BR-Sendung „Jetzt red i“

Söder wird im BR nach Maskenpflicht-Ende gefragt - seine Antwort offenbart extremen Weg für Bayern

Klima-Aktivistin Franziska Sänftl kritisierte Markus Söder direkt für geplante Maßnahmen in der Corona-Krise in der BR-Sendung „Jetzt red i“.
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Klima-Aktivistin Franziska Sänftl kritisierte Markus Söder direkt für geplante Maßnahmen in der Corona-Krise in der BR-Sendung „Jetzt red i“.

Ministerpräsident Markus Söder stellte sich den Fragen der BR-Zuschauer bei „Jetzt red i“. Er bekannte dabei Farbe in der Corona-Krise und blieb seiner strengen Linie treu.


München - Kurz nach Beginn der BR-Sendung „Jetzt red i“ kam es schon zu einer ersten Kracher-Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder. Er antwortete auf die Zuschauerfrage, wann endlich angesichts sinkender Infiziertenzahlen die Maskenpflicht fallen werde. 

Zwar antwortete Söder nur indirekt darauf - doch seine Botschaft war unmissverständlich: Ohne Impfstoff oder Medikament gebe es nur eine wirksame Maßnahme gegen das Virus: Abstand halten. „Distanz, Hygiene und Masken“, zählte Söder auf. Allein auf Freiwilligkeit zu setzen, funktioniere nicht. „Das haben wir am Anfang probiert“, erinnert der Ministerpräsident an den Beginn der ersten Corona-Welle im März. Man müsse die „Unvernünftigen“ verpflichten, um die Vernünftigen zu schützen. Mit anderen Worten: Es bleibt bis auf Weiteres und ohne Impfstoff oder Medikament (somit möglicherweise auf sehr lange Sicht) bei der Maskenpflicht im Freistaat. 


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BR-Moderator Tilmann Schöberl sprang dem CSU-Politiker zur Seite: „Eines kann ich bezeugen: Seine Maske ist immer dabei“. Söder habe die blau-weiße Schutzmaske in der Tasche mit im Studio. „Er geht mit einem guten Beispiel voran!“

Corona-Lockerungen in Bayern: Söder in BR-Sendung über große Hochzeitsfeiern, Beerdigungen und Geburtstagspartys

Doch die Zuschauer hakten nach, viele wünschen sich weitere Lockerungen: Wann es endlich wieder große Hochzeiten und Geburtstage geben könne, würden viele im Netz fragen, sagte Moderatorin Franziska Eder. Aber Söder gab sich auch bei diesem Anliegen vorsichtig und abwartend. Die jüngsten Ausbrüche in der Gemeinde in Frankfurt und in dem Lokal in Niedersachsen hätten gezeigt, „wie unglaublich schnell das geht, wie blitzschnell, wie heimtückisch dieses Coronavirus ist“. Nun sei es gerade bei privaten Feiern besonders schwer, Abstand zu halten. 

Doch Söder gab dann doch noch einen Ausblick: „Wenn die Zahlen nach Pfingsten stabil sind und wir wir dann vor allem durch die Öffnung der Grenzen keine Probleme bekommen, werden wir uns auch über Themen wie Hochzeiten, Beerdigungen und Geburtstagsfeiern Gedanken machen.“ 

Gleich darauf schränkte der Ministerpräsident jedoch wieder ein: Man wisse immer noch zu wenig über das Virus, über mögliche Folgeerkrankungen und Organschädigungen, auch bei Kindern. Deshalb gelte für ihn: „Solange ich nicht 100 Prozent sicher bin“, habe Besonnenheit Vorrang. 

Übrigens: Für seine Corona-Politik erhielt Markus Söder viel Zuspruch und das zeigte sich auch in seinen Umfragewerten. Nun wird er von Beobachtern als möglicher Kanzlerkandidat gehandelt. Friedrich Merz (CDU) hat dazu nun ein deutliches Statement abgegeben

Söder in BR-Sendung zum Thema Corona-Impfstoff: „Glaube nicht an jedes Versprechen der Pharma-Riesen“

Ob es wirklich zeitnah oder überhaupt jemals einen Impfstoff geben werde, da sei auch er manchmal skeptisch, räumte Söder auf Zuschauer-Nachfrage ein. Er „glaube nicht an jedes Versprechen der Pharma-Riesen“, doch er hoffe darauf. 

Er persönlich sei jedenfalls gegen alles Mögliche geimpft und fahre bisher gut damit. Dennoch werde es für den Fall der Entdeckung eines Corona-Impfstoffes keine Pflicht geben, wohl aber werde die Politik eine Empfehlung aussprechen. 

Video: Corona ist „in Raten tödlich“, sagt Söder

Corona-Krise und die EU: Söder mit schweren Vorwürfen gegen von der Leyen 

Söder teilte auch politisch aus in der BR-Sendung. Er ärgere sich über die EU-Kommission unter Präsidentin Ursula von der Leyen. Er äußerte sogar den Verdacht, dass die EU-Kommission bewusst versuche, „deutsche Hilfsmaßnahmen zu drücken“, damit das Land im europäischen Vergleich nicht zu stark aus der Krise komme. Als Beispiel nannte er die Auflagen für Rettungsmaßnahmen bei der Lufthansa, die 50 Prozent der Slots am Münchner Flughafen aufgeben solle. 

Seit November 2018 regieren CSU und Freie Wähler in Bayern gemeinsam. In der Corona-Krise entzweien sich die Partner mehr und mehr. Kracht es diese Woche?

„Jetzt red i“ im BR: Klima-Aktivistin konfrontiert Söder direkt: „Ich bin enttäuscht und extrem wütend“

Zum Abschluss der Sendung wurde dann noch die „Fridays for Future“-Aktivistin Franziska Sänftl aus Dingolfing eingeblendet. Sie sei „enttäuscht und extrem wütend“, wenn sie höre, dass die Lufthansa mit Milliarden Steuergeldern ohne Klima-Auflagen unterstützt werden oder gar eine Autokauf-Prämie von Söder ins Spiel gebracht werde. 

Söder versuchte die Kritik der jungen Aktivistin abzufedern und versprach hinsichtlich einer solchen Neuwagen-Prämie: „Wenn man etwas fördert, dann nur das, was weniger Schadstoffausstoß hat.“ Es müsse schon ein sauberes und besseres Auto sein. Primäres Ziel sei es aber, Elektromobilität zu fördern - und sogar die Förderung von Fahrrädern als Alternative nannte er in einem nebulösen Nebensatz. Doch der CSU-Politiker mahnte auch an, dass man die wichtige Autoindustrie in Bayern „nicht leichtfertig verspielen“ dürfe. 

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mag

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