Terror-Anschlag in Hessen

Schüsse in Hanau: Elf Menschen tot – was wir wissen und was nicht

In Hanau in Hessen sind nach den Schüssen insgesamt elf Menschen tot, darunter der mutmaßliche Täter. Die Ermittlungen laufen. Einige Fragen sind noch offen. Was wir wissen und was nicht. 

  • Bei dem Terror-Anschlag in Hanau wurden Neun Menschen durch Schüssen getötet.
  • Der mutmaßliche Täter und seine Mutter wurden tot in ihrer Wohnung gefunden.
  • Er hatte rassistische* und rechtsextreme Motive.

Was wir wissen: Elf Tote nach Schüssen in Hanau – Mutmaßlicher Täter ebenfalls tot

Hanau - Nach den tödlichen Schüssen in Hanau in Hessen am späten Mittwochabend (19.02.2020) steht eine ganze Region unter Schock. Insgesamt wurdenneun Menschen getötet, später in der Nacht fand die Polizei den mutmaßlichen Schützen und seine Mutter leblos in ihrer Wohnung in Hanau. 


  • Nach Angaben der Polizei wurden gegen 22 Uhr am Mittwochabend die Shisha-Bar „Midnight“ am Heumarkt in Hanau und danach die Café-Bar „La Votre“ angegriffen. Dabei seien vier Menschen erschossen worden, sagte ein Polizeisprecher. Ein dunkler Wagen sei davongefahren. 
  • Anschließend fuhr der Schütze nach Kessselstadt. Dort fielen am Kurt-Schumacher-Platz wieder Schüsse in einer Café-Bar „Arena“. Dort gab es fünf Opfer. Die Tatorte in Hessen wurden weiträumig abgesperrt, Polizisten mit Maschinenpistolen sicherten die Umgebung.
  • Insgesamt starben bei den Schüssen neun Menschen, sechs weitere wurden durch die Schüsse verletzt.
  • Nachdem sie Hinweise zum Fluchtfahrzeug erhalten hatten, drang das SEK in der Nacht in eine Wohnung in einem Hanauer Reihenhaus im Stadtteil Kesselstadt ein. Dort wurde die Leichen des mutmaßlichen Täters und seiner Mutter entdeckt.
  • Die Sicherheitskräfte stellten ein Bekennerschreiben und ein Video sicher und werten es aus. 
  •  Die neun Todesopfer sind zwischen 21 und 44 Jahre alt. Das hessische Landeskriminalamt (LKA) hat die Nationalitäten der Opferb aufgelistet. Drei der Toten haben eine deutsche Staatsangehörigkeit, zwei eine türkische, eine bulgarische und eine rumänische. Ein Mensch kommt aus Bosnien-Herzegowina, und ein Opfer hat eine deutsche und afghanische Staatsangehörigkeit.

Schüsse in Hanau in Hessen: Mutmaßlicher Täter ist 43-jähriger Mann aus Hanau

  • Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um den 43 Jahre alten Tobias R. aus Hanau in Hessen. Bei der zweiten Person, die leblos in der Wohnung gefunden wurde, soll es sich nach Informationen von Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) um die 72 Jahre alte Mutter des mutmaßlichen Täters handeln. Beide wiesen Schussverletzungen auf. Auch zwei Waffen wurden dort gefunden. 
  • Generalbundesanwalt Peter Frank zufolge hatte der Mann Berechtigungskarten für zwei Waffen, die beide sichergestellt wurden. Nach ersten Erkenntnissen war der Mann ein Sportschütze.
  • Der Täter soll zuvor nicht im Visier der Ermittler gewesen sein.
  • Peter Frank bestätigte aber, dass die Bundesanwaltschaft schon im November 2019 mit dem mutmaßlichen Attentäter Tobias R. Kontakt hatte. Damals habe die Behörde eine Anzeige des Mannes aus Hanau erhalten. Er habe Strafanzeige gegen einen unbekannten Geheimdienst gestellt und zum Ausdruck gebracht, dass es eine übergreifende große Organisation gebe, die vieles beherrsche.
  • Mittlerweile sprechen die Behörden von einem rassistisch motivierten Terror-Anschlag. Innenminister Horst Seehofer hat die Tat als Terror-Akt bezeichnet.
  • Nach dem rassistisch motivierten Terror-Anschlag in Shisha-Bars in Hanau (Hessen) gehen die Ermittler davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter Tobias R. psychisch krank war. Der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, sprach auf Grundlage erster Einschätzungen von einer offensichtlich „schweren psychotischen Krankheit“.
  • Die Ermittler durchleuchten im Zuge der Aufklärung des Anschlages Handy- und Computerdaten des mutmaßlichen Täters. Abgeklärt werde, mit wem im Inland und Ausland er Kontakt gehabt und wo er sich aufgehalten habe, sagte Generalbundesanwalt Peter Frank.

Was wir nicht wissen: Hatte der Täter sich mit anderen über die Pläne ausgetauscht?

  • Unbekannt ist, wie lange sich das Tatgeschehen hingezogen hat und wo sich der 43-Jährige vor der Tat aufgehalten hat.
  • Es werde noch überprüft, ob sich Tobias R. in der „realen Welt“ oder virtuell über das Internet über seine Pläne ausgetauscht oder Unterstützung bekommen habe. Es wird aber davon ausgegangen, dass er Einzeltäter war.
  • Unklar sei auch noch die Todesursache der Mutter des Verdächtigen.
  • Es steht auch noch nicht fest, ob der Täter erschossen wurde oder sich selbst richtete.
  •  Auch das Verhältnis zur erschossenen Mutter und zu dem Vater, der überlebt hat, ist ungeklärt.

Terror-Anschlag in Hanau: Alle News zu den Schüssen

In Hanau (Hessen) wurden zehn Menschen von einem Mann erschossen. Der mutmaßliche Täter ist auch verstorben. Es gibt Hinweise auf ausländerfeindliche Motive. Eine Chronologie der Ereignisse. Der Anwohner Sercan war als einer der ersten am Tatort, dem 24-Stunden-Kiosk in der Hanauer Weststadt. „Ich wohne hier gleich um die Ecke, habe drei Schüsse gehört, und dann noch weitere“, erzählt der 20-Jährige. Die Chronologie der Nacht können Sie hier nochmal nachlesen.

Nach dem rechtsextremen Terror-Anschlag in Hanau haben mehrere Städte zu Mahnwachen aufgerufen. Durch Hessen und Deutschland geht nach den tödlichen Schüssen in Hanau eine Welle der Solidarität.

Hanau erlebt die „schwärzesten Stunden der Stadtgeschichte“, sagt der Oberbürgermeister. Eindrücke aus einer geschockten Stadt.

Bei dem Terror-Anschlag in Hanau starben inklusive des Täters elf Menschen. Die Tat war rassistisch motiviert. Wir haben für Sie die Pressestimmen zusammengefasst.

Im ZDF reagiefrte Maybrit Illner mit einer Extraausgabe ihrer Talkshow auf den Anschlag in Hanau und fragte: „Rechter Terror außer Kontrolle?“

Kurz nach dem Anschlag in Hanau hauen Mitarbeiter des Bundestags auf den Putz: Sie feiern eine Party, während draußen den Ermordeten gedacht wird.

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Rubriklistenbild: © dpa/Boris Roessler

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