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Missbrauchs-Gutachten

„Das ist unverzeihlich“: Kardinal Marx verkündet personelle Konsequenz in München – Betroffene enttäuscht

Eine Woche nach dem erschütternden Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese München und Freising hat Kardinal Marx eine Pressekonferenz gegeben – und personelle Konsequenzen verkündet.

Update vom 27. Januar, 13 Uhr: Betroffene von Missbrauch in der katholischen Kirche haben enttäuscht darauf reagiert, dass der Münchner Kardinal Reinhard Marx Papst Franziskus nicht erneut seinen Amtsverzicht anbieten will. „Das war für Betroffene schwer erträglich“, sagte der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, am Donnerstag im Bayerischen Rundfunk zur Reaktion von Marx auf das vor einer Woche vorgelegte Gutachten zu Missbrauchsfällen im Münchner Erzbistum.

„Vor einer Woche ist das Schiff auf Grund gelaufen - heute erklärt uns der Kapitän, dass er unbedingt an Deck bleiben muss“, sagte Katsch nach der Ankündigung von Marx, im Amt bleiben zu wollen. Katsch sagte, Marx sei offensichtlich der Meinung, ohne die Bischöfe und ohne ihn gehe es nicht. „Ich bin wirklich mit meinem Latein am Ende.“ Der Sprecher des Eckigen Tischs forderte „endlich“ eine Hinwendung zu den Missbrauchsopfern. Es gebe bis heute keine unabhängige Anlaufstelle für Missbrauchsopfer, weiterhin müssten Ehrenamtliche wie die Freiwilligen des Eckigen Tischs diese Arbeit machen. „Es gibt immer noch kein Opfergenesungswerk, es gibt immer noch keine faire, angemessene Entschädigung“, kritisierte Katsch. Es falle ihm wirklich schwer, „auf dieses selbstzentrierte Gerede von Kardinal Marx wirklich zu antworten“

Update vom 27. Januar, 12.45 Uhr: Die Pressekonferenz mit Kardinal Marx ist beendet. Eine Woche nach der Veröffentlichung des Missbrauchsgutachten für die Erzdiözese München und Freising stellte der Geistliche sich den Fragen der Presse. Das Gutachten über jahrzehntelangen Missbrauch an Kindern und Jugendlichen muss nach Meinung des Münchner Erzbischofs in den Reformprozess der katholischen Kirche einbezogen werden. „Für mich ist die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs Teil einer umfassenden Erneuerung und Reform, wie das der Synodale Weg aufgegriffen hat“, sagte der Kardinal am Donnerstag. Der Kirchenrichter und Vorsitzende des BR-Rundfunkrates, Lorenz Wolf, lasse seine Ämter und Aufgaben ruhen, teilte er mit.

Update vom 27. Januar, 12.30 Uhr: Eine Journalistin der Nachrichtenagentur epd spricht die Kirchen-Austritte* in den vergangenen Tagen an – und wie lange überhaupt noch Zeit für eine „Erneuerung“ sei. Kardinal Marx antwortet darauf: „Ich muss darum bitten: Überlegen Sie es sich. Ich verstehe jeden, der sagt, ich möchte das nicht mehr. Ich kann nur versprechen, dass ich mich um eine Erneuerung bemühe, aber ich kann nicht versprechen, dass das sofort passiert.“

Update vom 27. Januar, 12 Uhr: Der Kirchenrechtler Thomas Schüller hat die Reaktion des Münchner Kardinals Reinhard Marx auf das vor einer Woche vorgestellte Missbrauchsgutachten zu seinem Bistum kritisiert. „Niemand übernimmt persönliche Verantwortung“, sagte Schüller am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Das Erzbistum München-Freising geht in den normalen Verarbeitungsmodus über und macht auf business as usual.“ Verantwortung werde vergemeinschaftet und die Betroffenen und Gläubigen würden in Mithaftung genommen. Das Ganze werde „garniert mit Lyrik des Synodalen Weges“, des derzeitigen Reformprozesses in der katholischen Kirche. „Mit einem Wort: enttäuschend“, sagte Schüller.

Update vom 27. Januar, 11.50 Uhr: Ein Journalist der Irish Times spricht den „Elefanten im Vatikan“ an – und welche Maßnahmen gegen den ehemaligen Kardinal Ratzinger möglich seien. Kardinal Marx betont, dass der emeritierte Papst auf keinerlei Weise die Aufklärung verhindern wollte und verwehrt sich der Vorwürfe. „Ich akzeptiere, dass er hier die Fakten anders interpretiert, dass er bedauert, und ich denke, er wird sich dazu dann im Ganzen dazu äußern“, sagte Marx. Das Gutachten sei „kein Gerichtsurteil“, schon gar nicht über die Lebensleistung des emeritierten Papstes. Selbst wolle er sich dazu persönlich nicht äußern.

„Das ist unverzeihlich“: Kardinal Marx verkündet personelle Konsequenz in München – Betroffene enttäuscht

Update vom 27. Januar, 11.30 Uhr: Eine erste personelle Konsequenz gibt es bereits, wie Kardinal Marx mitteilt: Der Münchner Offizial Wolf lässt alle Ämter und Aufgaben ruhen. „Damit bin ich einverstanden. Er will zu gegebener Zeit Stellung nehmen“, sagt der Kardinal.

Update vom 27. Januar, 11.15 Uhr: „Es gibt keine Zukunft des Christentums in unserem Land, ohne eine erneuerte Kirche.“ Das Gutachten sei eine wichtige Diskussionsgrundlage. „Wir sehen ein Desaster“, sagt Marx. Es gehe nun darum, hinzuschauen und hinzuhören. Die Fälle, mit denen er von den Erstellenden des Gutachtens konfrontiert wurde, werde er aufarbeiten. Er werfe sich vor, nicht „wirklich aktiv auf die Betroffenen zugegangen zu sein.“ Er sei und war nicht gleichgültig, er habe jedoch engagierter handeln können.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, äußert sich in einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising. Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising am letzten Donnerstag (20.01.2022) nimmt Kardinal Marx in einer Pressekonferenz Stellung zu den Ergebnissen der Studie.

Gibt es personelle Konsequenzen? Jeder solle überlegen, was er persönlich zu verantworten habe und welche Konsequenzen man ziehe müsse. Als Erzbischof trage er selbst Verantwortung: „Ich klebe nicht an meinem Amt, das Angebot auf den Amtsverzicht war sehr ernst gemeint.“ Und ergänzt: „Ich bin bereit, auch weiterhin meinen Dienst zu tun, wenn das hilfreich ist für die weiteren Schritte, die für eine verlässlichere Aufarbeitung, eine noch stärkere Zuwendung zu den Betroffenen und für eine Reform der Kirche zu gehen sind“. Der Münchner Kardinal möchte also als Erzbischof von München und Freising im Amt bleiben, obwohl ihm in einem Gutachten zum Umgang mit Missbrauchsfällen vor einer Woche Fehlverhalten vorgeworfen worden war. 

Update vom 27. Januar, 11 Uhr: Die Pressekonferenz mit Kardinal Reinhard Marx hat begonnen. Das Missbrauchs-Gutachten sei „ein tiefer Einschnitt für die Kirche, für Betroffene, für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und für Gläubige“, betont er zu Beginn seines Statements. Die Missbrauchsfälle seien „eine dunkle Seite und diese werden fortan als Teil der Geschichte unserer Erzdiözese sichtbar sein“. Er sagt weiter: „Wer jetzt noch systemische Ursachen leugnet und einer notwendigen Reform der Kirche in Haltungen und Strukturen entgegentritt, hat die Herausforderung nicht verstanden.“

Er sei bereit, Verantwortung zu übernehmen und verweist auf sein Rücktrittsgesuch an Papst Franziskus. „Das ist unverzeihlich“, so Kardinal Marx, seine größte Schuld sei es die Betroffenen übersehen zu haben. Das Gutachten sei „kein Endpunkt“, die Aufarbeitung müsse auf unterschiedlichen Feldern weitergehen.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, äußert sich bei einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising. Nach der Vorstellung des Missbrauchsgutachten für das Erzbistum München und Freising am letzten Donnerstag (20.01.2022) nimmt Kardinal Marx in einer Pressekonferenz Stellung zu den Ergebnissen der Studie.

Update vom 27. Januar, 10 Uhr: Angesichts des Missbrauchskandals in der katholischen Kirche erwartet der Sprecher der Betroffeneninitiative Eckiger Tisch, Matthias Katsch, vom Münchner Kardinal Reinhard Marx klare Worte zu dessen eigener Verantwortung. „Ich möchte gerne von ihm hören, was er selber 2010 getan hat, um den damaligen Papst Benedikt vor den Konsequenzen seines Handelns zu schützen“, sagte Katsch am Donnerstag im ZDF-“Morgenmagazin“. Damals hätten andere die Verantwortung für Fälle von sexuellem Missbrauch in der Kirche übernommen. „Ich würde gern von Kardinal Marx hören, was seine persönliche Verantwortung ist“, betonte Katsch.

Er wolle nicht wieder was von einer Reform der Kirche hören, „sondern, was sie sich vorstellen, wie sie jetzt die Verantwortung als Institution für ihre Opfer übernehmen wollen“, sagte Katsch. Auch nach der Einlassung von Benedikt „bleibt die Erkenntnis, dass der sexuelle Missbrauch in der katholischen Kirche Systemcharakter hatte“ und das „die Zentrale des Ganzen“ im Vatikan eine entscheidende Rolle gespielt habe.

Erstmeldung vom 27. Januar, 8 Uhr: München – Das Missbrauchs-Gutachten für die Erzdiözese München und Freising hat die Katholische Kirche erschüttert. In Bayern müssen Städte inzwischen in ihren Standesämter aufrüsten - um die Flut der Kirchenaustritte zu bewältigen. Der Münchner Erzbischof Kardinal Marx war bei der Vorstellung des Gutachtens vor einer Woche nicht anwesend und hatte im Anschluss nur eine kurze Stellungnahme abgegeben. Nun soll diese Stellungnahme detaillierter ausfallen.

Eine Woche nach dem erschütternden Missbrauchsgutachten* richten sich die Augen auf den Münchner Erzbischof Reinhard Marx. Der Kardinal will am Donnerstag, 11 Uhr, Stellung zu den Ergebnissen der Studie nehmen, die sein Bistum bei der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegeben hat. Die Studie wirft unter anderen Marx und seinen Vorgängern im Amt des Erzbischofs, Kardinal Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, Fehlverhalten im Umgang mit Missbrauchsfällen vor und geht von mindestens 497 Opfern und 235 mutmaßlichen Tätern aus - und von einem weit größeren Dunkelfeld.

Missbrauchs-Gutachten: Rücktrittsangebot an Papst Franziskus? Kardinal Marx mit detaillierter Stellungnahme

Marx war bei der Vorstellung des Gutachtens am Donnerstag vergangener Woche nicht dabei und hatte danach nur eine kurze Stellungnahme abgegeben. „Ich bin erschüttert und beschämt“, sagte er. Seit Jahren sei bekannt, „dass sexueller Missbrauch in der Kirche nicht ernst genommen wurde, dass die Täter oft nicht in rechter Weise zur Rechenschaft gezogen wurden, dass es ein Wegsehen von Verantwortlichen gegeben hat“. Er fühle sich „als Erzbischof von München und Freising mitverantwortlich für die Institution Kirche in den letzten Jahrzehnten“, betonte er. „Als der amtierende Erzbischof bitte ich deshalb im Namen der Erzdiözese um Entschuldigung für das Leid, das Menschen im Raum der Kirche in den vergangenen Jahrzehnten zugefügt wurde.“

Spekuliert wird, ob Marx dem Papst erneut - und damit zum zweiten Mal innerhalb weniger als eines Jahres - seinen Rücktritt anbieten wird. Der katholische Theologe Daniel Bogner sagte schon direkt nach der Vorstellung des Gutachtens, dass er nach all den Enthüllungen einen erneuten Rücktrittsversuch von Marx für angemessen hält. „Und ich hoffe, er wird eine erneute Ablehnung durch Papst Franziskus diesmal nicht akzeptieren. Dies wäre ein zwar zunächst nur symbolisches, aber sehr starkes Zeichen dafür, dass die bisherigen Strukturen der Kirche so nicht weiter funktionieren“, sagte der Professor für Moraltheologie und Ethik an der schweizerischen Universität Freiburg.

Kardinal Reinhard Marx hat zuletzt nur ein kurzes Pressestatement abgegeben.

Ein zweites Rücktrittsangebot erwartet der Kirchenrechtler Thomas Schüller dagegen nicht. „Im Lichte seiner erstaunlich leidenschaftslosen und uninspirierten Erklärung am 20.1.22 auf die Veröffentlichung des Gutachtens, die viele Betroffene verletzt und befremdet hat, rechne ich nicht mit einem erneuten Rückantrittsangebot von Marx an den Papst“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. (dpa/aka) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Sven Hoppe/dpa

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