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Vom Hotelfach zur Jungbäuerin

Trotz Krise und Aussicht auf Schulden: Warum eine Bernauer Bäuerin den elterlichen Hof dennoch übernimmt

Mariele und die frisch gebackene Jungbäuerin Franziska Simon (von links) mit dem Plakat für die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Hofladens am kommenden Samstag.
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Mariele und die frisch gebackene Jungbäuerin Franziska Simon (von links) mit dem Plakat für die Feierlichkeiten zum 20-jährigen Bestehen des Hofladens am kommenden Samstag.

Franziska Simon aus Bernau lernte nach der Schule eigentlich im Hotelfach. Nun hat sie sich aber doch entschieden, den elterlichen Bauernhof zu übernehmen. Keine leichte Aufgabe, wie sich auch die 30-jährige selbst eingesteht. Dennoch hat sie gute Gründe, das Wagnis einzugehen.

Bernau – Was veranlasst eine junge Familienmutter in fordernden Zeiten wie diesen, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen – noch dazu mit der Aussicht auf 1,4 Millionen Euro Schulden? Franziska Simon aus Bernau ist genau dieses Wagnis eingegangen. Sie hat als jüngstes der vier Kinder daheim den elterlichen Sepp’n-Bauernhof übernommen und wird kräftig investieren. „Meine Eltern haben es auch geschafft“, sagt sie voller Zuversicht im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Hinter der Idyllesteht viel Arbeit

Junge Enten und Gänse liegen zusammengekuschelt in der Wiese und lassen sich von der Sonne wärmen, die Pferde weiden hinter dem Haus und der schwarzweiße Kater streift schmeichlerisch um die Beine. Diese Bauernhof-Idylle kann unbeschwert genießen, wer sich in der Frühlingssonne als Besucher an einen der Tische vor dem Hofladen setzt und seinen Capuccino schlürft.

Wie viel Arbeit dahinter steckt, solch einen landwirtschaftlichen Betrieb aufrecht zu erhalten, das weiß die junge Bäuerin Franziska Simon schon von jung auf.

Zwölf Hektar Land

„Wir haben zwölf Hektar Land und kein Milchkontingent. Bei der Übernahme des Hofs sagten uns alle, dass der Betrieb so eigentlich nicht existenzfähig ist“, erinnert sich ihre Mutter Mariele Simon. Entgegen der Prognosen haben sie und ihr Mann es trotzdem geschafft. Auf der Sommerweide stehen 42 Pinzgauer Rinder, rund 30 Schweine werden gefüttert, ebenso Hühner.

Der Betrieb ist auf Direktvermarktung spezialisiert und empfängt jedes Jahr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz Besuchergruppen im Rahmen der Programme „Schule auf dem Bauernhof“ und „Landerlebnisreisen“. „Ich finde es wichtig, den Leuten zu zeigen, wo die Lebensmittel herkommen und dass sie sehen, wie bei uns im Kleinen produziert wird, wie wir die Tiere artgerecht halten und nicht über die Masse gehen“, erklärt Franziska Simon. Über das Ökomodell Achental kämen schon Gäste aus fernen Ländern, berichtet Mariele Simon. Zum Beispiel aus Pakistan, Norwegen und Ungarn.

Lehre im Hotelfach

Franziska hat wie die Geschwister von Kindesbeinen an auf dem elterlichen Betrieb mitgeholfen, Nach der Schule absolvierte sie eine Lehre im Hotelfach. Heute ist die 30-Jährige Mutter von zehnjährigen Zwillingsbuben und einem anderteinhalbjährigen Mädchen. Ihr Partner ist Zimmerermeister und ebenfalls in den Hof integriert.

Franziska hat den elterlichen Hof heuer übernommen: „Ich habe zwar schon davor mitgearbeitet, aber wenn dann die Konten umgeschrieben sind und man plötzlich die volle Verantwortung trägt, ist das noch einmal etwas anderes.“ Wie fühlt sich das an bei Weltkrisen wie Corona, Ukraine-Krieg und Inflation? Sie gibt zu, dass dies durchaus etwas ist, über das sie sich Gedanken macht. Doch sagt sie: „Wenn man einen Partner hat, der das auch machen möchte, dann wagt man es.“ Sie hofft, dass die Kunden weiterhin bereit sind, für Tierwohl und selbst hergestellte Produkte im Hofladen mehr zu zahlen als im Supermarkt.

Große finanzielle Herausforderungen stehen im Raum. Aufgrund der Inflation hat sich zum Beispiel der Preis für Geflügelfutter verdoppelt, berichtet Alois Simon. Auch die gestiegenen Energiepreise sind zu kalkulieren: „Wir brauchen viel Strom für das Rotlicht, für die Giggerl und die Gänse“, so Franziska.

Umbau kostet 1,4 Millionen Euro

So wie die Eltern über die Jahre hinweg beständig in den Betrieb investiert haben, geht es für die Jungbäuerin weiter. Das alte Bauernhaus wird umgebaut, das wird um die 1,4 Millionen Euro kosten. „Der Zeitpunkt ist nicht der beste für mich“, sagt Franziska angesichts Inflation und steigender Zinsen.

Trotzdem will sie das durchziehen: „Ich will, dass alles sauber aussieht. Außerdem brauchen wir wegen der gesetzlichen Anforderungen mehr Platz für die Metzgerarbeiten.“ Ihr bleibe nichts anderes übrig, um das weitere Bestehen des Hofladens zu sichern. Die Eltern jedenfalls sind sehr stolz auf die Tochter.

Factbox: Frauen auf dem Vormarsch – Generation steht vor „riesigen Herausforderungen“

Die Rosenheimer Kreisbäuerin Katharina Kern hat mit 29 Jahren als dreifache Mutter zusammen mit ihren Mann den Bergbauernhof ihres Onkels in Oberaudorf übernommen. Bereut hat sie diesen Schritt bis heute nicht. „Landwirt ist mehr als ein Beruf.

Man lebt mit den Tieren, der Arbeit und den Jahreszeiten und man ist bei der Familie daheim“, sagt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Während früher die Hofnachfolge in der Regel streng den männlichen Nachkommen vorbehalten gewesen sei, seien heutzutage die jungen Frauen auf dem Vormarsch. „Im Berufsgrundschuljahr Landwirtschaft sind heuer zehn Mädchen, die meisten sind Hofnachfolgerinnen“, sagt sie. Damit liegt der weibliche Anteil in den beiden Klassen bereits bei zirka einem Drittel. „Die Mädchen sind sehr ehrgeizig“, so Kern. Zur Frage, ob es in Zeiten wie diesen besonders schwierig ist, einen landwirtschaftlichen Betrieb zu übernehmen, sagt sie: „Der Ukrainekrieg und die Coronakrise bewirken eher ein Bewusstsein dafür, dass man die Regionen nicht vernachlässigen und sich in einem gewissen Maß selbst behelfen können sollte.“ Das sei eine Chance für die heimische Landwirtschaft. Als die größeren Herausforderungen sehe sie Klimawandel, Umwelt- und Gewässerschutz und die Tatsache, dass die Nutztierhaltung zunehmend in der Kritik stehe. Kern dazu: „Das wird eine riesige Herausforderung für die jungen Leute.“

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