Masernschutzgesetz tritt ab 1. März in Kraft

Masern-Impfplicht: Das erwartet Eltern, die ihre Kinder nicht impfen lassen

+
Die Masernimpfpflicht tritt ab 1. März in Kraft.

Ab März gilt in deutschen Schulen und Kitas die Masern-Impfpflicht. Die Bundesregierung will so einem erneuten Anstieg von gefährlichen Masern-Infektionen vorbeugen.

Von 2014 bis 2018 meldeten Mediziner 3.178 Masernfälle an das Robert Koch-Institut als Bundesoberbehörde für Infektionskrankheiten und nicht übertragbare Krankheiten. Obwohl eine wirksame Impfung gegen Masernviren zur Verfügung steht, stirbt die Krankheit nicht aus, weil sich viele Menschen bewusst gegen eine Impfung entscheiden oder schlicht nicht von einer solchen wissen.


Der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zufolge sind in der Europäischen Region von Januar 2018 bis Juni 2019 mehr als 100 Personen an den Masern gestorben - vor dem Hintergrund, dass eine Impfung dies hätte verhindern können, bestehe hier enormer Handlungsbedarf. In Deutschland waren bis Mitte November 2019 503 Masernfälle und ein Todesfall gemeldet worden. Jetzt soll eine Impfpflicht weitere Masernausbrüche verhindern.

Masern-Impfquote zu niedrig - Masernschutzgesetz wird eingeführt

Die Masern als eine der ansteckendsten Infektionskrankheiten beim Menschen können gerade bei Kleinkindern aber auch bei Erwachsenen schwerwiegende Folgen haben. Dazu zählen Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Durchfall und lebensbedrohliche Gehirnentzündung (Enzephalitis*). Auch Spätfolgen wie etwa die subakute sklerosierende Panenzephalitits (SSPE), die meist tödlich verläuft, wurden berichtet.


Die beste Möglichkeit, sich selbst und andere vor einer Masern-Infektion zu schützen, ist eine Impfung. Doch die Impfquoten sind weiterhin zu niedrig, wie aus einer Pressemitteilung des Bundesministeriums für Gesundheit, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Demnach haben zwar 97,1 Prozent der Schulanfänger die erste Impfung bekommen, die Impfquote der von der Ständigen Impfkommission (STIKO) empfohlenen zweite Masern-Impfung bei Kindern im Alter von 24 Monaten liege allerdings nur bei 73,9 Prozent.

Lesen Sie auch: Eine Masern-Impfung hätte diesem Mann den Rollstuhl erspart.

Spahn: "Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft"

Um die Impfquote zu erhöhen, wurde das Masernschutzgesetz im Bundestag beschlossen und am 20. Dezember 2019 vom Bundesrat gebilligt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn erklärte: "Trotz aller Aufklärungskampagnen sind die Impfquoten in den vergangenen Jahren nicht entscheidend gestiegen. Deshalb muss die Masern-Impfung in Kindergärten und Schule verpflichtend werden. Denn wer sich impft, schützt nicht nur sich selbst, sondern auch die Gemeinschaft. 95 Prozent der Bevölkerung müssen gegen Masern geimpft sein, damit diese hochansteckende Viruserkrankung ausgerottet werden kann. Das ist unser Ziel."

Lesen Sie auch, was sich Anfang März neben der Masern-Impfpflicht sonst noch ändert.

Die gesetzliche Impfpflicht gegen Masern soll auch Menschen schützen, die sich nicht selbst schützen können wie etwa Schwangere oder Menschen mit einer Immunschwäche. Diese seien darauf angewiesen, dass sich andere solidarisch verhalten und sich impfen lassen, so das Bundesministerium für Gesundheit.

Das neue Gesetz sieht vor, dass Kindertagesstätten, Kinderheime und Schulen ab Anfang März sicherstellen, dass alle betreuten Kinder und Jugendlichen sowie alle Mitarbeiter, Lehrer und Erzieher gegen Masern geimpft sind. Nötig sind zwei Impfungen, um die nötige Schutzwirkung zu erzielen.

Mehr zum Thema: Autismus durch MMR-Impfung? Studie kommt zu klarem Ergebnis.

Wer Masernimpfpflicht missachtet, dem droht Kündigung

Doch viele Eltern verweigern die Impfung. In dem Fall sieht das Masernschutzgesetz ein Bußgeld oder Zwangsgeld vor, jedoch sind die Formulierungen im Gesetz eher vage gehalten, wie der Spiegel berichtete. Wenn allerdings Kita-Mitarbeiter oder Lehrer der Impfplicht nicht nachkommen, droht ihnen Abmahnung, Kündigung oder sogar außerordentliche Kündigung*.

Weiterlesen: Diese Impfungen brauchen Sie und Ihre Kinder dringend.

jg

Diese Viren und Bakterien machen uns krank

HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.  
HIV-Virus: Das Virus löst die Immunschwäche Aids aus. Rund 20 Jahre nach seiner Entdeckung ist Aids die verheerendste Infektionskrankheit, die die Menschheit seit der Pest im 14. Jahrhundert herausgefordert hat.   © dpa/dpaweb-mm
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch.
Pest Erreger Yersinia pestis: Die Infektionserkrankung wird erstmals im 6. Jahrhundert im Mittelmeerraum nachgewiesen. 1894 wird das Bakterium entdeckt. Heutzutage sind bei früher Diagnose die Heilungschancen durch Antibiotika hoch. © dpa
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff.
Ebola Virus: Das Virus verursacht mit inneren Blutungen einhergehendes Fieber. In bis zu 90 Prozent der Fälle verläuft die Krankheit tödlich. Wissenschaftler arbeiten mit Hochdruck an einem Impfstoff. © dpa
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene.
Grippe Virus: Antigene (gelbe und blaue Antennen) sitzen auf einer doppelten Fettschicht, die sich um die Erbsubstanz im Inneren schließt. Mit der Vermischung verschiedener Virentypen entstehen neue Erbsubstanzen und damit auch Antigene. © dpa/dpaweb
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus. 
Herpes Virus: Herpes simplex-Viren sind weltweit verbreitet. Nach einer Erstinfektion verbleibt das Virus in einem Ruhezustand lebenslang im Organismus.  © dpa
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren. 
Rhinovirus Human rhinovirus 16 (HRV16): Schnupfen verbreitet sich weltweit durch Rhinoviren.  © picture alliance / Science Photo
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung.
Schweinegrippe Virus 1976: Die klassische Schweinegrippe ist ein Influenza-A-Virus vom Subtyp H1N1, der 1930 erstmals isoliert wurde. Daneben sind auch die drei Subtypen H1N2, H3N2 und H3N1 von Bedeutung. © dpa
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann.
Schweinegrippe Virus unter einem Transmissionselektronenmikroskop: 2009 brach die Schweinegrippe in Mexiko aus. Dabei handelt es sich um ein mutiertes Schweinegrippevirus vom Subtyp H1N1, das anders als gewöhnlich auch von Mensch zu Mensch übertragen werden kann. © dpa
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen.
Spanische Grippe Virus: Die Spanische Grippe (1918) gilt als die schlimmste Grippe-Pandemie aller Zeiten. Bei der Spanischen Grippe handelt es sich um den Virenstrang H1N1, der besonders junge Menschen dahin raffte. Experten schätzen die Zahl der Opfer auf 40 bis 50 Millionen. © dpa
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt.
Tuberkulosebakterium Mycobacterium tuberculosis: Die auch als Schwindsucht bekannte Krankheit ist, obwohl sie heutzutage als heilbar gilt, eine der gefährlichsten Infektionskrankheiten der Welt. © dpa
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz.
Vogelgrippe Influenza-A: Schema des Influenza-A-Virus (Computer-Darstellung von Januar 2006). Der aggressive Vogelgrippe-Virus des Subtyps H5N1 gehört zur Gruppe der Influenza-A-Viren, ebenso wie die zahlreichen menschlichen Grippeviren. Das Virus ist kugelrund, sein Durchmesser beträgt nur 0,1 tausendstel Millimeter. In seinem Inneren ist lediglich Platz für ein paar Proteine und die Erbsubstanz. © dpa

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Kommentare