AKW-Laufzeitverlängerung contra Sofortausstieg

+
 von links: Prof. Dr. Klaus Buchner,

Rosenheim - Mit viel Detailwissen widmete sich der Atomphysiker Prof. Klaus Buchner der aktuellen Diskussion um die Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken.

Anhand vieler Störfallbeispiele aus dem In- und Ausland, auch in jüngster Vergangenheit, warnte der ehemalige Uniprofessor und derzeitige ÖDP-Vorsitzende Buchner vehement vor einer Laufzeitverlängerung. Er belegte seine Aussage mit genauen Daten und Faktenwissen. „Gerade die älteren Siedewasserreaktoren wie Isar 1 und Brunsbüttel sind besonders unsicher, da die Schweißnähte bei diesem Typ den hohen Belastungen nicht zuverlässig genug standhalten. Hier ist es in der Vergangenheit schon zu gefährlichen Situationen gekommen“, gab Buchner zu bedenken. Auch gegen Flugzeugabstürze seien diese wegen der zu dünnen Außenwand nicht genug abgesichert. Biblis B sei von allen Reaktoren, die in einer OECD-Studie von 1997 erfasst wurden, mittlerweile sogar der unsicherste Reaktor weltweit. Bereits im Normalbetrieb verursache ein deutsches Atomkraftwerk deutliche Schäden. „Im Umkreis von 5 Kilometern um so ein AKW erkrankten laut einem Gutachten 76 % mehr Kinder an Blutkrebs.“, betonte Buchner. „Da drängt sich schon die Frage auf, warum die Kraftwerksbetreiber und verantwortlichen Politiker so an dieser Risikotechnik festhalten.“, meinte Buchner. Eine Erklärung liefern die lukrativen Steuervergünstigungen für die Betreiber der AKWs. Mit jährlich 3 – 4 Milliarden Euro werde die Atomenergie subventioniert. „Bei großen Unfällen tragen das Risiko ohnehin die Betroffenen“, denn ein zu erwartender Schaden von 10-20 Billionen Euro kann auch aus Steuermitteln nicht entschädigt werden – abgesehen von den Krankheiten und Todesfällen. Die Haftpflicht decke nur Schäden bis 2,5 Mrd. Euro. Nur durch die Subventionen seien die AKWs offensichtlich für die Betreiber interessant, meinte Buchner. Mit den hohen Parteispenden der Netzbetreiber an die Regierungsparteien seien ja auch Erwartungen verbunden. Bei der Klimadiskussion werde immer auf den Atomstrom als notwendige Brückentechnologie verwiesen. Dabei betrage der Anteil dieser Energie nur ca.3 % der weltweiten Energieproduktion. „Als Brückentechnologie wird Atomkraft sicher nicht gebraucht“, resumierte Professor Buchner und ergänzte: „ Im Jahr 2009 waren 2 AKWs ganz abgeschaltet und die Strommenge, wie sie zwei weitere AKWs erzeugen, wurde ins Ausland exportiert.“ Trotzdem habe eine Überproduktion nicht verhindert werden können. Das Zurückfahren der Einspeisevergütung ab Juni 2010 verzögere jetzt den Ausbau der erneuerbaren Energien unnötig. Diese seien aber einer der Pfeiler einer echten ökologischen Energiewende. Mindestens ebenso wichtig sei es aber, die enormen Einsparmöglichkeiten zu nutzen und effizientere Technik zu fördern. Dies lasse sich nur mit ausreichend politischem Willen erreichen. Die ÖDP stehe für den raschestmöglichen Ausstieg aus der Atomenergie. Aber auch jeder Einzelne könne durch Wechsel seines Stromanbieters die Nachfrage nach Atomstrom deutlich reduzieren. In der anschließenden Diskussion wurde deutlich, dass die Zuhörer sich den Ausführungen Buchners anschlossen.


Christine Mehlo-Plath

Quelle: rosenheim24.de

Kommentare