Polizei klagt über versteckte Öffnungen

Coronavirus-Irrsinn in Ruhrgebiets-Kneipen: "Rollläden unten, aber volle Hütte"

Die Gaststätten im Ruhrgebiet sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie dicht. Oder doch nicht? Wie in Zeiten der Prohibition kommt es zu illegalen Geschäften.

  • Aus einigen Gaststätten im Ruhrgebiet werden illegale Machenschaften gemeldet.
  • Trotz des grassierenden Coronavirus halten sie manche Wirte nicht an die Regeln.
  • Aus Duisburg und Essen sind Fälle bei der Polizei bekannt, auch in Dortmund scheint es Ungereimtheiten zu geben.

Duisburg - Die Herstellung und der Transport von Alkohol ist im Ruhrgebiet zwar auch in Zeiten des Coronavirus* noch nicht verboten, aber dessen Ausschank ist in Kneipen und Gaststätten aufgrund der jüngst verhängten Kontaktsperre tabu. 


Im Falle einiger Unbelehrbarer mag sich deshalb so manch ein Historiker an Zeiten der Prohibition in den USA erinnern. Denn was die illegalen Machenschaften seitens so manch eines Ruhrgebiets-Kneipenwirtes betrifft, scheint es im Pott Parallelen zu den USA geben, stellt RUHR24.de* fest.

Polizei im Ruhrgebiet geht gegen Coronavirus-Partys in Gaststätten vor

Duisburg, 25. März, 1.25 Uhr: Anrufer melden der Polizei im Dellviertel eine illegale Feier in einer dortigen Gaststätte. Die Rollläden sind heruntergelassen, doch aus dem Innern dringen Stimmen nach draußen in die Duisburger Nacht. 


Gäste und Wirt flüchten in Hinterhof, Waschräume und Keller, um sich vor der Polizei zu verstecken. Bei Befragungen der Polizei geben einige an, nichts von einem möglichen strafbaren Verhalten zu wissen.

Der Vorfall in Duisburg ist nicht der einzige im Ruhrgebiet, der das fahrlässige Verhalten mancher Kneipiers in Zeiten des Coronavirus dokumentiert. 

Herbert Reul und die NRW-Polizei kontrollieren, dass die Regeln zur Eindämmung des Coronavirus eingehalten werden.

Nur ein paar Kilometer östlich von Duisburg, in Essen-Rüttenscheid, ähnliche Bilder vor einer Kneipe. Abgehangene Fenster, geschlossene Türen. Auf Nachfrage der Polizei öffnet jemand die Pforte, gibt an, eine private Party zu feiern, um den Beamten dann zu erklären, es sei ihm "scheißegal", was die Polizei dazu sagen würde.

Die Polizei in Essen bezeichnet die Feiernden später in einer Pressemitteilung als "Dummköpfe", die den "Ernst der Lage immer noch nicht erkannt haben".

Gaststätte in Dortmund trotz Coronavirus-Regeln in Betrieb

Und auch in Dortmund scheint es diese "Dummköpfe" zu geben. Gegenüber RUHR24.de gibt ein Leser an, eine Kneipe im Stadtbezirk Hombruch habe heimlich geöffnet. "Jalousien unten, Tür abgeschlossen und volle Hütte. Mehrfach hab ich gesehen, wie Taxifahrer dreimal laut an der Jalousie klopften, um Gäste dort abzuholen. Vier bis fünf Minuten später ging die Tür auf und zwei bis drei Besoffene kamen raus."

Unterdessen müssen sich die Verantwortlichen Ordnungswidrigkeitsanzeigen und schlimmstenfalls auf Strafanzeigen einstellen. Denn laut Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (CoronaSchVO) ist derzeit der Betrieb von Gaststätten untersagt. Nur Belieferungen sind noch zulässig. Die Regelung gilt vorerst bis zum 20. April. Wirte, die dagegen verstoßen, müssen 4000 Euro zahlen. Etwaige Strafen sind im Straf- und Bußgeldkatalog zur Umsetzung des Kontaktverbots* geregelt.

Coronavirus: Strafen könnten bei Wirten im Ruhrgebiet Wirkungen zeigen

Ob die Strafen die ersten Wirte davon abhalten "private Partys" zu feiern, wird sich wohl erst zeigen, wenn die ersten Sanktionen verhängt werden. Bis dato könnten sich die Untergrund-Szenen wie zu Zeiten der Prohibition in den USA munter wiederholen.

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Rubriklistenbild: © Rolf Vennenbernd/dpa; Collage: RUHR24

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