In Waldkraiburger Feuerwehrmuseum

Besucher sollen Rettungsgassen-Ärger selbst erleben

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Ein Feuerwehrsimulator der Feuerwehr Frankfurt am Main. So ähnlich soll das Gerät in Waldkraiburg einmal aussehen.
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Waldkraiburg - In einem Simulator im Feuerwehrmuseum Bayern sollen Besucher künftig selbst erleben, wie es für Einsatzkräfte ist, wenn die Rettungsgasse nicht richtig gebildet wird. 

Ein schwerer Unfall. Jede Minute zählt. Die Feuerwehr rast zum Unglücksort – und bleibt im Verkehr stecken: Niemand lässt die Helfer durch, obwohl die Zeit drängt. Immer wieder sorgen derartige Vorfälle auch in der Region für Aufsehen. Zuletzt wurde ein unglaublich gefährliches und unverantwortliches Verhalten in einem Video auf der Facebook-Seite der Polizei Oberbayern Süd, dokumentiert. Eine vorbildlich gebildete Rettungsgasse wurde dabei von Auto- und Lkw-Fahrern als Überholspur missbraucht. Das Gefühl der Machtlosigkeit, dass die Rettungskräfte in solchen Situationen durchleben müssen, sollen bald alle Interessierten nachempfinden können. Denn im Feuerwehrmuseum Bayern in Waldkraiburg entsteht derzeit ein Simulator für Einsatzfahrten.

Aus dieser Fahrerkabine soll der Simulator entstehen.

Wie Alexander Süsse, Vorsitzender des Feuerwehrmuseums in einer Pressemitteilung erläutert, sollen die Besucher dabei in der Fahrerkabine eines Feuerwehrautos sitzen und dieses durch den auf einer Leinwand simulierten Verkehr steuern. "Lenken, Gas geben, bremsen, Blaulicht und Martinshorn ein- und ausschalten: Alles, was der Fahrer bei einem Einsatz macht, müssen die Besucher übernehmen – und wenn es schlecht läuft, gibt es auch einmal einen Unfall oder die Retter kommen nicht rechtzeitig zum Unglücksort." Nach dem Zufallsprinzip sollen verschiedene Situationen dargestellt werden. "Jede Fahrt ist anders", erklärt Süsse. "Man erlebt zum Beispiel, was es bedeutet, ein riesiges Feuerwehrauto im Stadtgewirr, auf einer Autobahn mit Stau oder auf der Landstraße zu fahren."

Erst am vergangenen Freitag funktionierte bei einem Unfall auf der A3 die Rettungsgasse nicht.

Es müsse ein hautnahes Erlebnis sein, "so realistisch wie möglich", erklärt Süsse. "Die Leute sollen mit feuchten Händen aussteigen und merken, dass so eine Fahrt doch nicht so einfach ist, wie viele glauben!" Vor allem aber sollen sie künftig mehr Rücksicht auf die Helfer nehmen. "Das Erlebnis soll deutlich machen, dass es um Menschenleben geht, und wie wichtig es ist, eine Rettungsgasse zu bilden." Dies hätten nach der Erfahren vieler Einsatzkräfte viele Autofahrer noch immer nicht verinnerlicht. Süsse weißt auf die Unfallserie mit 14 Verletzten am vergangenen Freita auf der A3 nahe Wörth an der Donau hin, bei der die Feuerwehr im Stau nicht voran kam und zusätzlich ein Lkw in ein Feuerwehrfahrzeug raste.

Simulator braucht noch Unterstützung

Noch ist der Simulator nicht fertig. Zwischen 10.000 und 15.000 Euro kostet das Projekt, es wird ausschließlich von Ehrenamtlichen umgesetzt. "Wir machen viel in Eigenleistung", sagt Süsse. Trotzdem benötigen die Organisatoren weitere Unterstützung (Kontakt unter info@feuerwehrmuseum-bayern.de). "Wir sind noch auf der Suche nach Sponsoren." Eine Lkw-Fahrzeugkabine ist bereits zum Fahrerraum eines Feuerwehrautos umgebaut und auch die Software für die Simulation gibt es schon. Es fehlen aber noch weitere Computertechnik, drei hochwertige Beamer und eine Leinwand, auf der die Verkehrssituationen dargestellt werden. Außerdem wird ein Anhänger benötigt, auf dem die rund 600 Kilogramm schwere und drei Meter hohe Fahrerkabine transportiert werden kann.

"Sie soll nicht nur im Museum, sondern auch bei Veranstaltungen genutzt werden können", erklärt Süsse. Er kann sich vorstellen, dass auch echte Feuerwehrler von dem Simulator profitieren. "Man könnte ihn zur Ausbildung nutzen." Profis könnten schwierigere Fahrten trainieren, zum Beispiel bei Schneefall, starkem Regen oder Dunkelheit. Denn auch hier zählt jede Minute.

2017 erstmals schwarze Zahlen

Das Feuerwehrmuseum Bayern in Waldkraiburg besteht seit dem Juni 2012. Im ersten Jahr nach der Eröffnung hatte es zunächst Klagen über eine regelrechte "Besucherflaute" gegeben. Nur 12.000 statt der erhofften 40.000 Besucher waren im ersten Jahr des Bestehens gekommen. Es wurde sogar befürchtet, dass eine Schließung drohen könnte. Doch dies konnte abgewendet werden und es geht inzwischen stetig aufwärts. Im vergangenen Jahr konnten die Verantwortlichen vermelden, dass es erstmals schwarze Zahlen schrieb.

Zahlreiche Ausstellungsstücke warten im Feuerwehrmuseum Waldkraiburg auf die Besucher.

Auf 4500 Quadratmetern kann man in dem Museum die Geschichte der Feuerwehr von der Vergangenheit bis zur Zukunft erleben. Die etwa 5.000 Exponate und 85 Fahrzeuge stammen aus zwei Jahrhunderten. "Alle mit viel Herzblut und Engagement von begeisterten Sammlern zusammengetragen", wie die Verantwortlichen auf ihrer Website schreiben, "Eine große Blaulicht-Sammlung und eine Modellbauabteilung runden unser Angebot ab."  Derzeit ist das Museum wegen der winterlichen Temperaturen noch bis zum 02. März geschlossen. Für Gruppen wird aber nach Voranmeldung unter info@feuerwehrmuseum-bayern.de jederzeit geöffnet.

Hinweise der Polizei zum Bilden der Rettungsgasse:

  • Eine Rettungsgasse muss gebildet werden, sobald der Verkehr stockt - nicht erst, wenn der Verkehr komplett steht oder sich Einsatzfahrzeuge nähern. 
  • Die Gasse wird immer zwischen dem äußerst linken Fahrstreifen und dem rechts daneben gebildet. Fahrzeuge auf dem linken Fahrstreifen fahren also so weit wie möglich nach links, alle anderen so weit wie möglich nach rechts. 
  • Die Gasse muss so breit sein, dass auch große Feuerwehr- oder Bergungsfahrzeuge problemlos passieren können. Halten Sie Abstand zum Vordermann, um ausreichend Raum zum Rangieren zur Verfügung zu haben. 
  • Vermeiden Sie Fahrstreifenwechsel und beobachten Sie aufmerksam das Verkehrsgeschehen, insbesondere im Rückspiegel! 
  • Fahrer und Lkw, Bussen und anderen großen Fahrzeugen sollten wegen des höheren Platzbedarfs (insbesondere der Fahrzeugbreite) und der eingeschränkten Rangiermöglichkeiten auf dem rechten Fahrstreifen bleiben.

hs/Pressemitteilung Feuerwehrmuseum Bayern

Quelle: innsalzach24.de

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