Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für . Danach können Sie gratis weiterlesen.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf
  • Jetzt für nur 0,99€ im ersten Monat testen
  • Unbegrenzter Zugang zu allen Berichten und Exklusiv-Artikeln
  • Lesen Sie nahezu werbefrei mit aktiviertem Ad-Blocker
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Auch die Natur braucht Erholung

Bin ich denn schon drin? Welche Ruhezonen am Chiemsee tabu sind

Auch das Schilf an zwei Stellen der Schafwaschener Bucht hat Bedarf nach Schutz.
+
Auch das Schilf an zwei Stellen der Schafwaschener Bucht hat Bedarf nach Schutz.

Darf man mit dem SUP ans Ufer der Herreninsel fahren? Eigentlich sollten die Regeln am Chiemsee klar sein. Aber nicht jeder weiß Bescheid. Das sind die dramatischen Folgen für die Natur.

Prien/Traunstein – Mit knapp 80 Quadratkilometern Fläche sollte es eigentlich genügend Flecken für alle Wassersportler geben, ohne dass man in die geschützten Zonen fahren muss. Offensichtlich nicht, zum Ärger vieler Naturschützer: Allein an einem Sonntagnachmittag vor einer Woche stellte die Wasserschutzpolizei Prien acht Verstöße in den Ruhezonen am Chiemsee fest.

In die markierten Bereiche dürfen weder Paddler noch motorisierte Boote hineinfahren oder ankern. Klinger

Sowohl ganzjährige als auch befristete Ruhezonen hat das Chiemseeufer: am Greamandlweiher bei Rimsting, im nördlichen und östlichen Aiterbacher Winkel in der Schafwaschener Bucht sowie am westlichen Kailbacher Winkel. Außerdem sind auf der Herreninsel große Teile des Ufers geschützt. Auch in Seebruck sind weite Teile des Ufers Ruhezonen, ebenso der Rottspitz zwischen Übersee und Felden. Verboten ist hier generell das Fahren mit Wasserfahrzeugen. Und zwar nicht nur beschränkt auf motorisierte, sondern auch Kajaks oder sogenannte Stand-Up-Paddles (SUPs), die in den vergangenen Jahren große Popularität erfahren haben, sind verboten.

Rückzugsräume für Fische und Vögel

Und genau die machen Dirk Alfermann, Gebietsbetreuer im Landratsamt Traunstein, Sorgen. Auch wenn der Chiemsee sich mit seinem Ufer über zwei Landkreise erstreckt, zählt der Chiemsee zum Landkreis Traunstein und wird von dessen Landratsamt verwaltet. „Aufgrund des immer stärker zunehmenden Freizeitbetriebes sind entsprechende Rückzugsräume für Vögel und Fische von immer größerer Bedeutung geworden“, sagt Alfermann im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Wobei es ihm nicht darum gehe, die Sportler und Freizeitgäste vollkommen auszuschließen: „Ein wesentliches Ziel dieser Ruhezonen ist es, ein Nebeneinander von Wassersportlern und Natur, vor allem Vögeln und Fischen weiterhin zu ermöglichen.“

Schilfbestand rückläufig

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, was sie an einem geschützten Ufer anrichten können. Einerseits gehe es um Fischarten, deren Jungfischbereiche und Laichhabitate Ruhe brauchen. Andererseits brauchen Wasservögel Rückzugsräume während der Brut-, Mauser- und Durchzugszeit, aber auch während der Überwinterung, erklärt Alfermann.

Es gebe aber noch ein weiteres Ziel: Denn der Schilfbestand am Chiemsee ist rückläufig und braucht allein schon deshalb Schutz. Wenn Boote eindringen, knicken die Halme um und Wasser dringt ein.

Mit Folgen auch für die Tiere: „Wenn diese absterben und dauerhaft verschwinden, verlieren Vögel Brusthabitate und Fische ihre Laichgründe.“ Jungfische haben in dem Fall keine Rückzugsräume mehr und Vögel könnten schlimmstenfalls aufhören, zu brüten.

„Mausernde Vogelarten (Arten, die regelmäßig Federn abwerfen und erneuern, Anm. d. Red.), die in dieser Zeit flugunfähig sind, werden massiv gestresst“, erklärt Alfermann. Ein bisschen Stress für Vögel, ist das wirklich so schlimm? „Dies kann letztendlich die körperliche Fitness einzelner Individuen massiv negativ beeinflussen“, sagt der Umweltexperte. Zumal auch überwinternde Vogelarten, durch fehlenden Schilf den mehrere Tausend Kilometer weiten Weg in ihre Brutgebiete nicht mehr zurücklegen können und dann auf dem Rückzug verenden.

Karten und Bojen weisen hin

Übersehen kann man die Ruhezonen eigentlich nicht. „Erstens sind auf jeder Karte und jedem Flyer die Ruhezonen eingezeichnet“, erklärt Thomas Schmidbauer von der Wasserschutzpolizei.

Zweitens seien die Zonen auch vor Ort markiert: „Zum Beispiel sind an der Herreninsel Bojen, die deutlich darauf hinweisen, dass man dort weder ankern, noch reinfahren darf.“ Viele Paddler fühlen sich davon aber nicht angesprochen, weil sie davon ausgehen, dass dies nur für Boote mit Motor gelte, sagt der Polizeihauptmeister. Bootsführer ankern oft auf der Bojenlinie oder direkt an der Boje, die dabei kaputt gehen kann, erzählt der Polizist.

Auf jeder Streifenfahrt

Kontrolliert werde bei jeder Streifenfahrt. Es komme nicht jeden Tag vor, bei schönem Wetter aber umso häufiger, dass die Wasserschutzpolizei Eindringlinge in den Ruhezonen erwische. „Die meisten reagieren sehr verständnisvoll“, sagt Schmidbauer. Aber es gebe auch Menschen, die das nicht verstehen. Er berichtet von einem Mann, der der Polizei dazu geraten habe, „echte Verbrecher zu fangen“ und dabei noch extra aufs Schilf trampelte. „In dem Fall werden bis zu 150 Euro fällig“, sagt Schmidbauer. In der Regel sei die Strafe mit einem Parkverstoß vergleichbar.

Absolutes Betretungsverbot im Achendelta

Mitten im touristisch bestens erschlossenen Chiemgau liegt ein Fleck, wo niemand hin darf: das Achendelta zwischen Feldwies und Grabenstätt. „Es besteht ein absolutes Betretungsverbot“, sagt Dirk Alfermann, Gebietsbetreuer am Landratsamt Traunstein.

Laut Pressestelle im Landratsamt Traunstein gibt es jedoch einige wenige Ausnahmen: Berufsfischer dürfen in das Gebiet, wobei ein Großteil auf sein Fischereirecht im Schutzgebiet verzichte. Außerdem dürfen Vertreter der Bayerischen Staatsforsten ins Delta, die jedoch in der Kernzone keine Forstwirtschaft betreiben und zur Bejagung des Wildes lediglich den landseitigen Randbereich der Kernzone betreten.

Seltene Ausnahmen

Nur bei „notwendigen und unaufschiebbaren Unterhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen“ dürfen auch Vertreter anderer staatlicher Behörden ins Delta. Sogar die Fachexperten des Landratsamtes dürfen lediglich „im Rahmen der zur Erhaltung der Funktionsfähigkeit des Schutzgebietes notwendigen und von den Naturschutzbehörden angeordneten oder zugelassenen Überwachungs-, Schutz- und Pflegemaßnahmen“ das Gebiet betreten.

Zufällig reinstolpern, das kann eigentlich nicht passieren: Schilder und Bojen weisen ausdrücklich auf das Gebiet hin, sodass die durch vielfältige Biotopstrukturen mit seltenen und gefährdeten Pflanzen- und Tierarten geschützt werden.

Kommentare