Hanns-Seidel-Stiftung im Fokus

„Keine Tabus“: Söder krempelt CSU-nahe Stiftung um - mit böser Überraschung für einen Ex-Minister

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CSU-Chef Markus Söder will die parteinahe Hanns-Seidel-Stiftung kräftig umbauen.
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Paukenschlag bei der Hanns-Seidel-Stiftung: Markus Söder baut kräftig um - und kippt dabei auch Pläne Horst Seehofers, wie der Münchner Merkur erfahren hat. Auch eine parteilose Bischöfin könnte profitieren.

München - Auf die Damen und Herren im schicken Clubraum wartete ein Bündel Überraschungen. Der Vorstand der Hanns-Seidel-Stiftung, oft mit Routinefragen betraut, sah sich am Donnerstagnachmittag Markus Söder gegenüber. Der CSU-Chef legte, für fast alle im Raum unerwartet, ein größeres Personalpaket vor: Söder stellt die 1967 gegründete Stiftung komplett neu auf. Und kippt die Pläne seines Vorgängers. 

Auf mehreren Schlüsselpositionen krempelt er die parteinahe Stiftung um. Als Vorsitzenden will Söder den schwäbischen Europaabgeordneten Markus Ferber (54). Er soll heuer vorzeitig die Nachfolge von Ursula Männle (75) antreten. Für einige der Beteiligten ist diese Personalie völlig neu. Der ehemalige Bundesminister Christian Schmidt hatte fest damit gerechnet, Männles Nachfolge anzutreten; man raunt, er habe an eine Zusage des früheren Parteichefs Seehofer geglaubt. Nun soll Schmidt nur Chef einer internationalen Kommission der CSU werden, eine Art Berater also. 

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Ex-Minister Christian Schmidt könnte in die Röhre schauen - Regionalbischöfin und Ex-Abgeordneter sollen‘s richten

Mehr noch: Als Vize-Chefin der Stiftung schlägt Söder die evangelische Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler vor, die in Kürze in Ruhestand treten wird. Das ist ungewöhnlich: Breit-Keßler ist nicht nur parteilos, sondern wurde von der SPD mal in die Bundesversammlung entsandt. Das Verhältnis der CSU zu den Kirchen war zuletzt nicht spannungsfrei. 

Dritte Überraschung: Generalsekretär und damit oberster Mitarbeiter der Stiftung wird im Sommer der Ex-Abgeordnete Oliver Jörg. Der Wissenschaftspolitiker aus Würzburg (46) war im Oktober aus dem Landtag geflogen. Jörg ist in Politik, Hochschulen und Forschung vernetzt. Söder bastelt seit Wochen an der Personalie. 

„In Zeiten von Fake-News-Debatten“: Söder fordert „grundlegende Modernisierung“ der Hanns-Seidel-Stiftung

Der Parteichef verlangt eine Intensivierung der Arbeit auf allen Feldern. „Wir brauchen eine grundlegende Modernisierung der Hanns-Seidel-Stiftung. Wir müssen die politische Bildung verbessern und die journalistische Nachwuchsarbeit massiv ausbauen, gerade in Zeiten von Fake-News-Debatten“, sagt Söder unserer Zeitung. „Wir wollen in der Stiftung auch ein Frühwarnsystem für große gesellschaftliche Entwicklungen aufbauen.“ Sie müsse noch tiefer gehende Antworten auf neue politische Moraldebatten geben. „Die neue politische Kultur der jungen Generation erfordert mehr als Business as usual.“ Ferber soll in der Auslandsarbeit, aktuell in 65 Ländern aktiv, einen deutlichen Schwerpunkt Richtung USA und EU setzen. 

Parteiarbeit betreibt die Stiftung nicht, soll aber Vor-, Nach- und Querdenker sein. Die CSU hatte auf gesellschaftliche Trends, etwa das wachsende Öko-Bewusstsein, eher träge reagiert. 

Söders große Pläne: Umbau auch in der Parteizentrale - und womöglich auch beim „Bayern-Kurier“

Parallel dazu plant Söder nach Informationen unserer Zeitung einen gravierenden Umbau seiner Parteizentrale. „Schlagkräftiger und serviceorientierter, insgesamt effektiver“ solle die CSU-Landesleitung werden. Ein Newsroom soll Online-Kommunikation und Pressearbeit bündeln, Söder will zudem eine neue Strategieabteilung aufbauen. Bereits Anfang des Jahres hatte Söder eine Überraschung in Sachen Parteizentrale präsentiert.

Dunkle Wolken hängen über dem „Bayernkurier“. Das traditionsreiche Parteiblatt, 2014 von der hochdefizitären CSU-Zeitung zum schicken Hochglanzmagazin und zur Website umgeplant, kam wohl nicht aus den roten Zahlen. Intern äußerte sich Söder mehrfach skeptisch. Auf Nachfrage sagt er: „Wir stellen alle bisherigen Kommunikations-Tools auf den Prüfstand. Das gilt auch für den Bayernkurier. Er wird leider zu wenig angenommen, bei gleichzeitig relativ hohen Kosten.“ Er sei „ergebnisoffen, aber es gibt keine Tabus. Die Wahl hinterlässt viele Baustellen. Es wird nicht besser, wenn man sie offenlässt.“

Video: Schon lange hatte Söder angekündigt „durchzulüften“ 

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Christian Deutschländer

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