Neue Wetterstation am Wendelstein

Lawinen: Neue Wetterstation liefert wertvolle Daten

Landkreis - Wendelstein, Sudelfeld, Kampenwand: Die Lawinenkommissionen zogen ein Fazit des vergangenen Winters und die damit verbundene Lawinengefahr auf den heimischen Bergen.

Zum Teil sehr unterschiedliche Wetterverhältnisse haben im vergangenen Winter die Arbeit der drei Lawinenkommissionen im Landkreis Rosenheim geprägt. Wie auf der Tagung der Lawinenkommissionen heute (13. Dezember) in Brannenburg bekannt wurde, musste vor allem am Wendelstein viel gesprengt werden, um das Lawinenrisiko zu minimieren.

Florian Obermair, der stellvertretende Obmann der für den Wendelstein zuständigen Lawinenkommission Brannenburg berichtete von einem normalen Winter mit ausreichend Schnee und einem stabilen Schneedeckenaufbau. An 57 Tagen war Skibetrieb an der Ostabfahrt möglich. Insgesamt führte die Lawinenkommission Brannenburg an 26 Tagen 119 Lawinensprengungen durch. Dabei wurden fast 600 Kilogramm Sprengstoff verbraucht.

Neu am Wendelstein ist eine Wetterstation im Bereich der Soinhütte, die seit zwei Wochen Daten liefert. Die Schließung der Wetterstation des Deutschen Wetterdienstes am Wendelstein hatte die Arbeit der Lawinenkommission Brannenburg erheblich erschwert. Um eine Empfehlung für die Ostabfahrt des Wendelsteins erarbeiten zu können, mussten die Mitarbeiter der Kommission beispielsweise in den Seehang einfahren, was laut Obermair nicht ungefährlich war.

Die neue Wetterstation in 1.580 Meter Höhe liefert Daten zur Schneehöhe, zur Luftfeuchte, zur Sonneneinstrahlung und zur Art des Niederschlags. Sie misst die Temperatur in der Luft, auf der Schneeoberfläche und im Schnee. Zudem kann sie den Wasser- und Eisgehalt in der untersten Schicht der Schneedecke feststellen.

Im Unterschied zur Kommission in Brannenburg kam die Lawinenkommission Oberaudorf-Kiefersfelden ganz ohne Sprengungen durch den Winter. Wie Obmann Hans Berger mitteilte, gab es im Bereich der Skiabfahrten Rosengasse und Schönaueralmen durchwegs einen stabilen Schneedeckenaufbau. Gleiches galt für den Bereich um die Gemeindestraßen Schindelberg – Regau und Waldkopf - Grafenherberg. Mitte Dezember musste die Mühlauerstraße in Kiefersfelden drei Tage gesperrt werden. Ein Wärmeeinbruch und Regen führte erwartungsgemäß zum Abgang von nassen Lockerschneelawinen. Keine Gefahr brachte dagegen das Tauwetter im Januar und Februar. Weil zu wenig Schnee lag, erreichten die Lawinen die Straße nicht. Die Lawinenkommission Brannenburg registrierte zudem Gleitschneelawinen am Brünnstein, Traithen und Wildalpjoch. Insgesamt war der Winter geprägt von teils ergiebigen Schneefällen mit zeitweise stürmischem Wind, frostigen Temperaturen, aber auch Tauwetter, Regen und Föhn.

Auch an der Kampenwand war der Winter wechselhaft und stürmisch mit Windgeschwindigkeiten bis zu 130 Stundenkilometer, aber auch Regen bis auf 1.500 Meter. Der Skibetrieb wurde Ende März eingestellt. Nach Auskunft von Rudi Angermaier, dem Obmann der Lawinenkommission Aschau bestand nur an ein paar Tagen eine Lawinengefahr. Sie wurde durch rechtzeitiges Sprengen beseitigt. An den drei Sprengtagen wurden 75 Kilogramm Sprengstoff verbraucht.

Dr. Bernd Zenke, der Leiter der Lawinenwarnzentrale Bayern, beurteilte den vergangenen Winter als einen ruhigen. Es gab allerdings außergewöhnlich viele Nichtsonnentage, wie Dr. Zenke es nannte. Durch die geringe Sonneneinstrahlung kam es in der Schneedecke kaum zu Veränderungen. Die Lawinengefahr blieb daher meist gering.

Der einzige Lawinentote in Bayern war im Mai im Allgäu zu beklagen. In einer Rinne hatte eine Familie in einer vorhandenen tiefen Spur ein Schneefeld überquert. Der untere Teil des Schneefelds löste sich und rutschte 50 Meter ab. Der Familienvater kam dabei ums Leben.

Landrat Josef Neiderhell und Brannenburgs Bürgermeister Mathias Lederer lobten das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Lawinenkommissionen. Er sei sehr dankbar, dass alles so gut klappt, meine der Landrat. Ein eindringliches Beispiel, wie wertvoll dieses Ehrenamt ist, lieferte Dr. Zenke. In Italien und Spanien, so berichtete er, ist die Lawinenwarnung ausschließlich hauptamtlich organisiert. Weil kein Geld mehr für das Personal vorhanden ist, brach in beiden Ländern die wichtige Lagebeurteilung im Gelände weg.

Abschließend wurde auf der Tagung der Lawinenkommission noch das Problem von uneinsichtigen Skifahrern und Skitourengehern diskutiert. Während der Pistenpräparierung, aber auch wenn ein Bereich für eine Lawinensprengung vorbereitet ist, missachten Skifahrer immer wieder die Sperrungen. Dies soll mit einem Bußgeld bis zu 1.000 Euro geahndet werden.

Pressemitteilung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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