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Damit Insekten nicht verenden

Appell an die Wasserburger Unternehmen: „22 Uhr: Licht aus!“

Wasserburg bei Nacht: Gebäude wie das Parkhaus an der Roten Brücke sollen weniger hell erstrahlen, hat der Umweltausschuss beschlossen.
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Wasserburg bei Nacht: Gebäude wie das Parkhaus an der Roten Brücke sollen weniger hell erstrahlen, hat der Umweltausschuss beschlossen.

Sie macht keinen Lärm und keine unangenehmen Gerüche: Lichtverschmutzung tut auch nicht weh. Sie ist trotzdem ein großes Problem, ist der Verein Gemeinwohl-Ökonomie überzeugt. Er möchte im Wasserburger Land für die Thematik sensibilisieren. Und hat ein ehrgeiziges Ziel: „22 Uhr: Licht aus!“

Wasserburg – Sie macht keinen Lärm und keine unangenehmen Gerüche: Lichtverschmutzung tut auch nicht weh. Sie ist trotzdem ein großes Problem für Menschen, Tiere und Pflanzen, ist der Verein Gemeinwohl-Ökonomie überzeugt. Die Regionalgruppe Altlandkreis Wasserburg möchte für die Thematik sensibilisieren. Und hat ein ehrgeiziges Ziel: „22 Uhr: Licht aus!“ Dabei setzt der Verein auch auf die Unterstützung der Betriebe.

Hell beleuchtete Schaufenster, Parkhäuser, die auch nachts erstrahlen wie ein Christbaum zu Weihnachten, Firmen, die mit überdimensionalen Leuchtreklamen an der Fassade auf sich aufmerksam machen, Supermärkte, deren Parkplätze selbst zu später Stunde so hell sind, als sei es Tag: Ein Drittel der Lichtverschmutzung wird laut einer Wiener Studie durch gewerbliche Werbe- und Außenbeleuchtung verursacht, berichtet Gemeinwohl-Ökonomie-Koordinator Albert Bernstetter. Obwohl Kommunen wie Wasserburg der Lichtverschmutzung den Kampf angesagt haben, nimmt die Beleuchtungsstärke vielerorts weiter zu, ergänzt Judith Landes. Die Agrarwissenschaftlerin aus Halfing ist Trainerin und Moderatorin bei Fortbildungen und Veranstaltungen zum Thema Artenschutz.

Lampen ziehen Insekten magisch an

Dieser wird nach ihren Erfahrungen auch durch die Lichtverschmutzung gefährdet. Denn Lampen ziehen nachts die Insekten an. Eine normale Straßenlaterne leuchte bis zu 15 Mal heller als der Vollmond, warnt Landes. Sie bringe die Insekten aus dem Tritt, gaukele ihnen den Tag vor, obwohl es Nacht sei, berichtet sie. Die Insekten fliegen die Lichtquelle an, umkreisen sie so lange, bis sie vor Erschöpfung verenden, erklärt die Expertin. Doch auch Pflanzen leiden unter der Dauerbestrahlung, warnt sie. Das sei beispielsweise an Bäumen zu erkennen, die oft in der Nähe von Beleuchtungskörpern im Herbst das Laub nicht abwerfen würden, obwohl dafür eigentlich die Zeit reif sei. Amphibien, Vögel und Fische würden bei der Jagd und Reproduktion beeinträchtigt, ergänzt Landes. Sie weist außerdem darauf hin, dass auch der Mensch die Dauerbestrahlung schwer wegpacke: Der Biorhythmus werde gestört, wenn beispielsweise die Straßenlaterne nachts regelmäßig ins Schlafzimmer scheine.

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Eindrucksvoll zeigen nach Angaben von Bernstetter und Landes Bilder aus dem All, dass es auf dem Blauen Planeten heutzutage kaum noch Nacht ist. Das liege auch an den neuen LED-Lampen – sie seien energiesparend, was grundsätzlich zu begrüßen sei. Doch es entstehe das Gefühl, Beleuchtung koste nichts.

Jeder ist also gefragt, etwas zu tun. Auch Unternehmen, findet Bernstetter. Denn sie hätten oft die Chance, das Licht einzudämmen – durch den Einsatz von Bewegungsmeldern, durch intelligente Beleuchtungskonzepte, durch den Austausch von Lampen, die in alle Richtungen strahlen, durch Leuchten, die punktuell ausgerichtet sind, nennt er als Beispiele.

Zieht Insekten an, die im Lichtschein verenden: eine Lampe.

Betriebe und Firmen schlagen, auch wenn das Sprichwort beim Thema Artenschutz nicht ganz passend ist, zwei Fliegen mit einer Klappe, findet der Sprecher der Gemeinwohl-Ökonomie im Wasserburger Land. Setzen Firmen auf weniger Licht, fördern sie den Artenschutz und senken den Energieverbrauch. Und profilieren sich in einem Faktor, der heute das Image von Unternehmen stark positiv beeinflusst: als Förderer der Nachhaltigkeit.

Mit einem Workshop wollen Bernstetter, sein Kollege Werner Furtner und Landes Unternehmen im Wasserburger Land nun für diese Thematik sensibilisieren.

Experte der „Paten der Nacht“

Sie haben einen Experten an Bord: Manuel Philipp, Initiator des Projekts „Paten der Nacht“ und Träger der bayerischen Umweltmedaille. Er wird im Online-Workshop am Montag, 14. März, von 13 bis 16 Uhr nicht nur die Möglichkeiten aufzeigen, wie Licht eingespart werden kann, sondern anhand von Fotos auch an konkreten Beispielen zeigen, was geht. Betriebe können mit eigenen Bildern aus dem Unternehmen teilnehmen und sich im Online-Seminar beraten lassen.

Was ist mit dem Sicherheitsgefühl?

„Es funktioniert“, sagt Bernstetter, es gebe viele kleine Mosaiksteinchen, die dazu beitragen könnten, dass die Lichtverschmutzung abnehme. Natürlich gebe es da noch das Sicherheitsbedürfnis. Doch bei allem Bemühen darum, keine dunklen Ecke zu schaffen, die Menschen beunruhigen könnten, stehe fest: „Ein Firmenparkplatz muss nachts um 3 Uhr nicht hell erleuchtet sein. Auch die Fassade muss nach Mitternacht nicht mehr die Passanten beeindrucken. Schaufensterbummel um 2 Uhr: Das macht auch kaum einer. Da sind nur noch Nachtschwärmer unterwegs.“

Der Verein hat sich ein Ziel gesetzt: „22 Uhr: Licht aus!“ Wenn das immer öfter verwirklicht werde, könnten die Wasserburger nachts auch endlich wieder die Sterne sehen – in voller funkelnder Pracht.

Anmeldung zum Workshop

Artenvielfalt fördern: Vier Veranstaltungen hat der Verein Gemeinwohl-Ökonomie dazu auf die Beine gestellt. Zwei haben schon stattgefunden, das 4. vituelle Forum widmet sich dem Kampf gegen die Lichtverschmutzung. Es richtet sich an Unternehmen, die sich hier einsetzen wollen. Anmeldung ist bis zum 11. März unter albert.bernstetter@ecogood.org möglich. Der Workshop findet online über Zoom statt, der Account wird nach der Anmeldung verschickt.

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