„Besserwessi und Jammerossi“

Schriftstellerin will „Tag der deutschen Einheit“ abschaffen - dabei kommt sie aus Sachsen

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Auch dieses Jahr wird der Tag der Deutschen Einheit groß gefeiert. Jana Hensel ist das ein Graus.

Jana Hensel, gebürtige Sächsin, will den Tag der deutschen Einheit abschaffen. Für sie ist der deutsche Nationalfeiertag kein Grund zur Freude. 

Berlin - „So beschreibt man Realitäten nicht“, beschwert sich Autorin Jana Hensel über den „Tag der deutschen Einheit“. Die gebürtige Sächsin wünscht eine Abschaffung des „Tags der deutschen Einheit“. Das hatte sie schon vergangenes Jahr formuliert. Die Gründe für ihre kontroverse Forderung sind komplex und haben nichts mit einer Abneigung gegen das wiedervereinigte Deutschland zu tun, präzisiert sie jetzt. 

„Tag der deutschen Einheit“: Ostdeutschland nur am 3. Oktober im Fokus

Jana Hensel sieht die ostdeutsche Lebenswelt medial unterrepräsentiert, erläuterte sie nun dem Deutschlandfunk. Abgesehen vom Tamtam um die Feierlichkeiten zum „Tag der deutschen Einheit“ rücke Ostdeutschland zu selten in den Fokus der Öffentlichkeit, beklagt die 43-Jährige. 

Die Autorin schaffte 2002 ihren Durchbruch mit dem Buch „Zonenkinder“, das über ein Jahr auf der Sachbuch-Bestsellerliste des Spiegel geführt wurde und sich 350.000-mal verkaufte.

„Ich schaute mir im vergangenen Jahr das Programm zur deutschen Einheit an – man feierte damals in Berlin – und war, offen gestanden, schockiert über die Inszenierung von guter Laune und habe mich dann ziemlich spontan hingesetzt und habe einen Text geschrieben, schafft diesen Feiertag ab, diese Einheitsfolklore“, beschrieb Hensel den ausschlaggebenden Moment für die Entscheidung, ihrer Enttäuschung öffentlich Luft zu machen. 

Konkret stört sie sich daran, dass Ostdeutsche nur am 3. Oktober etwas Aufmerksamkeit genießen, ansonsten interessiere man sich nicht für die neuen Bundesländer sowie die Sorgen und Nöte ihrer Bevölkerung.

„Unterkomplexe Darstellung“: Kritik am „Tag der deutschen Einheit“ 

„Ich glaube, viele der Ressentiments und vielleicht auch die Wut in manchen Teilen der Gesellschaft hat damit zu tun, dass das eigene Leben derart unterkomplex über viele Jahre dargestellt wurde“, beschreibt sie die Folgen dieser Beobachtung. 

Wenn man als Ostdeutscher am „Tag der deutschen Einheit“ nicht in Feierlaune ist, werde man direkt denunziert. Durch diese Anprangerung hätten sich „die Klischees vom Besserwessi und Jammerossi“ weiter manifestiert. 

Der Nationalfeiertag helfe der Bundesrepublik also keineswegs die immer noch währende Trennung zu bekämpfen, sondern sorge in ihrer Überstilisierung nur für weiteres Konfliktpotential. Deshalb, so die Meinung der Journalisten Jana Hensel, solle man den Feiertag bestenfalls einfach abschaffen. Tatsächlich sorgte der Nationalfeiertag am Donnerstag für einige brisante Debatten.

Passend zur Kritik der Schriftstellerin ist die Wetterprognose für den 3. Oktober sehr durchwachsen. 

mb

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