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36-Jähriger vertritt die Region in Berlin

Bär ist pro Wolf: Rosenheimer Grünen-Abgeordneter über das Raubtier und den Brenner-Nordzulauf

Wird für die Grünen die Region Rosenheim betreuen: Karl Bär. Joerg Farys
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Wird für die Grünen die Region Rosenheim betreuen: Karl Bär. Joerg Farys

Er bezeichnet die Bundesrepublik als Wolfsland, schließt aber bei Problem-Wölfen einen Abschuss nicht kategorisch aus: Karl Bär vertritt den Raum Rosenheim als Grünen-Abgeordneter im Bundestag. Mit den OVB-Heimatzeitungen sprach der 36-Jährige unter anderem über das Raubtier und den Brenner-Nordzulauf.

Rosenheim – Sein „halbes Leben“, wie er sagt, seit 2004, ist Karl Bär bei den Grünen, die er seit 2011 als Sprecher auf Bundesebene repräsentiert. Bär sorgte mit seiner Plakat-Aktion gegen den Pestizid-Einsatz der Obstbauern in Südtirol für großes Aufsehen und zog sich eine Anzeige wegen übler Nachrede ein. Im September zog der 36-Jährige in den Bundestag ein, und zwar für den Wahlkreis Bad Tölz-Wolfratshausen/Miesbach. Weil die Grünen aber auch die Regionen betreuen wollen, aus denen kein Kandidat in den Bundestag einzog, soll sich Bär zusätzlich um die Region Rosenheim kümmern, nicht zuletzt in seiner Eigenschaft als Obmann im Ausschuss für Ernährung und Landwirtschaft. Mit den OVB-Heimatzeitungen hat er über seine Ziele gesprochen.

Bauern sind eine anspruchsvolle Klientel. Und Sie hatten zwar mit Agrarpolitik und haben Agrarwissenschaft studiert, hatten aber nie einen eigenen Bauernhof. Wie wollen Sie das ausgleichen?

Karl Bär:„Die Bauernschaft ist eine sehr diverse Gruppe. Mit den Bauern hier im Landkreis Miesbach habe ich schon engen Kontakt, auch nach all den Jahren in der Kommunalpolitik. Und mit unserem Obmann im Bauernverband hier in Holzkirchen, der für die Grünen im Gemeinderat sitzt – da kommt man zusammen. Miesbacher und Tölzer Bauern habe ich auch zu einer Abgeordnetenfahrt nach Berlin eingeladen, ich versuche, Kontakt mit den Leuten vor Ort zu halten. Ich möchte vermitteln, so dass die Leute in Berlin einen differenzierten Blick auf die Anliegen der Menschen hier werfen. Aber ich bin schon eher Öko als Landwirt.“

Jetzt haben Sie von den Bauern im Bereich Miesbach und Tölz gesprochen. Was werden Sie für die Rosenheimer Bauern tun?

Bär:„Es gab vergangene Woche einen Termin vom Bauernverband. Da ging es um den Brenner-Nordzulauf. Da waren eine Menge Leute eingeladen, auch der Ates (Gürpinar, Anmerkung der Redaktion) von der Linken. Ich hatte da keine Zeit, aber wir haben schon vereinbart, dass wir uns demnächst kennenlernen.“

Was wissen Sie denn vom Brenner-Basistunnel?

Bär:„Sie haben vielleicht mitbekommen, dass ich in den vergangenen Jahren beruflich öfter in Südtirol zu tun hatte?“

Allerdings, wegen Ihres Pestizid-Streits mit den Apfelbauern dort.

Bär:„Demnächst fahre ich wegen eines Gerichtstermins wieder nach Bozen. Ich bin die Strecke durchs Inntal, nach Innsbruck und Bozen, sehr oft gefahren, sowohl mit dem Zug, als auch mit dem Auto. Da fährt man an der Baustelle für den Tunnel vorbei.“

Wie fahren Sie demnächst runter, mit dem Zug oder dem Auto?

Bär:„Mit dem Auto, das ist anders nicht machbar, weil ich davor noch in Berlin bin. Ich verpasse wegen des Termins dort ohnehin anderthalb Sitzungstage im Bundestag. Ich fahre mit dem Zug nach München und fahre über Nacht nach Bozen, damit ich den Termin dort um 9 Uhr morgens schaffe. Schauen wir mal, ob der Zeuge, der der einzige ist, der seine Anzeige aufrechterhält, überhaupt kommt. Aber was ich damit sagen wollte, ist, dass ich die Strecke kenne. Wenn man mit dem Auto anreist, fährt man manchmal an Lkw-Schlangen von Dutzenden Kilometern Länge entlang. Also – es geht kein Weg daran vorbei, dass wir diese Zugstrecke ausbauen. Die Italiener und Österreicher bauen mit EU-Geld, also auch mit unseren Steuergeldern, den Brenner-Basistunnel. Da können wir als Bundesrepublik uns anschließend nicht die Blöße geben und sagen, wie man von München nach Kufstein kommt, also, darüber haben wir uns noch keine Gedanken gemacht. Es ist hundertprozentig sicher, dass dieser Tunnel gebaut wird, es ist ebenfalls hundertprozentig sicher, dass wir irgendwie dafür sorgen werden, dass die Anbindung klappt.“

Das man darf als „Ja“ zum Ausbau des Brenner-Nordzulaufs werten?

Bär:„Ja. Da gibt es in meinen Augen auch keinen politischen Streit mehr. Das wird passieren.“

Stehen Sie dazu im Austausch mit unseren regionalen und lokalen Grünen, die eher der Meinung sind, es bräuchte das Ganze nicht?

Bär:„Ich war mit den Rosenheimer Grünen im Gespräch, bin aber eigentlich nie auf Leute gestoßen, die mich für diese Position angegriffen haben. Vergangene Woche war Kreisversammlung, da habe ich mit denen eineinhalb Stunden lang über alles Mögliche gesprochen. Da ging‘s ums Impfen, Landwirtschaft, Energiewende. Aber nicht um den Brenner-Nordzulauf. Sie werden auch im Koalitionsvertrag finden, dass der Brenner-Nordzulauf ein Projekt ist, das vorangetrieben werden muss. Und Sie werden nicht viele Verkehrsprojekte in diesem Koalitionspapier finden. Das ist hoch angesiedelt.“

Wollen Sie sich in dem Thema noch engagieren?

Bär:„Man muss mit den Leuten reden und einen Weg finden, wie man das Projekt so umsetzen kann, dass es möglichst gut funktioniert und vor Ort akzeptiert wird. Da ist schon noch eine Aufgabe, die bleibt. Es ist ja auch eine Tatsache, dass das Inntal eng ist. Es ist eine geographische Tatsache, da braucht man nicht drum rumreden.“

Der Brennerbasistunnel ist Ihrer Meinung nach für die Klimawende wichtig. Doch akzeptabel für viele Menschen hier wird er allenfalls durch Tunnel, die wiederum schlecht für den Klima-Schutz sind, ein amderes grünes Spezialthema.

Bär:„Stopp! Der Klimaschutz ist kein grünes Spezialfeld. Wenn wir wollen, dass unsere Kinder etwas anderes als Hunger und Krieg erleben, müssen wir alle das Klima schützen. Wenn die SPD beim Klimaschutz nicht mitmacht, dann erleben auch die Kinder von SPD-Wählerinen und Wählern ihr ganzes Leben lang nichts als Hunger und Krieg.“

Allerdings vertreten Sie als Bundestagsabgeordneter Themen, die sich manchmal beißen – etwa Klimaschutz und Wirtschaft, oder vielmehr Wirtschaftlichkeit. Siehe Brenner-Nordzulauftunnel.

Bär:„Ich sehe das Dilemma ja auch. Als Abgeordneter für die weiter gefasste Region sage ich, das soll nicht am Geld scheitern. Ich werde mich dafür einsetzen, dass für ein Projekt, das so wichtig ist wie der Brennerbasistunnel, etwas mehr investiert wird. Damit es besser funktioniert. Aber ich werde mich nicht hinstellen und sagen, dieses Projekt wird es nicht geben, weil der Widerstand in der Region so groß ist.“

Wenn die Tunnel sehr klimaschädlich sind, wird dann Ihre Entscheidung gegen die Tunnel ausfallen?

Bär:„Ich glaube, eher nicht. In der Summe müssen wir darauf achten, dass das Projekt fertig wird. Dass da Lastwagen an Lastwagen an Lastwagen in Richtung Brenner fährt, ist weder für Anwohner noch im Hinblick auf den Klimaschutz tragbar. Wenn wir irgend einen Tod sterben müssen, dann müssen wir die Tunnel bohren. Weil wir sonst das Risiko laufen, dass das Projekt nicht gebaut wird.“

In Rosenheim gibt es noch mehr interessante Themenfelder für Sie. Müssen wir davon ausgehen, dass der Bär dem Wolf hilft?

Bär:„Wir sind ein Wolfsland. Wer erwartet, dass wir hier eine wolfsfreie Zone machen, hat nicht meine Unterstützung. Wir haben die ökologischen Bedingungen, dass hier Wölfe leben können. Früher haben hier auch Wölfe gelebt. Es wird hier auch immer wieder ein Wolf vorbeikommen, es werden sich vielleicht sogar Wölfe hier niederlassen. Es gibt Gegenden in der Schweiz und in Italien, wo schon länger Wölfe leben, auch landwirtschaftlich genutzte. Das muss sich also nicht ausschließen. Wenn wir das akzeptieren, dann können wir auch akzeptieren, dass wir ab und an einen Wolf, der Probleme macht, erschießen.“

Zwei Wölfe in einem Wildpark-Freigehege. Karl Bär von den Grünen glaubt daran, dass die Raubtiere hier eine ständige Heimat finden können. Er schließt allerdings auch nicht aus, dass Wölfe, die Probleme machen, abgeschossen werden können.

Das ist recht pragmatisch gedacht. Ist das auch Ihr Stil insgesamt?

Bär:„Wäre ich nicht auch Pragmatiker und Realpolitiker, dann wäre ich nicht im Bundestag.“

Welches Thema aus unserem Bereich wollen Sie als Bundestagsabgeordneter angreifen?

Bär:„Ich habe mich mit der Gasbohrung in Halfing beschäftigt. Die ist zwar inzwischen adacta gelegt. Aber ich werde mich am Rande, weil ich hauptsächlich ja mit Agrarpolitik zu tun habe, mit der Reform des Bergrechts beschäftigen, die ja auch in unserem Koalitionsvertrag festgeschrieben ist. Auch in Holzkirchen ist man auf größere Gasblasen gestoßen, die man eigentlich nicht abbauen muss, wenn es nach mir geht. Und daher wollen wir das deutsche Bergrecht mit seinem unglaublich starken Vorrecht für Unternehmen, Bodenschätze auch gegen große Vorbehalte auszubeuten, ändern.“

Was unternehmen Sie in der Region als Nächstes?

Bär:„Demnächst werde ich mir den Simssee anschauen.“

Schön dort...

Bär:„Aber auch dieser See ist in ökologischer Sicht nicht völlig intakt. Ich werde mir erklären lassen, was man da machen kann. Dort bestehen auch Konflikte mit der Landwirtschaft. Man muss sehen, was man da machen kann, dass der See weiterhin funktionieren kann.“

Blickpunkt Erdgasförderung in Halfing

Über die Entscheidung des Konzerns Wintershall Dea, Gasbohrungen bei Halfing nicht weiter zu verfolgen (wir berichteten), zeigte sich Karl Bär erleichtert und hofft nun auf eine Modernisierung des Bergrechts. Bär: „Ein zeitgemäßes Bergrecht priorisiert die Interessen von Mensch und Umwelt, nicht die Interessen der fossilen Konzerne.“

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