Wut-Brief auf Facebook geht viral

Krankenschwester macht ihrem Ärger Luft: "Euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken!"

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Berlin - Ob Verkäufer, Erzieherinnen, Ärzte oder Krankenpfleger: Lob, Dank und Anerkennung sind meist nicht selbstverständlich. Diejenigen, die in der Coronavirus-Pandemie am meisten gefragt sind, erleben jetzt ganz neue Wertschätzung. Doch eine Krankenschwester empfindet diese Empathie als heuchlerisch. 

Das neuartige Coronavirus stellt Pflegedienste und Krankenhäuser in Bayern vor große Schwierigkeiten. "Wir sind an der Grenze unserer Kapazitäten", sagt zum Beispiel Armin Heil, Leiter eines ambulanten Pflegedienstes in Tutzing. 


Der Respekt für die vielen Menschen, die unser System am Laufen halten, ist in der Bevölkerung groß. Überall in Europa klatschten und jubelten die Menschen an diversen Abenden den Ärzten und Pfleger für ihre unermessliche Arbeit während der Coronakrise zu.

Beruf jahrelang unterbezahlt?

Doch eine Krankenpflegerin aus Berlin sieht diese Aktionen kritisch. "Ich weiß, es ist als nette Geste gemeint. Aber glaubt mir: Es verändert absolut nichts", erklärte Nina Böhmer (28) im Gespräch mit tagesspiegel.de


Das verdienen systemrelevante Arbeitnehmer (29.03.2020)

In dieser Woche hätte die gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerin eigentlich Urlaub gehabt, doch sie habe sich freiwillig gemeldet, um auf einer peripheren Station in einer Berliner Klinik weiterzuarbeiten. Tag für Tag kämpfen Krankenpfleger um das Leben anderer und auch um notwendige medizinische Ausstattung wie Mundschutz und Desinfektionsmittel.

Nina Böhmer rechnet nun auf Facebook in einem Wut-Brief ab. Sie spricht über die Anweisungen des RKI, dass das Pflegepersonal auch nach ungeschütztem Kontakt mit Covid-19-Patienten weiterarbeiten sollen und über die Unterbezahlung ihres Berufs.

Der Wutbrief im Wortlaut:

"Fassen wir mal zusammen.

Erst sollen wir einen Mundschutz und Schutzkittel für mehrere Patienten benutzen.

Wir sollen weiter arbeiten, wenn wir Kontakt zu einem Corona/Covid-19 Patienten hatten.

Dann werden Personaluntergrenzen ausgesetzt für die lange gekämpft wurde. Das heißt, Scheiß egal, es könnten eine Pflegekraft 50 Patienten betreuen.

Dann sagt Herr Spahn es geht gar nicht um die Bezahlung in dem Beruf, es ist nur wichtig den Job attraktiver zu machen.

Und jetzt müssen wir nicht mehr in Quarantäne nach Kontakt, wir können schon früher zur Arbeit gerufen werden, sagt das RKI! Diejenigen die hier empfehlen das am besten Alle zu Hause bleiben sollen wegen dem gefährlichen Virus! Schämt euch, diejenigen, die das RKI hoch in den Himmel heben!

In einem Beruf der jahrelang unterbezahlt ist...wo alle am Limit arbeiten...wir sollen jetzt die Helden sein und werden so behandelt? Eigentlich sollten genau jetzt alle Pflegekräfte ihren Job kündigen!

Ich bin richtig doll traurig und enttäuscht, ich fühle mich verarscht und ich kann es nicht fassen. Ich bin ernsthaft sprachlos. Vielleicht kann man jetzt meine Posts verstehen...ich bin sauer.

Und euer Klatschen könnt ihr euch sonst wo hinstecken ehrlich gesagt...Tut mir leid es so zu sagen aber wenn ihr helfen wollt oder zeigen wollt wie viel wir Wert sind dann helft uns für bessere Bedingungen zu kämpfen!"

Wie gefährlich ist die Arbeit der Krankenpflegekräfte?

Der Sprecher der Deutschen Gesellschaft für Notfallmedizin, Carten Hermes, gibt Nina Böhmer recht und kritisierte: „Pflegende, die nachweisliche länger als 15 Minuten Kontakt zu einer am Corona-Virus infizierten Person hatten, werden derzeit oft weder getestet noch kommen sie in Quarantäne, so lange sie keine Infektionszeichen haben", berichtet mz-web.de.

Nina Böhmer hat für ihre Offenheit und Kritik viel Zuspruch erhalten. Der Post, welcher bereits am 23. März 2020 veröffentlicht wurde, wurde knapp 73.000 Mal geteilt (Stand: Dienstag, 31. März, 10.30 Uhr). 

Allerdings gibt es auch eine andere Seite. Einige äußerten unter entsprechenden Artikel anderer Medienhäuser den Verdacht, das Foto sei bearbeitet worden. Gegenüber rosenheim24.de wollte sich die 28-Jährige nicht mehr zu diesem Thema äußern. 

mz

Quelle: rosenheim24.de

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