Nach tödlicher Schlägerei in JVA Bernau

Stellvertretender Leiter: "Situation muss sehr schnell hochgefahren sein"

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In der JVA Bernau am Chiemsee starb ein 30-jähriger Häftling nach einer Auseinandersetzung mit einem 48-jährigen Bulgaren.
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Bernau am Chiemsee - Eine körperliche Auseinandersetzung zwischen zwei Häftlingen endete am Donnerstag (15. August) in der JVA Bernau tödlich. Ein 30-Jähriger überlebte die Schläge eines 48-jährigen Mithäftlings nicht. Die Ermittlungen laufen und auch in der JVA Bernau wartet man auf erste Erkenntnisse.

"Es ist äußerst tragisch, was da passiert ist", bedauert auch Oberregierungsrat Clemens Schmid, der stellvertretende Leiter der JVA Bernau am Chiemsee. "Die Situation muss blitzschnell hochgefahren sein", ist er überzeugt. Die beiden Häftlinge sollen beim sportlichen Hofgang aneinander geraten sein. "Es muss sich um eine kurze Situation gehandelt haben, die Justizvollzugsbeamten hatten keine zeitliche Möglichkeit einzugreifen", so Schmid.

Der 30-Jährige wurde dabei zu Boden geschlagen und verstarb trotz eingeleiteter Reanimationsmaßnahmen, berichtet die Polizei. Eine Obduktion soll nun die genaue Todesursache klären. "Solche Vorfälle kommen zum Glück nur sehr selten vor", gibt der Oberregierungsrat Einblick in den täglichen Gefängnis-Ablauf. "Beim täglichen Hofgang sind 100 bis 150 Häftlinge gemeinsam auf dem Hof und auch sonst kommen sie in größeren Gruppen zusammen." Denn 24 Stunden Einzelhaft würde Isolation und somit Folter bedeuten.

Kriminalpolizei Rosenheim und Staatsanwaltschaft Traunstein ermitteln

"Natürlich werden bei bestimmten Erkenntnissen wie einer Psychose, die die Fremdgefährdung mit sich zieht, bestimmte Maßnahmen ergriffen", erläutert Clemens Schmid. "Dann bekommt der Häftling beispielsweise allein Hofgang." Im Fall des 48-jährigen Bulgaren gab es keinerlei Erkenntnisse, dass es zu einer solchen Tat kommen könnte.

"Die Frage, ob einfach ein Streit eskaliert ist oder der mutmaßliche Tatverdächtige die Schläge geplant hat, ist Gegenstand der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft", verweist der stellvertretende JVA-Leiter. Die Ermittlungen laufen, der Tatverdächtige wurde in eine andere Justizvollzugsanstalt verlegt. Sollte er tatsächlich wegen Totschlags verurteilt werden, erwartet ihn eine weitaus höhere Strafe als die, die er gerade absitzt.

In der JVA Bernau sitzen bis zu 820 Häftlinge ihre Strafen ab. Diese sind auf verschiedene Gebäude verteilt. Beim täglichen Hofgang treffen bis zu 150 Häftlinge aufeinander. "In meiner Dienstzeit ist bis jetzt so etwas tragisches nicht passiert", bedauert Clemens Schmid erneut. Ihm ist wie allen Mitarbeitern der JVA an einer schnellen Aufklärung des Falls gelegen.

cz

Quelle: rosenheim24.de

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