Behörde räumte Panne ein

Nach Tod von Dreijährigem im Oktober: Verdacht erhärtet - Haftbefehl erlassen

Dillingen/Bayern: Dreijähriger Junge tot - Behörde räumt Panne ein
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Im Oktober starb ein Dreijähriger in Dillingen. Jetzt wurde Haftbefehl erlassen (Symbolbild)

Ein dreijähriger Junge starb im Oktober in Dillingen (Bayern). Mehr als ein halbes Jahr später wurde jetzt ein Haftbefehl erlassen.

  • Im Oktober starb ein dreijähriger Junge in Dillingen.
  • Eine Behörde hatte kurz darauf eine Panne eingeräumt.
  • Jetzt - mehr als ein halbes Jahr später - wurde Haftbefehl erlassen.

Update vom 8. Mai: Mehr als ein halbes Jahr nach dem Tod eines Dreijährigen in Schwaben ist der Lebensgefährte der Mutter wegen Verdachts des Totschlags in Untersuchungshaft gekommen. Der 23-Jährige sei am 20. Oktober allein mit dem Kind in der Wohnung in Dillingen gewesen, als der Junge kollabierte, teilte die Polizei am Freitag in Absprache mit der Staatsanwaltschaft mit. Laut einem rechtsmedizinischen Gutachten wurde das Kind massiv körperlich misshandelt. Stumpfe Gewalt gegen den Bauch habe zum Tod geführt.

Ein Notarzt hatte das Kind wiederbelebt, bevor es in die Kinderklinik nach Augsburg kam. Dort starb der Dreijährige wenig später. Zunächst war die Todesursache unklar. „Es folgten umfangreiche Ermittlungen der Kripo Dillingen, wobei auch ein Gutachter der Rechtsmedizin eingeschaltet wurde“, teilte das Polizeipräsidium Schwaben Nord mit.


Nachdem sich der Verdacht gegen den 23-Jährigen erhärtet hatte, erließ ein Ermittlungsrichter des Amtsgerichts Augsburg Haftbefehl gegen den Mann. Der Beschuldigte wurde am Donnerstag festgenommen und kam am Freitag ins Gefängnis. „Die Ermittlungen zum Tatgeschehen und zu den möglichen Hintergründen sind noch nicht abgeschlossen“, hieß es weiter. Daher könnten noch keine Einzelheiten genannt werden.

Nach Tod von Dreijährigem: Jetzt räumt Behörde grobe Panne ein

Erstmeldung vom 4. Dezember 2019

Dillingen - Ein dreijähriger Junge war im Oktober aus bislang unbekannten Gründen gestorben. Die Augsburger Staatsanwaltschaft prüft, ob ein Tötungsdelikt vorliegt. Details dazu würden noch nicht bekanntgegeben, sagte ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Mittwoch.

Mittlerweile hat das Landratsamt Dillingen eine interne Panne eingeräumt. Drei Monate vor dem Tod des Kindes war der Hinweis einer Nachbarin über eine mögliche Gefährdung des Jungen eingegangen. Dieser war aber behördenintern nicht an das Jugendamt weitergeleitet worden. 

Die Frau habe ursprünglich wegen der Hunde der Familie beim Veterinäramt angerufen, wie sie gegenüber dem Bayerischen Rundfunk (BR) erklärte. Auf die Frage, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliegen könnte, habe sie mit „ja“ geantwortet. Landrat Leo Schrell bestätigte den Anruf und sagte gegenüber dem BR: „Wenn in irgendeinem Fachbereich Informationen eingehen, die für einen anderen Fachbereich von Bedeutung sind, sollten diese Informationen selbstverständlich an diesen Fachbereich weitergegeben werden.“

Viel zu früh verstarb auch ein 14-jähriger Netflix-Schauspieler. Seine Familie trauert in Schottland.

Dreijähriger in Dillingen gestorben: Behörde räumt Panne ein

Das Landratsamt in Dillingen an der Donau erhebt allerdings auch schwere Vorwürfe gegen das Jugendamt in Halle an der Saale. Dort hatte die Familie zuvor gelebt. Das Jugendamt Halle hätte die Kollegen von dem Umzug der Familie nach Bayern informieren müssen, denn in Halle war bereits eine Kindeswohlgefährdung festgestellt worden. 

Automatismen bei der Weitergabe von Daten gibt es aufgrund von gesetzlichen Vorgaben nicht. Landrat Schrell gibt deshalb auch den Vorschriften die Schuld am Tod des Jungen. „In dem Fall wäre weniger Datenschutz hilfreich, deshalb wünsche ich mir schon, dass in Fällen, wo Kindeswohlgefährdung sein könnte, Datenschutz ein kleines Stück zurückgenommen werden würde, sodass wir notwendige Infos bekommen können“, sagte er dem BR.

Dreijähriger Junge stirbt: Stadtverwaltung Halle äußert sich nicht

Von der Stadtverwaltung in Halle war zunächst keine Stellungnahme zu den Vorwürfen zu erhalten. Die SPD will den Fall zum Thema im bayerischen Landtag machen. Mit zwei Landtagsanfragen solle ein mögliches Behördenversagen geprüft werden, berichtete die SPD-Fraktion am Mittwoch.

In Eschenbach gibt es einen schrecklichen Verdacht gegen eine junge Frau. Die 25-Jährige soll ihren Stiefsohn getötet haben.

Alle Nachrichten rund um Bayern finden Sie auf unserer Themenseite. Im sächsischen Plauen sind Rettungskräfte zu einer verletzten Frau gerufen worden. Die Helfer erkannten Anzeichen einer Geburt - fanden aber kein Kind.

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