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Bundestagswahl 2021 – Wahlkreis Rosenheim (222)

Die Direktkandidaten im großen OVB-Check: Daniela Ludwig (CSU)

Bundestagswahl 2021: Daniela Ludwig tritt für die CSU als Direktkandidatin im Wahlkreis Rosenheim an.
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Bundestagswahl 2021: Daniela Ludwig tritt für die CSU als Direktkandidatin im Wahlkreis Rosenheim an.

Am 26. September ist Bundestagswahl. Im Wahlkreis Rosenheim treten zwölf Kandidaten für das Direktmandat an. Hier stellen sie sich den Menschen in der Region vor, nehmen zu aktuellen politischen Themen Stellung und beantworten persönliche Fragen. An dieser Stelle: Daniela Ludwig (CSU).

Hinweis in eigener Sache: Unsere Redaktion hat allen Kandidaten die gleichen Fragen gesendet. Wir haben es den Kandidaten überlassen, auf welche Fragen sie wie ausführlich antworten. Wir veröffentlichen die Antworten ungekürzt. Sprache und Inhalt liegen ausschließlich in Verantwortung der Kandidaten. Die Redaktion macht sich keine der Aussagen zu eigen.

Steckbrief Daniela Ludwig

  • Partei: CSU
  • Alter: 46 Jahre
  • Wohnort: Kolbermoor
  • Erlernter Beruf: Juristin
  • Mandat: im Bundestag seit 2002
  • Gesundheitsministerium: Drogenbeauftragte der Bundesregierung seit 2019
  • Familienstand: verheiratet
  • Kinder: Zwillinge (10+10)
  • Hobbys: Musik von Helene Fischer, Laufen, Lesen, Familienzeit.

Zum Bundestagswahl-Spezial und allen weiteren Kandidaten:

> auf ovb-online.de

> auf rosenheim24.de

> auf wasserburg24.de

> auf mangfall24.de

Daniela Ludwig: Unsere wunderschöne Heimat und die hier lebenden Menschen liegen mir am Herzen. Der Wahlkreis hat immer oberste Priorität für mich. Ich bin mir sicher, dass wir noch so viel mehr erreichen können, denn an innovativen Ideen, klugen Köpfen und regionalen Potenzialen mangelt es nicht. Dafür bedarf es Unterstützung, denn nicht alles schaffen wir hier allein vor Ort.

Familien haben für mich höchste Priorität. Sie zu fördern und zu entlasten, ihnen das nötige Rüstzeug zu geben, das ist mir ein Bedürfnis. Gesunde Kinder zu haben, ist ein Segen, aber nicht jeder Familie ist das vergönnt. Mir liegt es deshalb sehr am Herzen, dass die Schwächsten unserer Gesellschaft Inklusion von Anfang an erfahren. Deshalb war ich gleich von Stunde Null an Mitbegründerin der Privaten Schulen Oberaudorf, die mit viel Sachverstand und Hingabe Bildung, Förderung und Bewegung nach Petö für Kinder anbieten, die besonderer Unterstützung bedürfen.

Mir ist weiterhin ein Klimaschutz mit Vernunft, und zwar gemeinsam mit den Menschen und den Unternehmen, wichtig. Verbote, Mehrbelastung und Enteignung können keine Lösung für die Herausforderungen unserer Zeit sein. Ich will vielmehr auf Anreize und Innovation setzen, auf Freiheit, Stabilität und Sicherheit. Der Schutz des Eigentums, eine geordnete und begrenzte Migration und eine gerechte Rente, von der die Menschen auch im hohen Alter gut leben können, das sind weitere Herzensthemen meiner Arbeit.

Thema Corona

Unsere Fragen an Daniela Ludwig:

  • Mit welchen Szenarien und Folgen rechnen Sie Ende 2021 und 2022? Wie sieht Ihre Corona-Strategie aus?
  • Wie hat Corona Ihr Denken und Handeln verändert? Warum spaltet Corona die Gesellschaft?

Impfen als Akt der Solidarität

Zuerst ist es mir wichtig, unseren hervorragenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen zu danken, die es in Rekordzeit geschafft haben, einen Impfstoff gegen das Virus zu entwickeln. Das war keine Selbstverständlichkeit und sollte nicht in Vergessenheit geraten. Darüber hinaus haben wir ein Gesundheitssystem mit herausragend engagiertem Personal, das diese Krise unter anderem in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtung in bewundernswerter Weise bewältigt hat.

Eine Prognose abzugeben, wäre nicht seriös. Klar ist aber, dass wir aus den Erfahrungen der Vergangenheit haben lernen können. Wir wissen, welche Maßnahmen effektiv gegen die Ausbreitung des Virus helfen. Und vor allem sind wir heute in einer anderen Lage als zu Beginn der Pandemie. Jedem Erwachsenen konnte – wie von der Bundesregierung versprochen – bis zum Ende des Sommers ein Impfangebot gemacht werden. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung ist bereits geimpft. Das ist insgesamt eine gute Vorbereitung für den Fall, dass eine erneute Welle auftritt. Wir müssen jetzt dafür Sorge tragen, dass sich noch mehr Menschen impfen lassen. Dann können wir auch einen erneuten Lockdown verhindern. Jedem muss bewusst sein, dass es beim Impfen nicht nur um ihn oder sie persönlich geht. Es ist auch ein Akt der Solidarität denen gegenüber, die sich nicht impfen lassen können.

Die Pandemie hat insoweit mein Denken und Handeln verändert, als dass ich zum allerersten Mal in meinem Leben meine Zuneigung oder meinen Respekt gegenüber meinen Mitmenschen durch Abstand zeigen musste. Früher wäre das undenkbar für mich gewesen, als Händeschütteln oder Umarmungen zur Freundlichkeit und guten Erziehung gehörten. Wo ich früher nur an Schlüssel, Portemonnaie und Handy denken musste, waren es plötzlich noch zusätzlich Maske und Desinfektionsspray. Aber das ging sicherlich fast jedem so. Abstand war plötzlich der neue Anstand.

Die Tatsache, dass in diesem Jahr die übliche Grippewelle fast komplett ausgefallen ist, hängt auch mit diesen Maßnahmen zusammen. Ich hoffe, dass der Respekt vor unseren Mitmenschen bleibt, aber dass wir die Abstände zueinander immer weiter verringern können.

Nicht Corona oder das Virus spaltet die Gesellschaft, sondern das Problem in einer digitalisierten Welt ist die Flut an Nachrichten und die Flut an Falschwahrheiten, die sich mindestens ebenso schnell verbreiten. Das verunsichert die Menschen, ein ganz natürlicher Prozess, eine ganz menschliche Reaktion.

Wir haben in dieser Zeit viel Hilfsbereitschaft erfahren, Familien und Gemeinschaften sind noch enger zusammen gewachsen. Damit meine ich vor allem den persönlichen Bereich. Viele Menschen haben für ihre Nachbarn, die nicht das Haus verlassen konnten, eingekauft. Es wurden gerade in der Anfangszeit, als Schutzausrüstung noch keine Massenware war, privat Masken genäht. Ich habe Eltern erlebt, die sich bei der Kinderbetreuung zu Hause unterstützt haben. Diese Krise hat gezeigt, wie nah wir uns stehen und dass unsere Gesellschaft in Zeiten der Not zusammenhält.

Thema Klimawandel

Unsere Fragen an Daniela Ludwig:

  • Der Klimawandel bedroht Mensch und Natur. Was ist zu tun? In der Welt, in Brüssel, in Berlin und München?
  • Aber auch in der Region, vor der Haustür oder im eigenen Haushalt?

Anreize statt Verbote

Zunächst einmal: Klimaschutz geht nicht gegen die Menschen, sondern nur mit ihnen. Verbieten, gängeln, vorschreiben – das hat noch nie zu einem Umdenken geführt, sondern nur zu massivem Widerstand. Wir wollen die Menschen, die Unternehmen mitnehmen, ihnen Anreize geben, selbst etwas für den Klimaschutz, für die Zukunft, zu tun.

Maßstab für die Klimaschutzpolitik sind die internationalen Vereinbarungen der Klimarahmenkonvention, des Kyoto-Protokolls und des Übereinkommens von Paris. Im Dezember 2020 wurde vom Europäischen Rat der „national festgelegte Beitrag“ an die UN übermittelt. Darin aktualisiert die EU eine erweiterte Zielsetzung der Reduktion der Treibhausgasemissionen um mindestens 55 Prozent bis 2030 gegenüber 1990. Die Bundesregierung hat darüber hinaus Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele 2030 vorgelegt.

Kein Land steigt außer uns übrigens zeitgleich aus Kohle und Kernkraft aus. In Bayern sind wir führend beim Ausbau der Erneuerbaren Energien und der Ladesäuleninfrastruktur. Verstecken müssen wir uns also nicht!

Jetzt gilt es, den erfolgreich eingeschlagenen Weg konsequent fortzusetzen. Wir haben bereits dafür gesorgt, dass Photovoltaik auch weiterhin über das EEG gefördert werden kann und den Förderdeckel aufgehoben. Mit dem „Windenergie-auf-See-Gesetz“ wurde das Ausbauziel für diese Energieart auf 20 Gigawatt bis 2030 erhöht. Bis spätestens 2038 – vermutlich früher – wird die Kohleverstromung beendet.

Jetzt müssen im Gebäudesektor die erneuerbaren Energien stärker eingebunden werden. Dafür haben wir bereits die steuerliche Förderung der energetischen Sanierung von selbstgenutztem Wohneigentum auf den Weg gebracht.

Klimaneutralität wird ein Wettbewerbsvorteil unserer Wirtschaft werden. Investitionen in Klimatechnologien und Energieeffizienz zur CO2-Reduktion wollen wir daher künftig steuerlich besser absetzbar machen. Die Steuerförderung der Gebäudesanierung wollen wir auch auf vermietete Immobilien und auf Gewerbeimmobilien ausdehnen. Wir werden die nationale Wasserstoff-Agentur stärken, um die Wasserstoffstrategie umzusetzen und internationale Kooperationen zum Import von Wasserstoff, den Infrastrukturausbau sowie die Umnutzung bestehender Systeme voranzutreiben.

Innovation wird der Treiber im Kampf gegen den Klimawandel sein. Meine Partei setzt auf einen technologieoffenen Weg, auf die Kreativität der Menschen und die der Unternehmen.

Thema Brenner-Nordzulauf

Unsere Fragen an Daniela Ludwig:

  • Wie stehen Sie zur violetten Trasse und zum Neubau von zwei zusätzlichen Gleisen?
  • Können Sie den Widerstand betroffener Kommunen und Bürger nachvollziehen?
  • Welchen Einfluss wollen Sie persönlich geltend machen?

Akzeptabel nur mit mehr Tunnelanteilen

In den 1990er Jahren hat die Europäische Union Leitlinien für den Aufbau eines grenzüberschreitenden Verkehrsnetzes festgelegt. Ziel war unter anderem die Verwirklichung des europäischen Binnenmarktes, die Verlagerung des Güterverkehrs von der Straße auf die Schiene und die Anbindung von Randregionen an die EU. Dieses europäische Netz umfasst 58 000 Kilometer Straße, 70 000 km Schienenverbindungen und 12 000 Kilometer Binnenwasserstraßen.

Der Brenner-Nordzulauf ist Teil des europäischen Skandinavien-Mittelmeer-Korridors. Dieser erstreckt sich über den gesamten Kontinent von der nördlichen EU-Außengrenze in Finnland bis in den Mittelmeerraum (Sizilien). Die Alpen bilden ein natürliches Hindernis für die Verkehrsverbindungen von Nord nach Süd. Alpenquerungen, die in der Lage sind, größere Mengen Güterverkehr und Personenverkehr zu bewältigen, beschränken sich auf drei Hauptrouten: 1. Mont-Cenis/ Fréjus/Mont-Blanc (Frankreich), 2. San Bernardino/Simplon/Gotthard (Schweiz) und 3. Brenner (Österreich). Für eine Alternative zur Brenner-Route auf andere Alpen-Überquerungen fehlen die natürlichen Voraussetzungen.

Der alpenüberquerende Güterverkehr hat in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten (mit konjunkturellen Schwankungen) zugenommen. Waren es im Jahr 2000 noch 98,5 Millionen Tonnen, waren es im Jahr vor der Wirtschaftskrise (2008) 114,6 Millionen Tonnen und 2019 bereits 116,3 Millionen Tonnen. Fast 2,8 Millionen Lkw-Transitfahrten rollten 2019 über die Brennerautobahn. Mit der Eröffnung des Brennerbasis-Tunnels ist von einem starken Anstieg im Schienengüterverkehr auszugehen. Das wirkt sich auch auf die Zulaufstrecken aus.

Übrig blieben die Regionen, die sich grundsätzlich für den Trassenverlauf eigneten. Anschließend wurde untersucht, wie anspruchsvoll die Umsetzung der Trasse in den jeweiligen Regionen wäre. Daraus ergaben sich fünf Varianten, über die anschließend öffentlich diskutiert wurde. Diese Varianten wurden dann intensiver betrachtet und Bauwerkspläne erstellt. Anschließend fand die notwendige Prüfung im Rahmen des Raumordnungsverfahrens statt. Als Ergebnis ging dann die „Variante Violett“ als Vorschlagstrasse aus dem Auswahlverfahren hervor.

Die „Variante Violett“ beinhaltet 60 Prozent Tunnellösung. Der Tunnel Laiming und der Tunnel Steinkirchen sind jeweils rund 13 Kilometer lang – Deutschlands längster Eisenbahntunnel. Der Tunnel im Gemeindegebiet Stephanskirchen ist 5,5 Kilometer lang. Insgesamt 31,5 Streckenkilometer, die in der Landschaft nicht sichtbar sind. Die verbleibenden Trassenkilometer laufen nach derzeitiger Planung oberirdisch.

Es handelt sich nicht um ein regionales Verkehrsprojekt, das in Stadt und Landkreis Rosenheim entschieden wird. Es ist ein europäisches Projekt, das auch ohne das Zutun unserer Region verwirklicht werden kann. Durch einen intensiven Bürgerdialog und politische Intervention ist es bisher gelungen, die jetzige Trasse mit ihrer massiven Untertunnelung zu bekommen. Ohne aktiven Einsatz wäre das nicht passiert.

Es gibt aber noch Streckenabschnitte, in denen Verbesserungen erforderlich sind. Das betrifft vor allem die Region nördlich von Rosenheim. Dort müssen weiterhin Tunnellösungen geprüft werden. Geklärt werden muss insbesondere die Innquerung und die Einfädelung auf die Bestandstrasse. Es laufen bereits Untersuchungen zur Möglichkeit einer Unterquerung des Inns sowohl zwischen Flintsbach und Nußdorf als auch zwischen Leonhardspfunzen und Langenpfunzen. Ebenso wird in eine Machbarkeitsstudie für eine bergmännische Verknüpfungsstelle investiert.

Ich werde bei diesem Thema weiter dranbleiben und gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern und allen politisch Verantwortlichen an weiteren Verbesserungen arbeiten. Solange nicht auch bei Rohrdorf/Riedering sowie im Norden Rosenheims deutlich mehr Tunnelanteile geplant werden, ist die Trasse nicht akzeptabel! Tirol dient uns hier als Vorbild.

Thema Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Unsere Frage an Daniela Ludwig:

  • Welche Schwerpunkte setzen Sie zur Sicherung der Arbeitsplätze und der heimischen Wirtschaft?

Vielfalt ist der Motor der Region

Die Wirtschaft in unserer Region hat schon immer davon profitiert, dass sie sehr vielseitig aufgestellt ist: Gesundheitsbranche, Tourismus, Landwirtschaft, Produktion, Dienstleistung und vieles mehr. Diese Vielfalt gilt es zu erhalten – gerade jetzt, nach einer wirklich harten Zeit für einige Branchen. Wir brauchen weiterhin starke, lokale Unternehmen, die sich bei uns wohl fühlen und nicht nur Arbeitsplätze und Wertschöpfung erzeugen, sondern sich auch gesellschaftspolitisch engagieren.

Das setzt auch voraus, dass die politischen Rahmenbedingungen für Unternehmertum stimmen.

Meine Partei will daher die Lohnzusatzkosten auf einem stabilen Niveau von maximal 40 Prozent halten. Wir werden die steuerliche Verlustverrechnung verbessern. Dazu erhöhen wir die Höchstbetragsgrenzen beim Verlustrücktrag und beim Verlustvortrag deutlich. Wir verbessern die Abschreibungsregeln. Dazu wollen wir die degressive Abschreibung für bewegliche Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens wiedereinführen und die Abschreibungsregeln für digitale Zukunftstechnologien verbessern, wie zum Beispiel Investitionen in Serveranlagen, Künstliche Intelligenz, 3D-Druck oder die Fabrik 4.0.

Den Jobcentern werden wir eine persönliche Begleitung mit niedrigem Betreuungsschlüssel ermöglichen und eine Offensive im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung starten. So können die Stärken und Fähigkeiten von Langzeitarbeitslosen besser erkannt und gefördert werden.

Thema Demokratie und Stabilität

Unsere Fragen an Daniela Ludwig

  • Sind die Menschen wirklich demokratiemüde und empfänglich für neuen Extremismus und Populismus?
  • Wie steht es um Stabilität, Toleranz und Konsensfähigkeit im Land?

Wir leben in einem freien Land

Meiner Einschätzung nach sind die Menschen alles andere als demokratiemüde. Bürgerinnen und Bürger engagieren sich vor Ort ehrenamtlich in der Kommunalpolitik oder in Bürgerinitiativen, sie machen vom Versammlungs- und Demonstrationsrecht Gebrauch und ich kann an den zahlreichen E-Mails, Briefen und Anrufen in meinen Büros auch keine Müdigkeit erkennen. Die Menschen suchen den Kontakt und wollen sich austauschen. Von diesen Gesprächen profitiere auch ich ungemein, denn so erfahre ich unmittelbar, wo den Menschen der Schuh drückt, worüber sie sich Sorgen machen und was sie verbessert haben wollen. Miteinander zu reden, das ist der Schlüssel und das hat sich in der Pandemie noch einmal deutlich gezeigt.

Wir dürfen dabei nicht zulassen, dass die Ränder lautstarke, weil radikale Schein-Antworten geben, während die Mitte schweigt. Demokratie heißt auch nicht, dass immer alle einer Meinung sein müssen, solidarisch zu sein, heißt nicht, nur zu nehmen und nicht zu geben. Das sind Wahrheiten, die wir aussprechen müssen,

Wir leben in einem freien Land, in dem jeder offen seine Meinung sagen darf. Niemand soll befürchten müssen, durch seine Meinungsäußerung Nachteile zu erleiden. Das ist ein Wert unserer Demokratie, den wir immer wieder verteidigen müssen. Wichtig ist aber auch, dass dieser Meinungsaustausch immer mit Anstand und Respekt gegenüber Andersdenkenden verbunden ist. Konsensfähigkeit ist wichtig, um gemeinsam zu einem Ziel zu kommen. Sie ist aber kein Ziel an sich. Unsere Demokratie muss es auch ertragen, dass Debatten im Dissens enden.

Thema Wohnraum und Mieten

Unsere Frage an Daniela Ludwig:

  • Zur Lebensqualität gehört Wohnen. Speziell im Raum Rosenheim wird Wohnraum immer knapper, das Wohnen immer teurer. Wie kann man diese Entwicklung stoppen?

Bauen statt deckeln und besteuern

Der Wohnungsbestand muss sich an den Bedarf anpassen. Das heißt, nur mit mehr Wohnungsbau werden Mieten bezahlbar bleiben und mehr Menschen eine Wohnung finden.

Wir setzen nicht auf rechtlich fragwürdige und ungeeignete Eingriffe, wie den Mietendeckel oder Enteignungen. Nur wenn das Wohnungsangebot steigt, können Mieten stabil bleiben.

Unser Ziel ist, dass bis 2025 mehr als 1,5 Millionen neue Wohnungen entstehen. Als Investitionsanreiz werden wir die derzeit befristeten Abschreibungsmöglichkeiten beim Mietwohnungsbau verlängern. Wer neue Mietwohnungen schafft, soll auch nach Ende 2021 fünf Prozent der Anschaffungs- und Herstellungskosten zusätzlich von der Steuer absetzen können.

Außerdem müssen wir den sozialen Wohnungsbau weiter fördern und werden das Wohngeld ab 2022 regelmäßig anpassen. Darüber hinaus ist uns wichtig, den Erwerb von Wohneigentum zu ermöglichen. Das dient nicht nur der Entspannung auf dem Mietenmarkt, sondern auch der zusätzlichen Absicherung im Alter. Wir wollen bei der Grunderwerbssteuer für die erste selbstgenutzte Immobilie großzügige Freibeträge gewähren. Gerade vor dem Hintergrund der hohen Bodenrichtwerte in Stadt und Landkreis Rosenheim lehnen wir Substanzsteuern wie die Vermögenssteuer oder eine höhere Erbschaftssteuer ganz klar ab.

Thema Familie

Unsere Fragen an Daniela Ludwig:

  • Die Gesellschaft wird immer älter – auch im Zuzugsraum Rosenheim. Was kann die Politik leisten, damit wieder mehr junge Menschen eine Familie gründen?
  • Wie wollen Sie zum Beispiel eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie erreichen?

Wir betreiben aktive Familienförderung

Zuallererst: Es ist doch schön, dass die Menschen immer länger leben, dass sie älter werden und noch lange am Leben ihrer Kinder und Enkelkinder teilhaben können. Das ist eine Errungenschaft der gestiegenen Lebensverhältnisse und unseres stabilen Gesundheitssystems. Wir sollten diese Frage bitte nicht mit einem pauschalen „Bashing“ auf die ältere Generation beantworten oder als Vorwurf missinterpretieren, denn die Älteren haben unser Land mit ihrer Hände Arbeit zu dem gemacht, was es heute ist.

Seit diesem Jahr erhalten Familien für das erste und zweite Kind 219 Euro Kindergeld (vorher: 204 Euro). Für das dritte Kind steigt die Unterstützung von 210 Euro auf 225 Euro und ab dem vierten Kind beläuft sich das Kindergeld auf 250 Euro (vorher 235 Euro). Insgesamt wurde das Kindergeld in dieser Legislaturperiode um 25 Euro erhöht. Auch der Kinderfreibetrag in der Einkommensteuer ist deutlich angestiegen – um 576 Euro auf 8388 Euro pro Jahr. Dazu kommt, dass auch der Grundfreibetrag angehoben wird: Für 2021 beläuft der sich nun auf 9744 Euro und steigt somit um 336 Euro. Das ist aktive Familienförderung.

Unter Regierungsverantwortung von CDU/CSU hat der Bund für Maßnahmen für Kinderbetreuung von 2008 bis heute insgesamt mehr als 20 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Mit zusätzlich einer Milliarde Euro durch das 5. Investitionsprogramm 2020/2021 soll der weitere Ausbau in der Kindertagesbetreuung vorangetrieben werden.

Wir werden Familien weiter unterstützen. Daher halten wir am Ehegattensplitting fest und wollen unabhängig davon zusätzlich Ansätze entwickeln, um Kinder positiv zu berücksichtigen. Perspektivisch streben wir den vollen Grundfreibetrag für Kinder an und finden damit den Einstieg in ein Kindersplitting.

Kinderbetreuungskosten sind aktuell zu zwei Dritteln bis zu maximal 4000 Euro je Kind steuerlich abzugsfähig. Wir setzen uns dafür ein, sie vollständig abzugsfähig zu machen bis zu einer Höhe von 6000 Euro.

In der Pandemie haben wir gelernt, wie wichtig flexible Arbeitszeitmodelle sind. Aus diesem Grund wollen wir die während der Corona-Pandemie eingeführte Home-Office-Pauschale erhalten. Unser Ziel ist es, sie auszubauen zu einer Pauschale für mobiles Arbeiten in Höhe von 1000 Euro, zusätzlich zur bestehenden Werbungskostenpauschale. Familien müssen unterstützt werden, wenn es darum geht, Arbeits- und Familienwelt miteinander zu vereinbaren.

Thema Rente 

Unsere Fragen an Daniela Ludwig:

  • Die Alterspyramide in Deutschland bedroht die Stabilität und die Höhe der Rente. An welchen Stellschrauben muss die Politik drehen, damit zunehmende Altersarmut und eine Überlastung der Beitragszahler vermieden werden?
  • Wie kann der Staat für Generationengerechtigkeit sorgen?

Generationenrente kann helfen

Heute kommen auf einen Rentner nicht mehr ganz drei Beitragszahler, Tendenz abnehmend. Die durchschnittliche Rentenbezugsdauer aller Renten liegt aktuell bei 20,2 Jahren. Vor zehn Jahren waren es noch 18,5, im Jahr 1996 waren es 16 Jahre. Die steigende Lebenserwartung führt zu steigenden Ausgaben der Rentenkasse bei gleichzeitig sinkender Zahl der Beitragszahler. Wegen der Alterung der Bevölkerung müssen also künftig weniger Beschäftigte mehr Rentner finanzieren. Während der Beitragssatz heute 18,6 Prozent beträgt, steigt er ohne Reformen bis 2060 auf 23,7 Prozent, und das Rentenniveau geht von 48,2 (2019) auf 43,7 Prozent (2060) zurück. Das beunruhigt die Menschen und führt zu Spannungen.

Aber: Die Rentendebatte darf sich nicht darauf beschränken, nur oberflächlich Rentenlöcher zu stopfen. Wir müssen auch der jungen Generation eine vernünftige Altersversorgung garantieren können. Ziel muss es sein, Rentenlöcher zu vermeiden und langfristig effektive Vorsorge zu treffen. Deshalb wollen wir eine Generationenrente einführen. Dabei soll der Staat ab Geburt bis zum 18. Lebensjahr für jedes Kind in einen Generationen-Pensionsfonds einzahlen. Mit dem Eintritt in das Rentenalter wird die Generationenrente zusätzlich zu bestehenden Rentenansprüchen ausgezahlt und hilft, Altersarmut wirksam zu vermeiden.

Wir haben bereits 2014 eine „Doppelte Haltelinie“ beschlossen. Demnach soll das Rentenniveau bis zum Jahr 2025 bei 48 Prozent gedeckelt werden. Gleichzeitig soll der Beitragssatz zur Rentenversicherung nicht über 20 Prozent steigen.

Wir werden die Rentnerinnen und Rentner weiterhin verlässlich an der allgemeinen Einkommensentwicklung beteiligen. Wenn die Alterssicherung zukunftsfest sein soll, muss sie aus drei Säulen bestehen: der gesetzlichen Rentenversicherung, der betrieblichen und der privaten Vorsorge.

Welches Thema liegt Daniela Ludwig besonders am Herzen?

Von Corona über Klimawandel bis zum Schutz der Demokratie: In unserem Kandidatencheck haben wir die zwölf Bewerber für den Bundestag im Wahlkreis Rosenheim mit vielen Fragen konfrontiert. Das letzte Wort haben die Kandidaten selbst – mit einem Thema ihrer Wahl, das ihnen besonders am Herzen liegt.

Landwirtschaft stärken

Mir ist das Thema Landwirtschaft wichtig. Wir brauchen faire Rahmenbedingungen für unsere Bauern. Daher haben wir ein Verbot unlauterer Handelspraktiken erlassen, das heißt, künftig ist es dem Handel zum Beispiel verboten, bestellte verderbliche Ware kurzfristig zu stornieren oder ohne Kaufpreiszahlung zurückzusenden.

Wir werden die Landwirtschaft verlässlich beim ökologischen Wandel begleiten. Dazu werden wir die Investitionsbereitschaft in der Landwirtschaft stärken und wollen mit einem Bestandsschutz von 15 Jahren bei neuen Stallbauinvestitionen für Verlässlichkeit und Sicherheit sorgen. Mit Zuschüssen zu Mehrgefahrenversicherungen werden wir die Betriebe in ihrer Fähigkeit stärken, sich selbst gegen Dürre und andere Klimarisiken abzusichern. Die Junglandwirte-Prämie wollen wir erhöhen und die Vielfalt der Landwirtschaft als Berufsfeld sichtbar machen.

Darüber hinaus brauchen wir eine Lösung für das Thema Wolf an der gesamten Alpenkette. Niemand will den Wolf ausrotten, aber wir müssen handeln. Es gibt in Europa genügend Regionen, in denen der Wolf gut leben kann. Besser als in unserer Gegend mit Almbewirtschaftung und Tourismus in den Bergen.

Landwirtschaft geht nur miteinander. Mit Respekt vor der Arbeit unserer Bäuerinnen und Bauern und mit Wertschätzung für die Produkte. Wir müssen in Bayern froh sein, eine bäuerliche Landwirtschaft in Familienbetrieben zu haben, Dies gilt es zu erhalten.

Kurz-Interview mit Daniela Ludwig

Ein Motto, ein Satz oder ein Zitat, das sich Ihnen besonders eingeprägt hat?

Daniela Ludwig: „Suche nicht nach Fehlern, suche nach Lösungen.“ (Henry Ford)

Sie steigen in eine Zeitmaschine. Welches Ereignis der Geschichte würden Sie gerne miterleben und warum?

Ludwig: Den Mauerfall am 9. November 1989 in Berlin. Eines der prägendsten Ereignisse unserer jüngeren Geschichte. Da wäre ich gern etwas näher dran gewesen.

Ihr Lieblingsplatz in der Region? Warum?

Ludwig: Meine Terrasse. Wenn man als Bundestagsabgeordnete viele Wochen im Jahr in Berlin verbringt, dann ist man froh, wenn man mal ganz entspannt einfach nur zuhause sein kann. 

In welchem Film hätten Sie gerne in welcher Rolle mitgespielt?

Ludwig: Ich würde gerne die Radlerin bei den Rosenheim Cops spielen, die in fast jeder Folge am Polizeipräsidium, also unserem Rathaus, vorbeiradelt. :)

Wie bekommen Sie Politik und/oder Beruf/Familie unter einen Hut?

Ludwig: Ich bekomme sehr viel Unterstützung durch meine Familie und habe Gott sei Dank auch sehr verständnisvolle Kinder und einen ebenso verständnisvollen Mann. 

Ihr politisches Vorbild? Warum?

Ludwig: Als ich als junge Frau frisch in den Bundestag einzog, war mein großes Vorbild natürlich Franz Josef Strauß. Heute versuche ich selbst Vorbild zu sein und unterstütze und motiviere z.B. mit dem Mentoring Programm der Frauen Union junge Frauen darin, sich politisch zu engagieren.

Stellen Sie sich vor, Sie könnten drei Dinge beschließen – und alle Staaten dieser Welt müssten sich daran halten. Was würden Sie tun?

Ludwig: Ich bin Realistin und leider besteht das Leben nicht aus Wünsch-Dir-was! So verführerisch die Frage auch sein mag, sie bringt uns der Lösung unserer täglichen Herausforderungen keinen Schritt näher. Jeder muss im Rahmen seiner persönlichen Möglichkeiten alles daran setzen, dass das Leben für uns alle ein Stück weit besser wird und dazu lade ich jeden ein. Vielleicht sollten wir auch alle mal etwas innehalten und stolz auf das sein, was wir gemeinsam schon erreicht haben, denn das vergessen wir bei allem Streben nach Perfektion doch auch leider viel zu oft.

Wen ertragen Sie nur mit Humor?

Ludwig: Ich nehme grundsätzlich jeden Menschen ernst, denn jeder hat seine individuelle Geschichte, die ihn zu dem macht, was er ist.

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