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Emotionale Diskussionen im Ameranger Gemeinderat

Amerang steigt aus: Zukunft der Mittelschule Eiselfing hängt am seidenen Faden

Die Zukunft der Grund- und Mittelschule in Eiselfing sorgt schon seit geraumer Zeit für viel Diskussionsstoff.
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Die Zukunft der Grund- und Mittelschule in Eiselfing sorgt schon seit geraumer Zeit für viel Diskussionsstoff.

Der Gemeinderat hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht - und gegen den Neubau der Mittelschule in Eiselfing gestimmt. So geht es jetzt weiter.

Amerang – „Wie soll es mit der Mittelschule Eiselfing weitergehen“ – diese Frage beschäftigt auch den Gemeinderat Amerang bereits seit geraumer Zeit. Als Teil des Schulverbands Amerang-Eiselfing-Schonstett liegt die Weichenstellung für die Zukunft der Mittelschule Eiselfing auch in Ameranger Hand. Der Rat hat sich seine Entscheidungen nicht leicht gemacht. Das wurde auch an intensiven Diskussion deutlich. Im Hinblick auf die langjährige enge schulische Verknüpfung setzt die Gemeinde Amerang, laut Bürgermeister Konrad Linner (GLA) weiterhin auf die vertrauensvolle Zusammenarbeit der drei Gemeinden. Deshalb brauche es ein klares Votum, um der Gemeinde Eiselfing Planungssicherheit zu verschaffen.

Gemeinde Eiselfing ist Besitzer

Dazu gehöre auch die Vermögensauseinandersetzung für die im Eigentum des Schulverbands stehenden Grundstücke und das darauf befindlichen Schulgebäude eingeleitet werden. Die Gemeinde Eiselfing wäre dann künftig der Besitzer und der Schulverband Mieter. Die alles entscheidende Frage war nun aber, ob Amerang der künftigen Beschulung der Schüler aus ihrem Gemeindegebiet in einem Neubau verbindlich zustimmt?

Denn das war die Grundvoraussetzung dafür, dass weitere Planungen mit dem Ziel eines Schulneubaus in Auftrag gegeben werden. Die Kosten für einen Neubau wurden im Juli letzten Jahres grob auf rund 20 Millionen Euro geschätzt. „Die aktuellen Preissteigerungen, die im Bereich zwischen 20 und 40 Prozent liegen könnten, sind dabei nicht berücksichtigt“, macht Kämmerer Anton Görgmayr die Baukostenunsicherheit deutlich.

Emotionale Debatte im Gremium

Bei der emotional geführten Diskussion rückten die Befürworter des Neubaus, Markus Keller, Christian Staber, Simon Strell, Sebastian Stadler (alle CSU) und Franz Oberloher (FW Kirchensur), die langjährige gute Arbeit mit der Eiselfinger Schule in den Fokus. Sie sprachen sich für den Erhalt kleinerer Mittelschulstandorte und für einen „Vertrauensvorschuss für die Gemeinde Eiselfing aus. „Das sollten uns unsere Kinder wert sein“, lautete der einhellige Tenor.

Allerdings ging es auch um den verantwortungsvollen Umgang mit Steuergeldern. „Deshalb sollten wir eine Betragsobergrenze festlegen“, brachte Keller die Meinung der Befürworter auf den Punkt.

Mit dem Neubau habe der Mittelschulverband dann ein neues Gebäude, in das lange Zeit nichts mehr investiert werden müsste. „17 Millionen für eine neue Schule stören mich nicht, zumal es nicht sicher ist, ob die anderen Mittelschulen beispielsweise nach dem Zuzug der Flüchtlinge aus der Ukraine noch ausreichend Kapazitäten haben. Aber die enthaltenen Millionen für Container müssen gespart werden“, fand Strell.

Deshalb solle versucht werden, die Schüler während der Bauphase in andere Schulhäuser auszulagern. „Die Kosten sind sehr hoch und werden uns lange beschäftigen“, sagte Staber.

Deshalb sei seine Wunschlösung auch die Teilsanierung gewesen. Nun müsse man entscheiden: Neubau oder Schulsprengeländerung. Und hier spreche er sich klar für den Schulstandort Eiselfing aus. „Was passiert denn, wenn die Baukosten während der Bauphase deutlich höher werden? stellte Wolfgang Wittwer (FW Kirchensur) die diskutierte Betragsobergrenze infrage und brachte damit die Bedenken vieler Räte im Hinblick auf die unberechenbaren Preissteigerungen zum Ausdruck. Steige man dann in der Planungsphase aus, wenn bereits immense Kosten für die Planung angefallen seien? Das bringe eine erneute Unsicherheit und setze die Gemeinde Eiselfing unter Druck.

„Wir planen die Zukunft unserer Gemeinden. Diese Entscheidung beschäftigt unsere Kinder und Enkelkinder über die nächsten 50 Jahre“, betonte Andreas Schauberger (GLA). Schulkultur verändere sich. Drei Mittelschulen so eng beieinander sei nicht zukunftsweisend.

Sorgsamer Umgang mit Finanzen

„Ob das neue Schulgebäude 15 oder 20 Millionen kostet – das Geld wird in ein neues Gebäude gesteckt, kommt aber nicht bei den Schülern an und hat keinen pädagogischen Mehrwert“, stellte Mathias Schmid (GLA) heraus. Man müsse mit dem Geld der Steuerzahler sorgfältig umgehen und diese Investitionskosten seien nicht zu rechtfertigen, wenn es drei Kilometer weiter eine gut geführte Schule in einem modernen Schulgebäude gebe.

Der Gemeinderat habe sich intensiv mit dem pädagogischen Konzept der Mittelschulen Schnaitsee und Wasserburg auseinandergesetzt. Beides seien gute Schulen. Die MS Wasserburg habe den Vorteil, dass sie ein breites Bildungsangebot mit vielen Fördermöglichkeiten, beispielsweise einer Praxisklasse, bieten könne. „Eine kleine Schule ist nicht automatisch ein Vorteil“, schloss sich Annemarie Linner (GLA) an. Wichtig seien die entsprechenden Angebote für eine optimale Entwicklung der Kinder.

Schwierige Entscheidung

„Die Fakten sprechen eine klare Sprache, aber es ist eine schwierige Entscheidung“, brachte Christl Kerstens (GLA) die Gefühlslage der Räte auf den Punkt. Sie sei davon überzeugt, dass der Erhalt der MS Eiselfing keinen Vorteil für die Kinder habe. Schnaitsee und Wasserburg seien ausgezeichnete Schulen in unmittelbarer Nähe. „Ein Neubau birgt eine unwägbare Kostenentwicklung, wäre aber wohl der konfliktfreiere Weg. Das sollte aber nicht Grundlage unserer Entscheidung sein“.

Mit 9 zu 5 Stimmen entschied sich der Gemeinderat Amerang gegen einen Schulhausneubau für die Mittelschule Eiselfing. Die Zusammenarbeit endet jedoch nicht abrupt. Konrad Linner und Eiselfings Bürgermeister Georg Reinthaler vereinbarten, die Schäden am Dach des Schulhauses soweit zu sanieren, dass die Statik um einige Jahre verlängert werden kann und die Gemeinde Eiselfing einen angemessenen Zeitraum für ihre weiteren Planungen hat. Parallel dazu sollen Beratungen zu einer Schulsprengeländerung im Schulverbund Wasserburger Land auf den Weg gebracht werden.

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So machen es Rott und Bad Endorf

Um eine Entscheidungsgrundlage für oder gegen den Neubau der Mittelschule Eiselfing zu haben, hat die Verwaltung Auskünfte zu entsprechenden Vergleichswerten von aktuellen Mittelschul-Neubauprojekten in Bad Endorf und Rott eingeholt. Auch hier sind mögliche Preissteigerungen allerdings noch nicht eingerechnet.

Für den Neubau der Schule Bad Endorf erfolgt die Umlegung der baubezogenen Kosten ohne Investitionskostenumlage allein über die jährliche Schulumlage. Diesem Verfahren hat die Gemeinde Halfing mit der Maßgabe zugestimmt, dass die Baukosten für den Mittelschulgebäudeanteil sich im Bereich des Kostenschätzwertes von 17.795.000 Millionen Euro bewegen. Anhand der aktuellen Schülerzahlen ergäbe sich aus dem Neubauvorhaben eine Erhöhung des Umlageaufkommens für die Gemeinde Halfing von gerundet 1.850 Euro pro Schüler jährlich.

Für den Neubau der Schule in Rott erfolgt die Umlegung der baubezogenen Kosten teilweise durch eine Investitionskostenumlage in Höhe von 3.971 Euro je Schüler. Zusätzlich wird über die jährliche Schulumlage ein jährlicher Mietbetrag von 1.460 Euro je Schüler zugrunde gelegt.

Aus Sicht der Verwaltung wurde eine vollständige Umlegung der Gebäudekosten des Neubaus der Schule Eiselfing auf Umlageaufwand vergleichbar der Regelung für die Schule in Bad Endorf vorgeschlagen. Soweit dieser mit ebenso mit 1.850 Euro angesetzt wird, hätte die Gemeinde einen künftigen Umlageaufwand von circa 4.700 Euro zu tragen.

Bei aktuell etwa 50 Schülern entspräche dies einem jährlichen Gesamtumlageaufwand von circa 235.000 Euro. Bei der aktuellen Kostenunsicherheit sollte in Betracht gezogen werden, ob die Zustimmung zur Begrenzung des Kostenrisikos mit einem Höchstbetrag des künftigen jährlichen Umlagebetrages beziehungsweise anteiligen Gebäudekostenanteils je Schüler verbunden wird. Zum Vergleich würde bei einer bereits diskutierten Beschulung an der Mittelschule Wasserburg lediglich ein Aufwand von 145.000 Euro jährlich anfallen.

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