte können sich jederzeit unter 0160/6500175 oder im Internet unter www.circus-feraro.de informieren.

"Ein guter Oldtimer"

"Der Circus der alten Schule hat in der heutigen Welt einfach einen schweren Stand," fasst der Direktor seine Problemlage zusammen. Feraro sei nunmal ein einfacher Circus, mit den großen im Geschäft könne man schlichtweg nicht mithalten. Wichtig sei es, die Zuschauer wieder in die Manege zu locken, sie für den Geruch von Popcorn, Sägemehl und Tieren zu begeistern. Der Circus habe nach wie vor seine Existenzberechtigung. "Live und in Farbe" sei mit der Unterhaltung aus der Dose gar nicht vergleichbar.

Fotos aus dem Winterlager in Brannenburg 2012

Zirkus überwintert in Karfreitkaserne

"Wie ein guter Oldtimer, doch auch der braucht Pflege," fasst Schmidt zusammen. Berührungsängste gäbe es bei Artisten nicht, jeder sei herzlich eingeladen, in Brannenburg vorbeizukommen und sich selbst ein Bild zu machen. 

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Landkreis Rosenheim

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT