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ZDF-Talk

Lanz irritiert: Streeck stellt Lauterbach-Entscheidung infrage - und stellt neue Wellen-Prognose für 2023

Die Gäste bei „Markus Lanz“
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Die Gäste bei „Markus Lanz“

Corona-Regeln, Freud und Leid bei der CDU sowie Vorwürfe an die Medien: Bei „Markus Lanz“ sorgen Daniel Günther, Boris Palmer und Hendrick Streeck für eine kurzweilige Debatte.

Hamburg – Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bezieht bei „Markus Lanz“ gleich zu Beginn der Sendung Stellung zur Causa Max Otte (CDU). Die AfD hatte den Politiker als Kandidat für das Bundespräsidentenamt vorgeschlagen. Otte wies Forderungen zurück, dies abzulehnen. „Da ist glücklicherweise unsere Satzung eindeutig“, sagt Günther, „wenn jemand sich von einer anderen Partei vorschlagen lässt gegen den Vorschlag der Union, dann ist finito. Von daher ist es jetzt auch richtig, ihn auszuschließen.“

Max Otte soll aus der CDU fliegen – Parteikollege Daniel Günther: „Da gibt es gar keine zwei Meinungen“

„Das heißt, Sie streben ein Parteiausschlussverfahren an? Wie zuversichtlich sind Sie, dass das durchgeht? Da sind ja hohe juristische Hürden zu nehmen“, erkundigt sich Talkmaster Markus Lanz. „Sind sie in der Tat“, pflichtet Günther ihm bei, meint jedoch: „Aber hier ist es einfach eindeutig. Da gibt es gar keine zwei Meinungen.“

CDU-Politiker Günther spricht sich bei „Markus Lanz“ für eine Doppelspitze der Unionsfraktion aus: „Andere Parteien zeigen, dass es geht“

Günther sagt auch, die CDU könne vom rhetorischen Geschick und der Führungsstärke des neuen Vorsitzenden Friedrich Merz profitieren. Gastgeber Lanz versteht das nicht: „Das heißt, wenn der so gut ist, dann müssten Sie doch eigentlich auch total dafür sein, dass er den Fraktionsvorsitz übernimmt, oder nicht?“ „Da gibt es ja unterschiedliche Philosophien“, antwortet Günther, „meine Philosophie dazu ist, dass diese Denke aus den 90er-Jahren, dass eine Partei die ganze Macht in einer Position vereinen muss – das war in den 90-Jahren noch die Grund-DNA der Union -, ich glaube, dass das heute nicht mehr zwingend ist. Auch andere Parteien zeigen ja, dass man sich mit mehreren Köpfen trotzdem präsentieren kann.“

„Markus Lanz“ - das waren seine Gäste am 25. Januar:

  • Daniel Günther (CDU*) – Politiker
  • Boris Palmer (Grüne*) – Politiker
  • Cerstin Gammelin – Journalistin
  • Corinna Milborn – Journalistin
  • Prof. Hendrik Streeck – Virologe

Corona-Debatte bei Lanz: „Wollen wir das?“

„Es würde auch in Deutschland gehen“, sagt der Virologe Hendrik Streeck in der anschließenden Corona*-Diskussion mit Blick auf die PCR-Tests und den Vergleich mit Österreichs Hauptstadt Wien, in der doppelt so viel getestet wird, wie in ganz Deutschland. Doch Streeck fragt: „Wollen wir das? Dieses anlasslose Testen, sehen wir gerade im PCR-Bereich, kann auch Probleme bringen. Wir haben eine Phase, da ist man infektiös und kann das Virus weitergeben. Das können wir sehr gut mit der PCR und dem Antigentest nachweisen. Aber die Viruslast geht dann herunter, dann ist der Mensch nicht mehr infektiös, aber es gibt dann einen ganz langen Rattenschwanz, wo wir RNA immer noch im Rachen nachweisen können, aber es hat keine Relevanz mehr.“ „Das heißt, der PCR-Test schlägt dann immer noch an?“, lässt sich Talkmaster Lanz die Situation erklären. „Genau“, antwortet Streeck, „für manchmal drei Wochen, manchmal vier, fünf Wochen schlägt der immer noch an, obwohl gar keine Infektiosität mehr ist.“

Weil Antigentests diesen Makel nicht mit sich bringen würden, seien diese, sofern häufig getestet werde, aus medizinischer Sicht sogar sinnvoller als PCR-Tests, erklärt Streeck. Wichtig sei der PCR-Test vor allem als Ausschlusskriterium bei Symptomen von Covid-19, sagt der Virologe. „Das ist ein total interessantes Argument“, findet Gastgeber Lanz. Aus Wien berichtet dagegen die Journalistin Corinna Milborn per Video-Schalte: „Dass die PCR-Tests noch wochenlang anschlagen, ist kein Problem, weil man den CT-Wert, sollte man positiv sein, mit ausgeworfen bekommt. Ab einem CT-Wert von 30 kann man sich wieder bewegen, kann wieder arbeiten gehen, ist nicht mehr in Quarantäne.“

Corona-Debatte bei „Markus Lanz“: Keine Regeln, aber eine Impfpflicht?

Einen Tag vor der Impfpflicht-Orientierungsdebatte im Deutschen Bundestag spricht sich Daniel Günther bei „Markus Lanz“ für eine allgemeine Impfpflicht ab 18 Jahren aus. „Ich halte es für richtig, das zu machen. Ich würde mir auch wünschen, dass wir da wirklich schneller vorankommen. Ich kann auch nicht verstehen, warum die Bundespolitik da ein bisschen hasenfüßig vorgeht“, sagt Günther und meint damit Bundeskanzler Olaf Scholz* (SPD): „Der Bundeskanzler bekleckert sich nicht mit Ruhm bei dem Thema.“ Tübingens Bürgermeister Boris Palmer (Grüne) würde gerne noch einen Schritt weiter gehen und sämtliche Regeln abschaffen – im Tausch gegen eine Impfpflicht als einzige Regel: „Wir brauchen was anderes als eine immer weiter durchbürokratisierte Einzelfallregelung, die absurde Auswüchse erzeugt.“

Grünen-OB Boris Palmer bei „Markus Lanz“: „Ich habe die Schnauze voll“

Boris Palmer (Grüne) zu Gast bei „Markus Lanz“ (ZDF).

Streecks Prognose bei Lanz für 2023: „Werden wieder eine Welle haben“

Palmer erklärt weiter, das Impfen sei für ihn eine staatsbürgerliche Pflichterfüllung: „Und diese Pflichterfüllung, die muss jetzt meiner Meinung nach auch mal klar in ein Gesetz geschrieben werden. Mein Vorschlag: zwei- bis dreimal für die Über-50-Jährigen, dann kommen wir raus aus dieser Pandemie.“

An Streeck gerichtet fragt Lanz: „Würde Sie das überzeugen?“ „Wir können dadurch aber nicht die Pandemie wegimpfen“, befindet der Virologe, „das sehen wir ja sehr deutlich mit den Variantenentwicklungen. Wir werden auch im nächsten Jahr wieder eine Welle haben. Wenn man es rein von den Varianten und immunologisch betrachtet, impfen wir im Moment ja gegen eine Variante, die es gar nicht mehr gibt, die Wuhan-Variante“.

Streeck bei „Markus Lanz“ im ZDF: „Wir behandeln den Genesenenstatus sehr stiefmütterlich“

Zum Genesenenstatus ergänzt Streeck: „Wir behandeln den sehr stiefmütterlich, wo wir eigentlich von den Studien her wissen, dass es im Durchschnitt Reinfektionen nach rund 300 Tagen auftauchen - kann natürlich auch früher mal kommen.“ Aber alle, die genesen sind, hätten einen sehr guten Schutz vor einem schweren Verlauf. Eine Reinfektion würde da, „zumindest von den Studien bis Omikron, die man überblickt“, sehr selten im Vergleich zur Infektion nach einer Impfung auftreten. Streecks Schlussfolgerung deshalb: „Sodass wir den Genesenenstatus eigentlich dem Impfstatus gleichsetzen müssen.“

Da steigt Lanz ein und erklärt noch einmal, dass mittlerweile der Genesenenstatus in Deutschland von sechs auf drei Monate verkürzt wurde. Dazu gab es viel Kritik in Deutschland, auch weil die Mitteilung sehr kurzfristig kam. Gesundheitsminister Karl Lauterbach verteidigte den Schritt. „Ich verstehe das nicht“, sagte der Talkmaster mit Blick auf andere Länder. Streeck führt noch einmal seine Argumentation weiter und wünscht sich auch, dass Antikörpernachweise akzeptiert werden als Nachweis für einen Genesenenstatus.

Es sei gar nicht genau klar, wer alles in Deutschland geimpft und wer genesen sei, hält die Runde fest. „Wir wissen nicht, wer Schutz hat und wir wissen gar nicht, über was für einen Prozentsatz in der Bevölkerung wir eigentlich reden, womit wir solche drakonischen Maßnahmen einführen wollen wie die Impfpflicht. Ich habe die Sorge, wir rennen da etwas hinterher, um etwas durchzupeitschen, eine Wunsch-Impfquote, wo keiner mehr sagen kann, wie hoch sie eigentlich sein soll“, meint Streeck.

Lanz bemerkt leicht verwundert, dass Streeck die Regierung und damit vor allem auch Lauterbach als Mitglied im Expertenrat berät. „Sie sind ja da ganz offensichtlich unterschiedlicher Meinung“, führt der Moderator deshalb an. Streeck weicht aus: „Die Entscheidung trifft am Ende die Politik.“

Boris Palmer erhebt schwere Vorwürfe, Streeck pflichtet ihm bei

Wie tief mancher Stachel der Pandemie-Jahre sitzt, offenbart sich gegen Ende der Sendung. Palmer erklärt Richtung Streeck: „Ich finde das total spannend, weil ich in zwei Jahren dieser Pandemie immer froh war, Sie im Fernsehen zu sehen, damit das Panik-Orchester nicht ganz so laut spielt.“ Lanz lacht, doch Palmer beharrt auf seinem Punkt: „Er wurde lange diffamiert, da gab es Spiegel-Storys, die waren nur zur Vernichtung gedacht.“ „Na, na, na“, wirft Gammelin ein, doch Streeck kann sich ein „Doch“ in deren Richtung nicht verkneifen. „Jetzt sitzt er im Expertenrat* und ist zum Glück wieder anerkannt“, fasst Palmer zusammen, „ich finde toll, dass so eine Rehabilitierung möglich ist“.

„Markus Lanz“ - Das Fazit der Sendung

Der bestens gelaunte Markus Lanz kündigt am Dienstagabend „eine pickepacke volle Sendung“ an und enttäuscht nicht. Mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) blickt der Moderator auf den neuen CDU-Parteivorsitzenden Friedrich Merz, der direkt ein Parteiausschlussverfahren gegen Max Otte vor der Brust hat. Bei der anschließenden Corona-Debatte legt Tübingens Bürgermeister Boris Palmer (Grüne) seine streitbaren Vorstellungen dar, fordert ein zügiges Ende der Corona-Bürokratie und sagt an den Virologen Hendrik Streeck gerichtet: „Ich brauche jetzt eine Lösung und kann nicht noch ein halbes Jahr warten, bis Sie die nächste Studie gemacht haben.“ (Hermann Racke/cibo) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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