Irrer Vorwurf im Netz

Zu viel Rot auf der Wetterkarte? AfD wittert Manipulation - ARD und Wetterdienst reagieren

+
AfD-Mann Jan Nolte - Ein "schiefer Vergleich".

Die AfD fühlt sich von der Tagesschau manipuliert, weil auf Wetterkarten während Hitzeperioden Deutschland rot gefärbt ist. Auch ein CDU-Minister springt auf den Zug auf. Doch die AfD muss zurückrudern.

München - Die AfD und der Klimawandel - eine unendliche Geschichte, die teils beinahe unfassbare Blüten treibt: Von AfD-Verbänden wird derzeit eine angeblich ideologisch besetzte Wetterkarte der „Tagesschau“ im Netz geteilt. Die Politiker stoßen sich an der vermeintlich neuerdings manipulativen grafischen Aufbereitung der Temperaturen.

Auf dem verbreiteten Bild sind zwei Wetterkarten zu sehen - eine soll aus 2019 stammen und ist fast gänzlich rot. Die zweite Karte - angeblich aus dem Jahr 2009 - zeigt eine gelbe Sonne über dem weitgehend grünen Deutschland. Über der Grafik prangt der Satz: „Fühlen Sie sich manipuliert?“. Die Fotomontage wurde vom AfD-Bundestagsabgeordneten Jan Nolte gepostet und von AfD-Verbänden munter geteilt. Die Botschaft: Die ARD versuche mit einer rot gefärbten Wetterkarte eine angebliche Klimahysterie anzuheizen.

Tagesschau-Wetterkarte: Deutscher Wetterdienst unterstellt seinerseits der AfD Manipulation

Doch der Schuss geht offenbar für die AfD nach hinten los. Schon auf den ersten Blick ist zu erkennen, dass die rote Wetterkarte die Temperatur darstellt, die grüne die Wettervorhersage. Es werden also zwei völlig unterschiedliche Karten gegenübergestellt. 

Die Tagesschau erklärte in einem „Faktenfinder“ auf ihrere Webseite den Rechtspopulisten den Unterschied zwischen Temperatur- und Wettervorhersage sowie die Skala der Farbgebung: Diese könne „von Dunkelrot für hohe Temperaturen bis kaltem Blau reichen“. Die Partei hat übrigens Blau als ihre Farbe gewählt - ob sie sich im Winter darüber gefreut hat, ist nicht überliefert.

Vor allem aber teilte die Tagesschau in ihrer Replik die aktuelle Wettervorhersage: Deutlich zu sehen: Eine grüne Deutschlandkarte bei der allgemeinen Vorhersage. Ganz wie auf dem angeblich aus dem Jahr 2009 stammenden Screenshot der AfD. Auch vor zehn Jahren wurden die Temperaturen übrigens schon in unterschiedlichen Blau-, Grün, Gelb-, und Rottönen dargestellt, wie etwa in diesem Youtube-Video zu sehen ist.

Der schiefe Vergleich rief am Mittwoch sogar den Deutschen Wetterdienst (DWD) auf den Plan. „Äpfel mit Birnen vergleichen - eine Methode der Manipulation. Der Bewertung dieser manipulierenden Grafik - die der Tagesschau auch noch genau solche Manipulation vorwirft - durch die Tagesschau-Redaktion ist nichts hinzuzufügen“, haute der Wetterdienst der AfD per Twitter um die Ohren. 

AfD-Mann gibt "schiefem Vergleich" bei Tagesschau-Wetterkarte zu

Der DWD antwortete sogar auf die Tweets von AfD-Anhängern im Netz und zeigte dabei Grafiken, die das immer heißer werdende Klima belegen. AfD-Mann Jan Nolte ruderte nun selbst zurück - zumindest teilweise: Gegenüber t-online.de bestätigte sein Büro, dass der Post ein "schiefer Vergleich" gewesen sei. Darum sei er nach zwei Stunden wieder gelöscht geworden. Nolte selbst ergänzte laut t-online kurz darauf per Telefon, dass er aber an der Botschaft einer übertriebenen Klimahysterie festhalte.

Peinlich werden könnte der Fall auch noch für einen CDU-Landesminister. Marco Tullner, ausgerechnet Bildungsminister in Sachsen-Anhalt teilte die Frage der AfD auf Twitter. „Warum wurden eigentlich die Wetterkarten von grün auf glutrot, bei selben Temperaturen, umgestellt? Das geistert ja gerade durch das Netz“, fragte der CDU-Mann, ohne die AfD zu erwähnen. Die Antwort hätte er sich mit einer kurzen Recherche womöglich selbst geben können.

Manipulationsvorwürfe gegen die AfD gab es zuletzt auch während des Europawahlkampfs. Es wurde mit gefälschten Facebook-Seiten und Profilenversucht, für die AfD zu trommeln. Zudem soll ein AfD-Mitglied mit unlauteren Mitteln Follower gesammelt haben. Mitte Juni gab es unterdessen neue Kritik an der Wetterkarte des Ersten - aus einem ganz anderen Grund.

mb/fn

Zurück zur Übersicht: Politik

Auch interessant

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser

MEHR AUS DEM RESSORT