„Alpendom“ spaltet das Inntal

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Niederndorf/Oberaudorf - Für Georg Dudek von der Bürgerinitiative „Inntalgemeinschaft“ ist es eine „absurde und überflüssige Idee“, Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber steht weiter dahinter: Der geplante „Alpendom“ sorgt im Inntal für heftige Diskussionen.

Auf dem Gebiet der Tiroler Gemeinde Niederndorf soll nahe der Innstaustufe ein 40 Meter hoher Holzbau die „Sehnsucht nach den Gipfeln“ wecken – so der Untertitel des bayerisch-tirolerischen Projekts Erlebnisbereiche und interaktive Stationen im Inneren der Anlage könnten die Besucher – geschätzt werden 50.000 jährlich – für die Schönheiten der Region begeistern. Im Außenbereich sind Kletterwände sowie eine Hängebrücke als Verbindung nach Bayern vorgesehen.


Neben den beiden Standortgemeinden Niederndorf und Oberaudorf sehen die Planungen auch die Einbeziehung der Gemeinden Ebbs und Kiefersfelden zusammen mit dem Ferienland Kufstein vor. Sollten sich alle vier Gemeinden für das Projekt entscheiden und die erhofften Zuschüsse fließen, könnte die Anlage bereits 2011 eröffnet werden. Die Kosten werden auf 3,8 Millionen Euro veranschlagt, wovon 2,3 Millionen Euro aus Fördermitteln bestritten werden sollen.

In Niederndorf gibt es bereits einen positiven Gemeinderatsbeschluss. Bürgermeister Christian Ritzer sieht in der Anlage Chancen zur Stärkung der regionalen Wirtschaft. Das einmalige „Leuchtturmprojekt“ lenke die Aufmerksamkeit auf das gesamte Inntal. Auch bei den Kosten sieht Ritzer wenig Probleme: Nach der gemeindlichen Startbeteiligung - jeweils 250.000 Euro - soll sich die Attraktion selber tragen. Durch die bereits vorhandene Infrastruktur am geplanten Standort stehe das Projekt auch nicht im Widerspruch zum Konzept des „sanften Tourismus“. Lediglich das Angebot an Parkplätzen müsse erweitert werden, so Ritzer.


Auf einer Infoveranstaltung am 22. Januar möchte Oberaudorfs Bürgermeister Hubert Wildgruber den „Alpendom“ den Bürgern vorstellen. „Vorschnelle Kritiker sollten sich zuerst genauer mit den Plänen befassen, die immerhin die Wirtschaft in der ganzen Region beleben können“, betont Wildgruber. Mit der Freizeitanlage soll keine Landschaft zerstört werden, vielmehr beabsichtige man eine Hinführung zur Natur.

In Kiefersfelden wird sich der Gemeinderat in Kürze mit den Planungen beschäftigen. Bürgermeister Erwin Rinner will einer Entscheidung des Gremiums nicht vorgreifen, sieht aber durchaus die Chancen der Freizeitanlage: „Wir müssen aber realistisch sein, vor allem bei der Frage der Finanzierung.“

Keine schnelle Entscheidung wird es voraussichtlich in Ebbs geben. Erst nach den Gemeinderatswahlen am 14. März soll sich das neue Gremium damit befassen. Wichtig sei jetzt, sich die Zeit für die Diskussion zu nehmen und die Umsetzbarkeit des Konzepts zu prüfen, so Bürgermeister Josef Ritzer.

Der „erste vertikale Freizeitpark Europas“ stößt aber nicht nur auf Zustimmung. Vehement gegen das Projekt wendet sich Georg Dudek von der Inntalgemeinschaft: „Das ist eine absurde und überflüssige Idee. Ein gewerbeartiger Industriebau dieser Größenordnung würde die einmalige Landschaft nur verunstalten.“ Dudek bezweifelt auch die Langfristigkeit des Projekts. Die Region mit ihren vielen Naturschönheiten benötige keine künstlichen Erlebniswelten. Die Planungen führten das Landschaftsschutzgebiet Inntal ad absurdum, so Dudek.

In Kiefersfelden bereiten junge Bürger derzeit eine Initiative vor, um die Beteiligung des Ortes zu verhindern. Geplant ist eine Protestbriefaktion. Neben der Befürchtung, das Projekt könnte schon zu Beginn deutlich mehr als die veranschlagten 250.000 Euro pro Gemeinde benötigen, sehen die Kritiker auch die Gefahr von Folgekosten. Kreis- und Gemeinderat Roland Schmidt (SPD) stört die fehlende Beteiligung der Gemeinde Kiefersfelden an der Entwicklung des Projekts in den vergangenen zwei Jahren. Angesichts der angespannten kommunalen Finanzsituation sieht er eine Beteiligung skeptisch.

Die Bürgergemeinschaft Pro Oberaudorf wünscht sich eine ehrliche Information, die offen die Details und Risiken der grenzüberschreitenden Anlage anspricht. Nicht der Rat, sondern die Bevölkerung solle über die Realisierung des Millionenprojekts entscheiden.

mc/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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